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Veraltete Administration AHV/IV-Ausgleichsstelle gibt unnötig drei Millionen aus

Bei AHV und IV werden drei von vier Rechnungen auf Papier verarbeitet. Dabei wäre die passende Software vorhanden.

Legende: Audio AHV und IV könnten bei Papierrechnungen sparen abspielen.
1:48 min, aus HeuteMorgen vom 10.10.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zentrale AHV/IV-Ausgleichsstelle verarbeitet die meisten Rechnungen in Papierform.
  • Dadurch entstehen unnötige Kosten von mindestens drei Millionen Franken pro Jahr.
  • Zu dem Schluss kommt eine Untersuchung der Eidgenössischen Finanzkontrolle.
  • Sie vermutet ein Führungsproblem beim Bundesamt für Sozialversicherungen.
  • Dieses weist den Vorwurf zurück und kündigt eine Digitalisierungsoffensive an.

Seit Jahren gibt es eine Informatiklösung, mit der Sozialversicherungen wie die AHV, die IV oder die Suva eingehende Rechnungen digital verarbeiten können. Doch nur die Suva wendet diese Software namens Sumex konsequent an und wickelt über 80 Prozent ihrer Rechnungen elektronisch ab.

Bei der Zentralen Ausgleichsstelle der AHV und IV in Genf hingegen verarbeitet man immer noch über 70 Prozent der Rechnungen in Papierform. Dies hat die Eidgenössische Finanzkontrolle herausgefunden. Der Direktor der Finanzkontrolle, Michel Huissoud, stellt verwundert fest: «Alle Akteure haben die gleiche Software, aber trotzdem nutzen sie nicht deren Potenzial.»

Mindestens drei Millionen Franken könnte man bei der Zentralen Ausgleichsstelle für AHV und IV einsparen, wenn man die Sumex-Software konsequent anwenden würde. Denn während eine elektronische Rechnung Verarbeitungskosten von einem Franken verursacht, sind es bei der Papierrechnung fünf Franken.

Uns fehlt die Gesamtführung über dieses System.
Autor: Michel HuissoudDirektor der Finanzkontrolle

Dass es mit Sumex nicht vorwärts geht, führen die Finanzkontrolleure darauf zurück, dass zu viele Köche am Werk seien: Die Ausgleichsstelle, die IV-Stellen, das Bundesamt für Sozialversicherungen – und niemand übernehme den Lead. «Was uns fehlt, ist die Gesamtführung über dieses System», klagt Huissoud.

Die Verantwortliche beim Bundesamt für Sozialversicherungen, Corinne Zbären, weist den Vorwurf zurück, ihr Amt habe die Führung nicht wahrgenommen: «Das glauben wir nicht. Wir denken, dass es ein Zusammenspiel von vielen verschiedenen Akteuren ist, und dass der Überblick gefehlt hat.»

Wir denken, dass der Überblick gefehlt hat.
Autor: Corinne ZbärenStv. Leiterin Geschäftsfeld IV, Bundesamt für Sozialversicherungen

Zudem würden im Bereich der Invalidenversicherung nun mal zahlreiche Leistungserbringer immer noch in Papierform abrechnen. Doch jetzt will sich das Bundesamt für Sozialversicherungen daran machen, die elektronische Verarbeitung in grösserem Umfang umzusetzen. Zbären: «Das ist ambitiös, aber wir versuchen es.» Als Ziel für diese Digitalisierung wird Ende 2018 angepeilt.

30 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Es ist höchste Zeit, dass die Zentrale Ausgleichsstelle vom teuren Pflaster Genf an einen Ort umgesiedelt wird, wo mehrsprachige Mitarbeiter leicht zu gewinnen sind und etwa 60% weniger kosten, z.B. nach Fribourd oder Biel. Da liegt die riesengrosse Verschwendung!!!
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    1. Antwort von W Streuli (Wernu)
      ®Hr.F.Frei und wieso nicht gleich eine Umsiedelung nach Buriram, oder wirds da schwierig mehrsprachiges Personal zu rekrutieren?
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Oder doch gleich in einen ehem. Ostblockstaat. Viele Firmen lagern ihre Produktionen ja mittlerweile dorthin aus, weil die Löhne viel tiefer sind.
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  • Kommentar von Stephan Koch (Koch)
    rage against the machine! ich säge doch nicht an meinem eigenen stuhl! wenns der computer macht, was mache ich dann? so denken viele in administrativen tätigkeiten (nicht nur beamte).
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  • Kommentar von Maligan Jury (jury maligan)
    Eine Lebensbestätigung wird jedes Jahr von der AHV von Auslandschweizern verlangt. Das ist verständlich, aber man darf das Formular nicht vom Internet ausdrucken und unterzeichnet zurückschicken (obwohl vorhanden). NEIN - das Original-Papier der AHV muss unterzeichnet werden und das kommt nur per Post. Auf Anfrage, ob das Papier nicht per E-Mail erhältlich wäre, bekam ich k e i n e Antwort. Naja - Beamte - habe ich gedacht!
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    1. Antwort von Fritz Frei (Fritz Frei)
      Letztes Jahr kam auch keine Bestätigung, dafür kurz vor Auszahlung der nächsten Rente der Bescheid, da meine Lebensbestätigung nicht eingrtoffen sei, erhalte ich bis auf weiteres keine Rente mehr. Ich reagierte sofort, mit Kopie und Postbeleg. Nach 10 Tagen kam wieder so ein unsäglich arroganter Brief, die Bestätigung sei am 14. November des Vorjahres eingetroffen. Keine Entschuldigung, nichts.
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    2. Antwort von Fritz Frei (Fritz Frei)
      Das ist viel schlimmer, als Sie glauben. Ich verlange immer eine Bestätigung per Email, dass mein Papier angekommen ist. Vorletztes Jahr kam keine Bestätigung, auch nach mehrmaligem Nachfassen nicht. Schliesslich, nach fast 3 Monaten, kam ein Brief mit dem Inhalt, ich solle mich nicht aufregen, mein Papier sei nagekommen.
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    3. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Frei - "Bingo!" Wenns darum geht, eine Rente zu klauen (zB wegen einem unverschuldeten Bildungsunterbruch), wird schon viel zu frueh hyperventiliert und gestrichen. Wird dann aber rechtzeitig eine neue Schul- oder Ausbildungsbescheinigung eingereicht, wird die angedrohte Streichung erst mal durchgezogen, bevor man einer Antwort gewuerdigt wird....
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