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Schweiz Verdacht auf Lauschangriff in Berner Café

Das bekannte Pressecafé Diagonal in der Berner Altstadt wird nicht nur beinahe flächendeckend videoüberwacht, auch akustische Kontrollen mittels Tonaufnahmen sollen an der Tagesordnung sein. Und das in einem Lokal nahe des Bundeshauses, in dem auch Journalisten und Politiker ein- und ausgehen.

Legende: Video Belauscht Berner Café seine Gäste? abspielen. Laufzeit 3:40 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 27.06.2014.

Journalisten gehen hier ein und aus, Bundesräte auch. Und ausgerechnet in diesem Café in der Berner Altstadt sollen regelmässig Tonaufnahmen hergestellt werden. Eine frühere Angestellte des Diagonal, die anonym bleiben möchte, bestätigt die Überwachungs-Massnahmen gegenüber «Schweiz aktuell».

Auch die Gewerkschaft Unia hat durch mehrere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Cafés Kenntnis von der Praxis, wie Hanspeter Wyder vom Rechtsdienst der Unia Sektion Bern bestätigt: «Eine sehr harte Bestimmung bildet ein Zusatz im Arbeitsvertrag, in dem sich die Angestellten einverstanden erklären müssen, dass sie bei der Arbeit während 24 Stunden überwacht werden dürfen», sagt Wyder.

Inzwischen hat die Unia den Fall sowohl beim Eidgenössischen Datenschutzbeauftragen, als auch beim bernischen Arbeitsinspektorat gemeldet.

Besitzer bestätigt High-Tech-Überwachung

Das Pressecafé Diagonal gehört zur Gastro-Unternehmung der Cousins Fritz und Max Grunder. Ihnen gehören auch die Restaurants Sassafratz, Fugu und Bellevue Ittigen, die alle mit ähnlichem Überwachungsequipment ausgestattet sind.

Bei einem Rundgang durch das Diagonal macht Fritz Grunder kein Geheimnis aus den Video- und Audio-Installationen. «Wir machen das aus Sicherheitsgründen, um Diebstähle und Betrügereien zu verhindern», sagt Grunder.

Allerdings wehrt er sich gegen den Vorwurf, Gäste und Mitarbeiter zu belauschen und zu kontrollieren. «Tonaufnahmen haben bei uns nie stattgefunden. Und unseren Angestellten stehen auch Räume zur Verfügung, die nicht überwacht sind und wo ihre Privatsphäre gewährt ist.»

Datenschützer wird aktiv

Dem widerspricht die ehemalige Angestellte des Diagonals. «Unser Chef hat sich sogar aus seinen Ferien gemeldet, um Beanstandungen zu melden, die er dank einer Übermittlungstechnik auf sein Handy überspielt bekommen hat.»

Hanspeter Thür, der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte, kritisiert die Kombination von Video- und Audioüberwachungen in diesem Stil. «Wenn das stimmt, ist dieser Fall ausserordentlich gravierend.

Mitarbeiter permanent zu überwachen ist vom Gesetz her verboten. Und Audioaufnahmen könnten sogar strafrechtliche Konsequenzen haben. Wir schauen uns den Fall Diagonal in Bern genau an.»

8 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Neurosen und Psychosen lassen grüssen.Wie die das bloss "früher" oben und unten ohne,bewältigt haben?
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    George Orwell 84 ist längst Realität. Allen voran in Drittländern und USA, wo Datenschutz etwa soviel Sinngehalt hat, wie in Bäumen rumkletternde Kühe auf die Weide zurück zu pfeifen und ihnen die gelbe Karte zu zeigen. Unlängst installierte ich Überwachungskameras in der Bar eines deutschen Freundes. Er hatte trotz einiger Indizien zu einem happigen Diebstahl in seinem Geschäft durch eine Angestellte, das Problem, keine 24h rundum Videoaufzeichnungen vorlegen zu können. Süsse Träume.
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  • Kommentar von Elvira Weber, Altstetten
    Ich finde es ganz gut, dass die Politiker auch merken, dass sie abgehört werden.
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