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Urteil des Bundesgerichts Berner Klinik hat Zeugen Jehovas nicht diskriminiert

  • Eine Zeuge Jehovas ist mit seiner Klage gegen eine Berner Klinik, die ihn nicht operieren wollte, vor Bundesgericht abgeblitzt.
  • Der Mann hatte es der Klinik nicht gestattet, eine Bluttransfusion vorzunehmen, falls bei der Operation eines Bandscheibenvorfalls etwas schiefgeht.
  • Mit gutem Recht wolle eine Klinik nicht das Risiko eingehen, einen Patienten verbluten zu lassen, halten die Lausanner Richter unter anderem fest.
Bluttransfusionen.
Legende: Bluttransfusionen sind ein No-Go für die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas. Keystone

Der Mann wollte sich in einem Berner Spital wegen eines Bandescheibenvorfalls operieren lassen. Die Klinik wies ihn aber ab, weil er es nicht erlaubte, dass man ihm notfalls eine Blutransfusion verarbreicht. Der Betroffene machte geltend, er fühle sich gedemütigt und sei traumatisiert. Er klagte in der Folge gegen die Klinik wegen Diskriminierung.

Das Bundesgericht hat den Kläger jetzt abgewiesen. In ihrer Begründung stellen die Lausanner Richter unter anderem fest, dass eine Klinik «mit gutem Recht» nicht das Risiko eingehen wolle, einen Patienten bei der Operation verbluten zu lassen. Um eine klare Linie vertreten und jeden Anschein einer Ungleichbehandlung oder Diskriminierung ausschliessen zu können, stütze sich die Klinik auf eine generell-abstrakt formulierte Einverständniserklärung.

So habe der Mann ein Anrecht auf medizinische Behandlung und Respekt für seinen Glauben. Die Ärzte aber hätten ein Anrecht darauf, dass sie im Notfall ihren Patienten retten können, so das Bundesgericht. Die Operation der Diskushernie sei zugleich nicht lebensnotwendig gewesen und der Mann habe dann in einer anderen Klinik operiert werden können. Deshalb sei er nicht diskriminiert worden.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Wie ist das aber bei einem Kind ? Dürfen die Eltern eine lebensrettende Op. mit Bluttransfusion verweigern? Vor Jahren gab es mal so einen Fall, da schritt das Jugendamt ein und die Eltern wurden praktisch entmündigt für diesen Eingriff. Wie ist heute die Rechtslage?
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    1. Antwort von Raphael Ernst (Raphael Ernst)
      Das Recht auf Leben ist stärker als der Elternwunsch. Also kann der Arzt entscheiden, wie die Massnahmen aussehen.
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    2. Antwort von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
      Ich hätte auf die Gewichtung des Kindeswohls getippt, welches höher zu werten ist als der Wille der Eltern.
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  • Kommentar von Turi Meier (TuMei)
    Ärzte die vor einer Diskushernie-Operation eine Unterschrift für eine Bluttransfusion fordern? Ich habe meinen Chirurgen (einen nicht-Zeugen Jehovas) gefragt, ob das wirklich so gefährlich ist. Ich muss evtl. so eine Operation durchführen. Seine Antwort: Da sind wohl nicht Ärzte das Problem, das riecht nach „Spitalpolitik“! Er hatte noch nie an Ärzte-Seminaren gelesen oder gehört, dass man bei so einem Routine-Eingriff jemals Blut verwendet hatte.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    Der einzig richtige und konsequente Entscheid, denn die OP selber war nicht lebensrettend, aber mitten drin hätte die lebensbedrohliche Situation aus Blutmangel entstehen können. Und die Ärzte haben ja bekanntlich auf Lebensrettung und nicht auf Lebenserleichterung geschworen.
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