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Schweiz Vaterschaftsurlaub – eine linke Idee wird bürgerlich

Auch Väter sollen bei der Geburt ihres Kindes bezahlten Urlaub bekommen. Das verlangt die Linke seit langem – vergeblich. Doch nun will im Bundeshaus eine kleine Gruppierung von bürgerlichen Parlamentariern genau dies: einen Vaterschaftsurlaub.

Ein Mann berührt mit seiner Nase die Nase eines schlafenden Babys, das er vor sich hält.
Legende: Die Linke biss mit ihrem Wunsch nach Vaterschaftsurlaub bisher bei Bürgerlichen auf Granit. Keystone

Diese Männer wollen es wissen: Martin Candinas von der CVP, Hughues Hiltpold von der FPD, der Grünliberale Thomas Maier und BDP-Mann Bernhard Guhl. Sie wollen das erreichen, was die Linke schon lange fordert: Einen Vaterschaftsurlaub.

Der Aargauer Guhl, Vater von zwei kleinen Kindern, erklärt es so: «Die Zeit nach einer Geburt ist für eine Familie etwas sehr Schönes. Und wenn der Vater zuhause bleiben kann, ist das ein sehr grosser Gewinn für die Familie.»

Als junge Väter persönlich betroffen

Zusammengetrommelt hat die Gruppe der Bündner Nationalrat Candinas. Letzten Frühling hat er einen Vorstoss eingereicht: Er fordert zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, finanziert – wie die Mutterschaftsversicherung – durch die Erwerbsersatzordnung (EO). Seine drei Ratskollegen wollen ihn dabei unterstützen.

Eine kleine, parlamentarische Vätergruppe also? Nationalrat Maier winkt ab. Es brauche keine Vätergruppe im Bundeshaus. Aber: «Wir alle sind – in Anführungszeichen – junge Väter, die kleine Kinder haben, und ein gewisses Mass an persönlicher Betroffenheit kommt da natürlich ins Spiel.»

Vier Wochen Urlaub «nicht realisierbar»

Anläufe für einen Vaterschaftsurlaub gab es schon einige. Zuletzt war es der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse, der im Frühling die Idee eines vierwöchigen Vaterschaftsurlaubs, finanziert durch die EO, lanciert hatte.

Vier Wochen seien nicht realisierbar, sagen die vier bürgerlichen Parlamentarier. Zwei schon. So sei es halt in der Schweiz, sagt FDP-Mann Hiltpold. Man mache hier «la politique des petits pas», die Politik der kleinen Schritte.

Kleine Schritte, aber aus der richtigen Richtung, knapp rechts von der Mitte. Das sei der Unterschied. Denn ohne Bürgerliche, ohne wirtschaftsnahe Politiker die dahinter stehen, habe ein Vaterschaftsurlaub im Parlament keine Chance, so Hiltpold.

Zwei Wochen Urlaub – besser als nichts?

Und darum schickt sich die Vierergruppe aus der politischen Mitte nun an, dieses urlinke Anliegen durch beide Räte zu bringen. Ohne die Linke. Warum er niemanden aus der Ratslinken für die Gruppe angefragt hat, begründet Candinas so: «Als Vertreter der Mitteparteien wollen wir in diese Richtung. Wir wollen uns aber von jenen abgrenzen, die Fantasievorstellungen haben, was Vaterschaftsurlaub angeht.»

Eine Fantasievorstellung ist für ihn ein Monat Vaterschaftsurlaub oder mehr. Das hatte vor sieben Jahren SP-Nationalrat Roger Nordmann eingebracht. Sein Vorschlag blieb chancenlos. Beleidigt, dass er jetzt für diese neue Gruppe und ihren Anlauf nicht angefragt wurde, ist er nicht. Das sei halt Taktik, das könne er verstehen.

Vier Mittepolitiker quasi im Alleingang

Nordmann kann sich vorstellen, die Pläne der bürgerlichen Gruppe zu stützen, zwei Wochen Vaterschaftsurlaub seien immer noch besser als nichts. Aber nicht nur die Linken, auch die Rechten sind nicht mit an Bord. Martin Candinas sagt, er habe von der SVP gar niemanden gefragt. «Ich glaube nicht, dass der Erfolg gross gewesen wäre. Und irgendwann reduziert man dann die Arbeit auch auf ein vernünftiges Mass, wenn die Chancen nicht allzu gross sind.»

Spätestens im nächsten Frühling wird Candinas' Vorstoss in der vorberatenden Kommission des Nationalrates behandelt.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Wenn ein junger Mann Vater wird, nimmt er eine oder Zwei Wochen Ferien und bliebt bei seiner Frau und seinem Kind. Das ist schön so. Aber wieso die Allgemeinheit das finanzieren soll ist mir schleierhaft. Wieso will man gerade diese Gruppe privilegieren? Wieso sollen Alleinstehende ohne Kinder keine 2 Wochen Gratis-Ferien bekommen? Nur weil die Ehefrau einen Schwangeschaftsurlaub bekommt ist doch kein Grund, den Mann auch gleich noch zu sponsern.
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    1. Antwort von Nathalie Zimmermann, Effretikon
      Es geht hier um ein Pendant zum Mutterschaftsurlaub, das heisst die Zeit nach der Geburt. Familien wird vom Staat ziemlich viel mitfinanziert, Schule, Steuererleichterungen kommen in den Sinn - es wäre also nicht das erste mal.
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  • Kommentar von A.Frei, Widnau
    Die Gesellschaft wundert sich über Kinder die Probleme haben oder Entwicklungsstörungen. Aber übersieht dabei,dass der Aufbau einer intensiven Bezugspersonen-Bindung in den ersten Lebenswochen überlebenswichtig ist.Für das Kind und auch für die Eltern.Eltern fallen nicht vom Himmel als fertige Meister.Diese Prozesse brauchen Zeit und Ruhe und Nähe.Am Schluss könnte es die Gesellschaft mehr kosten,die Bindungsstörungen psychologisch zu bearbeiten,als Vaterschaftsurlaub zu unterstützen.
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    1. Antwort von Charles Halbeisen, Bronschhofen
      Ich habe auch Beziehungs-Störungen und würde auch gerne die 2 Wochen Gratis-Ferien nehmen um an meinem Problem zu arbeiten. Das kommt die Gesellschaft auch günstiger, als wenn ich in einem Jahr mit einem Burn-Out in der Psychi lande.
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  • Kommentar von Hedi Wyler, Kt. Zürich
    Man sieht da ganz gut, das nur die SVP bürgerlich ist, wesswegen die anderen Parteien linke Sachen machen. Es soll nicht der Mann auch noch frei bekommen, es hat schon gereicht, als dass die Frau frei bekommen hat nur für ein Kind. Früher hat es das nicht gegeben (nach dem Krieg arm), wesswegen die Kinder weniger verkehrt herausgekommen als heute sind wo sie nicht richtig tun in der Schule und nur mit Computer spielen! Hört auf immer mit den Rotgrünen gehen, sie verzihen nähmlich nur die Kinder!
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    1. Antwort von Peter Schuler, Bern
      Ich habe grossen Respekt vor den früheren Generationen. Dennoch wird es im Sinne von uns allen sein, Sachen zu verbessern! Bitte machen auch Sie in Ihrer Haltung vorwärts mit Sachen, die zweifelsohne nach Verbesserung rufen. Danke!
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