Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Die Nachfrage nach Nachtzügen ist gross»
Aus Rendez-vous vom 08.09.2021.
abspielen. Laufzeit 03:07 Minuten.
Inhalt

Verlustgeschäft der SBB Die SBB will das Nachtnetz ausbauen – lukrativ ist das nicht

Die Pandemie schlägt auf das Geschäft mit Zugtickets und Abos. Der SBB-Chef will dennoch auf die grosse Nachtzug-Nachfrage reagieren.

Abends in Zürich, Basel oder Bern in den Zug steigen und morgens in Hamburg, Wien oder Zagreb aufwachen – oder umgekehrt. Das ist offenbar für viele verlockend und gefragt. SBB-Chef Vincent Ducrot hat daher Pläne: Zehn Routen mit 25 Zielorten bis 2025. «Die Nachfrage ist da.»

Video
Aus dem Archiv: SBB versprechen neue Nachtzüge
Aus 10 vor 10 vom 16.09.2020.
abspielen

In viele Städte gäbe es auch schnelle Flugverbindungen. Doch offenbar gibt es eine Kundschaft, die die längere Reisezeit in Kauf nimmt. Wohl nicht zuletzt aus ökologischen Überlegungen, denn preislich sticht die Bahn das Flugzeug längst nicht immer aus.

Die Nachfrage ist also da. Dennoch sind Nachtfahrten quer durch halb Europa ein Verlustgeschäft. Das räumt auch Ducrot ein. Er ist aber der Ansicht, dass der Blick lediglich auf diese nächtlichen Fahrten zu kurz greift: «Wir betrachten das Gesamtpaket, daher sind Nachtzüge wichtig. Allein mit Nachtzügen würden wir Geld verlieren.»

Wir betrachten das Gesamtpaket, daher sind Nachtzüge wichtig. Allein mit Nachtzügen würden wir Geld verlieren.
Autor: Vincent Ducrot Konzernchef SBB

Der SBB-Chef spekuliert aber darauf, dass der Tag der Nacht hilft. «Viele Leute machen eine Reise am Tag, eine in der Nacht. Das kurbelt den Verkehr an.» Und wer mit dem Zug in die Schweiz reist, ist unter Umständen geneigt, sich während des Aufenthalts hierzulande ebenfalls auf Schienen fortzubewegen, etwa beim Abstecher in die Alpen oder zu Freunden in der Romandie.

Nein zum CO2-Gesetz beeinflusst Pläne der SBB

Als die SBB allerdings den Ausbau des Nachtnetzes ausarbeitete, rechnete sie noch mit Hilfsgeldern aus dem Klimafonds. Doch daraus wird nun nichts, denn mit dem Nein zum CO2-Gesetz im Juni hat die Bevölkerung auch Nein gesagt zum Klimafonds.

Das torpediert nun Ducrots Ausbaupläne: «Wir haben zwei kritische Routen: Die Strecke nach Rom ist kurz, die Strecke nach Barcelona ist kompliziert zu betreiben. Wir wissen noch nicht, ob wir diese künftig betreiben können. Die anderen können trotz kleinen Negativzahlen mit dem Tagesverkehr kompensiert werden.»

Im besten Fall sind die anderen Strecken – etwa nach Amsterdam – also «selbsttragend». Auch sie werden somit keinesfalls zu Goldgruben für die SBB. Aber ihre Realisierung hängt nicht von Geld aus dem Klimafonds ab. Und Ducrot möchte mit ihnen unbedingt auf die grosse Nachfrage seiner Kundschaft reagieren.

Rendez-vous, 08.09.2021, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Ich habe die Nachtzüge bei Velotouren sehr geschätzt. In 10 Tagen mit dem Fahrrad nach Berlin, Hamburg, Prag oder Amsterdam und in einer Nacht wieder nach Hause -und das mit Velomitnahme. Mehr Konfort kann man sich als Fahrradtourist kaum wünschen.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Ein Land mit grossen Ambitionen und Erfolgen im Bahnverkehr: China. Beispiel:
    Die Verbindung Bejing - Shanghai ist ein Paradebeispiel.
    Die Zukunft dort: Verbindung mit 600 kmh Magnetbahn, im Augenblick "nur" 300 kmh.
    Dagegen ist die USA im Schienenverkehr Steinzeitniveau.
    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Und das 4-Spurig! Auch Shanghai - Honkong eine Strecke von 1820 km flitzt man in 6.5 Stunden. Das Buchungssystem ist genial. Selbst am Bahnhof Shanghai sieht man auf einer grossen Tafel in welchem Wagen an welchem Tag wo ein Platz im Zug frei ist. China ist uns diesbezüglich um Lichtjahre voraus.
  • Kommentar von Hans Bernegger  (hbernegger)
    Wenn das zu kurz ist, warum dann nicht Frankfurt-Rom über Basel-Zürich? Die Verbindung nach Barcelona ist deutlich weniger anspruchsvoll seitdem es bis Barcelona Normalspur gibt - und trotzdem klappte das früher mit Talgo. Es fehlt an Innovationsgeist.
    Ein Beitrag zum Klimaschutz sind die Nachtzüge übrigens nicht, das hat richtigerweise auch Benedikt Weibel (SP) in einem Interview mit der NZZ festgestellt (4.9.2021). Bundessubventionen sind daher abzulehnen.