US-Botschafter verlässt Bern nach 4 intensiven Jahren

In der Schweiz Botschafter zu sein, klingt nach einem Traumjob. Für US-Botschafter Donald Beyer allerdings wurden die vier Jahre in Bern wesentlich intensiver als gedacht. Vor allem die Bankenkrise und der Steuerstreit trübten das Verhältnis. Ende Monat kehrt Beyer zurück in die USA.

Liebe kann schmerzhaft sein: US-Botschafter Donald Beyer ist kürzlich beim Skifahren bös gestürzt und muss nach dem Interview für «Rendez-vous» gleich zum Physiotherapeuten. Trotzdem bleiben die Berge seine grosse Leidenschaft. Diese seien ihm bei weitem das Liebste, sagt er.

Beyer bei einer Ansprache 2011.

Bildlegende: US-Botschafter Donald Beyer, Aufnahme von 2011. Keystone

Doch auch das Flachland hat Beyer ausgiebig bereist. In seinen vier Schweizer Jahren besuchte der US-Botschafter alle  Sprachregionen und sämtliche 26 Kantone. So habe er Geschichte, Kultur und die Menschen in der Schweiz kennen gelernt. Ob in Aarau oder in der Ajoie, in Zermatt oder Zürich: Überall sei er auf freundliche Offenheit gestossen.

Schweiz und USA ziehen am selben Strick

Die Beziehungen zwischen den USA und der Schweiz könnten kaum besser sein: Wirtschaftlich seien die beiden Länder aufs Engste miteinander verflochten, betont der Botschafter ausführlich. So sei die Schweiz eine der grössten Direktinvestorinnen in den USA, diese wiederum mit fast 700 Unternehmen hier vertreten.

Und auch politisch ziehe man am selben Strick. So nehme etwa die Schweiz als Schutzmacht Amerikas auf Kuba und im Iran eine wichtige Funktion wahr. Die Vertretung der US-Interessen in Teheran durch die Schweiz nennt Beyer «very, very important.» 


US-Botschafter Beyer zieht Bilanz

4:18 min, aus Rendez-vous vom 10.05.2013

Eine irritierende Sache gebe es zwischen Bern und Washington, gesteht Botschafter Beyer schliesslich doch ein: den Steuerstreit um Schwarzgeldkonten von US-Bürgern. Zugleich betont er, dass er da nur am Rande beteiligt sei. Deshalb könne er auch nicht sagen, wann und ob es zu der von der Schweiz erhofften Globallösung komme. Er wisse nur, dass auch die US-Seite diese Krise in den Beziehungen mit der Schweiz gelöst haben wolle.

US-Steuersünder im Visier

Zwischen den Zeilen heisst das wohl: Der Steuerstreit wird noch länger dauern. Die Schweiz respektive einzelne Schweizer Banken müssen weiter mit grossem Druck aus den USA leben. Versteht der US-Botschafter, dass da manche sein Land als globalen Tyrannen erleben, der weltweit seine Regeln rücksichtslos durchsetzt? Er verstehe, dass dies manchmal in den Medien so reflektiert werde, gibt Beyer zur Antwort.

Doch es gehe den USA nicht darum, die Schweizer Gesetze und Bräuche zu ändern. Vielmehr wolle man US-Bürger dazu zwingen, sich an amerikanische Gesetze zu halten. Das mag sein, doch das Resultat dieser Bemühungen ist zum Beispiel Fatca, ein US-Gesetz, das auch Schweizer Banken faktisch verpflichtet, gegenüber amerikanischen Kunden das Bankgeheimnnis aufzuheben.

Hauptbetroffene von Fatca sind US-Bürger im Ausland. Inzwischen haben sie Schwierigkeiten, überhaupt noch ein Bankkonto zu eröffnen. Viele von ihnen geben deswegen sogar ihre US-Staatsbürgerschaft zurück. Dies übrigens nirgends so häufig wie in der Schweiz. Doch Donald Beyer relativiert: Die allermeisten dieser Menschen seien eigentlich Schweizer. Sie seien hier bestens integriert und hätten «eher zufällig» einen amerikanischen Pass.

Unter Obama wird vieles besser

Nicht alles will Botschafter Beyer schönreden. Neben dem Steuerstreit habe es in den ersten Jahren dieses Jahrtausends zahlreiche Meinungsverschiedenheiten gegeben: Die meisten Schweizer hätten die beiden Kriege im Irak und in Afghanistan abgelehnt. Auch hätten sie sich über Foltervorwürfe, oder das Straflager in Guantánamo empört. Oder die amerikanische Passivität in Umweltfragen beklagt. Das alles habe und werde sich unter Präsident Barack Obama bessern. Dies werde die beiden Ländern wieder näher zueinander führen, ist Beyer überzeugt.

An diesen Entwicklungen will auch Donald Beyer wieder vermehrt teilhaben. Vor seiner Schweizer Zeit war er ein wichtiger Geldgeber für die Demokraten und mehrere Jahre auch stellvertretender Gouverneur in Virginia. Ende Monat nun kehrt er in die USA zurück und wird sicher wieder in die aktive Politik einsteigen. Denn dort spiele die Musik.

Die Schweiz aber wird Teil seines Lebens bleiben, daran ändert auch die lädierte Schulter nichts: Er werde wieder und wieder zurückkommen – in die Schweizer Berge.