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Verbrennen oder Recyclen? Der Streit um den Plastikmüll

Beim Sammeln von Plastikabfall geht es vordergründig um die Umwelt, dahinter stecken aber auch finanzielle Interessen der Abfallwirtschaft.

Legende: Video Welche Wirkung hat Plastik-Recycling? abspielen. Laufzeit 4:35 Minuten.
Aus 10vor10 vom 03.11.2017.

Migros und Coop tun es und in vielen Gemeinden laufen Pilotversuche: Das Sammeln und Recycling von Plastikabfällen ist in der Schweiz im Aufbau.

Plastiksammeln ist in der Schweiz freiwillig. Das Gesetz schreibt im Gegensatz zu anderen Stoffen wie auch für PET keine Quote vor. Zurzeit liegt die Recyclingquote beim Plastik bei 12 Prozent.

Soll man in der Schweiz das Sammeln von allen Plastikabfällen ausbauen? Diese Frage wird zurzeit kontrovers diskutiert. Eine neue Studie im Auftrag des Vereins Kunststoffrecycling Schweiz, kommt zum Schluss: «Kunststoffsammlungen sind ein klarer ökologischer Mehrwert für die Umwelt». Zudem profitiere der Konsument auch finanziell, weil er Sackgebühren spart.

Viel Aufwand für die Sortierung

Mit dieser Studie wollen die Branche ihrem Anliegen mehr Gewicht verschaffen. Denn in der Schweiz stösst das Sammeln von Haushaltsplastikabfällen auf Widerstand. Es wird der ökologische Nutzen in Frage gestellt: Kritisiert wird beispielsweise, dass Kunststoffabfälle in der Regel im Ausland sortiert werden. Ausserdem kann nur ein Teil wiederverwertet werden, der Rest landet ebenfalls in der Verbrennung.

Legende: Video Animation: So viel Abfall produzieren wir abspielen. Laufzeit 1:21 Minuten.
Aus ECO vom 29.02.2016.

Beim Streit geht es aber auch um finanzielle Interessen und die Verteidigung der Monopole in der Abfallwirtschaft.

Wer für und wer gegen Plastiksammlungen ist

Pro Ausbau der Plastiksammlungen sind:
Die privaten Sammel- und Recyclingunternehmen, die mit dem Plastikmüll ein neues Geschäftsfeld aufgebaut haben. Ebenfalls zu den Befürwortern gehört überraschenderweise die Zementindustrie. Ein Teil des gesammelten Plastikabfalls kann nämlich nicht verarbeitet werden. Dieser dient in der Schweizer Zementindustrie als Brennstoff.
Eher kontra eine flächendeckende Sammlung sind:
Die Zweckverbände und Gemeinden, welche die Hausabfallentsorgung bewirtschaften. Sie bangen um Einnahmen. Denn Plastikflaschen, Verpackungen etc. haben ein grosses Volumen. Wird dieses Volumen dem Kehrrichtsack entzogen, brauchen die Haushalte weniger Kehrrichtsäcke, also gehen die Einnahmen zurück. Die Kehrrichtverbrennungsanlagen nehmen den Plastikabfall gerne entgegen. Da Plastik ein Erdölprodukt ist, hat es einen hohen Brennwert. Kehrrichtverbrennungsanlagen sind in der Schweiz wichtige Energieproduzenten, die Strom und zum Teil auch Wärme produzieren.

Doch die Lager sind alles andere als eindeutig. Viele Gemeinden betreiben oder fördern die separate Sammlung aller Plastikabfälle. Der Kanton Thurgau beispielsweise hat ein eigenes Sammelsack-System aufgebaut.

Sammelverbot in der Innerschweiz

Die Innerschweizer Kantone hingegen erlauben die Sammelaktionen der privaten Entsorger nicht. «Wir haben mit der Renergia in Perlen eine moderne KVA, die Strom für eine ganze Stadt und Wärme für die Papierfabrik produziert», betont Hans Ulrich Schwarzenbach. Solch einen Wirkungsgrad könne man nicht verbessern.

Weniger umstritten ist aus Sicht der Gemeinden das getrennte Sammeln von Plastikflaschen, wie das auch die Detailhändler inzwischen betreiben. Dieses Plastikmaterial kann meistens ohne grossen Sortieraufwand verarbeitet werden.

Plastik-Granulat wird zu Rohre, Behälter und Säcke

Markus Tonner, Präsident des Vereins Kunststoff-Recycling Schweiz ist anderer Meinung. «Mehr als die Hälfte unserer Abfallmenge verwerten wir zu Recycling-Granulat und auch der Rest ist ökologisch interessant.» Aus dem Granulat entstehen Rohre, Behälter, Säcke. Der nicht verwertbare Teil geht meistens in die Zementindustrie und ersetzt Kohle. «Damit müssen wir in der Schweiz viel weniger Kohle importieren und können es durch Plastikabfälle ersetzen», erklärt Tonner.

«Ökologisch ist das Sammeln und Recycling auch in der Schweiz immer besser», sagt Simon Zeller von der Umweltstiftung Pusch. Die Bevölkerung wolle auch Plastik sammeln. «Man sollte jetzt mutig sein und vorwärts machen und alle Systeme fördern», sagt der Umweltfachmann.

Man sollte jetzt mutig sein und vorwärts machen und alle Systeme fördern.
Autor: Simon ZellerUmweltfachmann der Umweltstiftung Pusch

Mitte November hat das Bundesamt für Umwelt alle Beteiligten zu einer wichtigen Tagung eingeladen. Bei dieser Diskussion geht es um Ökologie, aber auch um Geld.

Abfallaufkommen Grafik
Legende: SRF

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Hauptsache ist, der Kunststoff versaut das Meer nicht noch mehr. Wenn das Recycling billig und sicher ist, OK. Aber sonst lieber verbrennen als das Meer zumuellen....
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "Bei sich und dem eigenen Verhalten beginnen"! Die Schweizer Wirtschaft, Industrie, und Bevölkerung, ist zu einer "Wegwerfgesellschaft" mutiert! Es gibt sie immer noch, Stofftaschen, Einkaufswagen, Körbe,...und die üebrdauern sogar Generationen!! "Bei sich und dem eigenen Verhalten beginnen"!!
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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Den Begriff Plastik gibt es in der Technik nicht.Es gibt viele Kunststoffgruppen,je nach Grundsubstanz.PVC,PTFE(Teflon)PP.PE,PET,Noryl,div.Elastomere.Der Laie kann diese Stoffe nicht unterscheiden,sind sie vermischt,sind sie für Recycling unbrauchbar.
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