Urteils-Statistik 2013: Mehr Urteile und kurze Gefängnisstrafen

Im letzten Jahr haben Schweizer Richter so viele Strafurteile wie nie zuvor verhängt. Verantwortlich dafür war vorab ein Anstieg bei Vergehen gegen das Ausländergesetz. Das Bundesamt für Statistik stellt zudem eine markante Zunahme unbedingter, kurzer Freiheitsstrafen fest.

Die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Lenzburg (AG)

Bildlegende: Schweizer Strafjustizbehörden sprachen 2013 markant mehr kurze Freiheitsstrafen aus. Keystone

Die Schweizer Richter und Strafverfolgungsbehörden haben im vergangenen Jahr insgesamt 109'278 Strafurteile verhängt. Das sind 2 Prozent mehr als im Jahr 2012. Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte, entspricht dies einem neuen Höchstwert.

Isabel Zoder, Leiterin Justiz und Urteile beim BFS, relativierte gegenüber SRF diesen «Rekordwert». Es sei zwar in den letzten Jahren zu einem kontinuierlichen Anstieg der Strafurteile gekommen. Aber es handle sich um einen kleinen Anstieg gegenüber dem Vorjahr, und die Zahlen könnten in Zukunft wieder rückläufig sein.

Zugenommen haben in erster Linie Verurteilungen von Personen, die gegen das Ausländergesetz verstiessen (+12,3 Prozent). Beispielsweise sprachen Richter und Staatsanwälte im vergangenen Jahr deutlich mehr Strafen aus wegen Widerhandlungen gegen Ein- und Ausreisebestimmungen.

Markanter Anstieg bei rechtswidrigem Aufenthalt

12'202 Urteile wurden wegen rechtswidrigen Aufenthalts in der Schweiz gesprochen – 20 Prozent mehr als im Jahr 2012. In 3200 Fällen wurden Personen verurteilt, weil sie einer nicht bewilligten Erwerbstätigkeit nachgingen (+12,7 Prozent). 7135 Urteile (+1,6 Prozent) gingen auf die Verletzung von Einreisevorschriften zurück.

Das BFS verzeichnete im vergangenen Jahr auch mehr Vergehen gegen das Strafgesetzbuch (+2 Prozent) und gegen das Betäubungsmittelgesetz (+6 Prozent). Geringer fielen dagegen Verurteilungen wegen Verkehrsdelikten aus. Die Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz sanken um 0,4 Prozent, machen aber seit Jahren rund die Hälfte aller Urteile aus.

Kurze, unbedingte Haftstrafen im Trend

Eine deutliche Veränderung gab es bei den verhängten Sanktionen: «Es wurden viel mehr kurze, unbedingte Freiheitsstrafen zwischen einem und sechs Monaten ausgesprochen», sagte Zoder vom BFS.

Im Jahr 2013 wurden in 7709 Fällen solche Strafen ausgesprochen, was einem Anstieg von 34,6 Prozent entspricht. Der Trend zu mehr kurzen, unbedingten Gefängnisstrafen hat schon im Jahr 2008 eingesetzt. Im vergangenen Jahr hat er sich verstärkt.

Geldstrafen führen das Sanktionsregister an

Insgesamt wurden im Jahr 2013 in 11'880 Fällen unbedingte Freiheitsstrafen ausgesprochen. Im Jahr zuvor waren es noch 9763 Fälle.

Am häufigsten wird aber nach wie vor eine Geldstrafe verhängt. Im vergangenen Jahr war dies 91'346 Mal der Fall, was 83,5 Prozent aller Urteile entspricht. Gemeinnützige Arbeit wird nur noch selten als angemessene Bestrafung angesehen: Die Zahl dieser Urteile fiel auf 2813, was einem Rückgang von 3,3 Prozent entspricht.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Gefängnis statt Geldstrafen

    Aus 10vor10 vom 27.10.2014

    Die Anzahl der gesprochenen Urteile zu unbedingten Freiheitsstrafen steigt seit Jahren kontinuierlich. Immer mehr Leute wandern ins Gefängnis – auch bei kleineren Delikten. Dies obwohl eigentlich seit 2007 die Doktrin gälte, bei kleineren Vergehen zuerst eine Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit zu verhängen.