Verhütungspille «Yasmin»: Bayer muss nicht zahlen

Bayer haftet im Fall einer jungen Frau nicht, die nach Einnahme des Verhütungsmittels «Yasmin» eine Lungenembolie erlitten hat und seither schwer behindert ist. Das Bundesgericht beanstandet damit nicht, dass der Pharmakonzern nur in der Fachinformation für Ärzte auf gewisse Risiken hinweist.

Eine Person hält zwei Medikamentenpackungen in der Hand.

Bildlegende: Bayer wird vom Bundesgericht von den Vorwürfen entlastet. Keystone/Archiv

Bayer haftet als Herstellerin der Schwangerschaftsverhütungspille «Yasmin» nicht für die Gesundheitsschädigung einer jungen Frau, die 2008 invalid geworden ist. Dem Pharmaunternehmen kann in Bezug auf eine Produktehaftpflicht nichts vorgeworfen werden, urteilt nun das Bundesgericht.

Das Obergericht des Kantons Zürich verneinte im vergangenen Mai ebenfalls eine Haftung von Bayer und bestätigte damit den Entscheid des Bezirksgerichts Zürich. In ihren Beschwerden ans Bundesgericht machten die Betroffene und ihre Krankenkasse im Wesentlichen geltend, dass die Patienteninformation zu «Yasmin» mangelhaft gewesen sei.

Anders als in der Fachinformation für Ärzte werde in der Patienteninformation nicht dargelegt, dass bei «Yasmin» im Vergleich zu bisher bekannten Pillen von einem allenfalls doppelt so hohen Risiko für Embolien auszugehen sei. Das Bundesgericht weist die Beschwerden ab.

Wissen des Arztes ist miteinzubeziehen

Gemäss dem Gesetz über die Produktehaftpflicht sei ein Produkt dann fehlerhaft, wenn es nicht die Sicherheit bietet, die man unter Berücksichtigung aller Umstände erwarten kann, erklären die Bundesrichter. Ein Fehler in diesem Sinne liege unter anderem dann vor, wenn das Produkt nicht mit einer geeigneten Information zuden Risiken für den Konsumenten versehen wird.

Bei rezeptpflichtigen Medikamenten ist davon auszugehen, dass dem Patienten selber in der Regel das nötige Fachwissenfehlt, um die Gefahren richtig einschätzen zu können. Das Wissen des Arztes ist deshalb miteinzubeziehen, wie das Bundesgericht weiter betont. Dieser hat die Chancen und Risiken der verschiedenen auf dem Markt erhältlichen Produkte im Hinblick auf die konkrete Anwendung abzuwägen und mit dem Patienten zu diskutieren.

Die damals 16-Jährige erhielt im Januar 2008 von ihrem Gynäkologen die verschreibungspflichtige Schwangerschaftsverhütungspille «Yasmin» des Pharmaunternehmens Bayer. Im März 2008 erlitt sie eine Lungenembolie und als Folge des Sauerstoffmangels eine schwere Hirnschädigung. Heute ist die junge Frau schwer invalid. Vertreten von ihrer Mutter klagte sie 2009 gegen Bayer und forderte auf der Grundlage des Gesetzes über die Produktehaftpflicht Schadenersatz und Genugtuung.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Kein Schadenersatz im «Fall Céline»

    Aus 10vor10 vom 15.5.2014

    Die junge Schaffhauserin, die nach der Einnahme der Verhütungspille Yasmin eine schwere Lungenembolie erlitten hat, geht auch vor dem Zürcher Obergericht leer aus. Der Pharmakonzern Bayer muss ihr keinen Schadenersatz zahlen.

  • Pillenstreit: Jetzt redet Bayer

    Aus Rundschau vom 13.11.2013

    Mit dem Fall der schwerstbehinderten Céline geraten der Pharmakonzern Bayer und auch die Medikamenten-Zulassungsbehörde Swissmedic unter zunehmenden Druck. Die Öffentlichkeit ist empört, Schweizer Politikerinnen und Politiker fordern strengere Richtlinien. Die Zulassung der Antibabypille Yasmin soll neu überprüft werden.

  • Moderatorin Mona Vetsch

    Aus Club vom 12.11.2013

    Der Fall Céline und die Gefährlichkeit der Verhütungspillen beschäftigen auch den «Club» unter der Leitung von Mona Vetsch. Fragen und Gäste:

  • Kampf gegen Pharmariese

    Aus Rundschau vom 6.11.2013

    Ihr Fall erschütterte die Schweiz: die 22jährige Céline Pfleger ist seit einer Lungenembolie vor 5 Jahren schwerstbehindert. Sie hatte erst seit wenigen Wochen die Anti-Baby-Pille Yasmin von Bayer eingenommen. Jetzt hat das Bezirksgericht Zürich die Klage von Céline gegen den Hersteller Bayer abgewiesen. Die mittellose Familie von Céline muss dem Pharmakonzern 120‘000 Franken Prozessentschädigung zahlen.

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