Zum Inhalt springen

Schweiz Vermisste Genfer Sozialtherapeutin tot aufgefunden

Die Therapeutin eines verurteilten Vergewaltigers ist in der Romandie tot aufgefunden worden. Nach dem Täter wird fieberhaft gesucht. Der Flüchtige hat sich offenbar im deutschen Weil am Rhein aufgehalten.

Polizei am Tatort
Legende: Gegen den flüchtigen Täter läuft eine Grossfahndung. Keystone

Eine 34-jährige Sozialtherapeutin wurde am Freitag in der Nähe einer Reithalle wenige Kilometer ausserhalb Genfs tot gefunden. Sie war am Donnerstag mit einem verurteilten Vergewaltiger auf Freigang verschwunden. Die Genfer Regierung zeigte sich schockiert über das Tötungsdelikt und sistierte alle Freigänge.

Legende: Video Mord an Genfer Therapeutin abspielen. Laufzeit 1:36 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 13.09.2013.

Die Frau arbeitete seit 2007 im Zentrum für Sozialtherapie «La Pâquerette» in Genf und war als Kriminologin und Psychologin tätig, wie der Direktor der Genfer Universitätsspitäler HUG, Bertrand Levrat bestätigte. «Sie war erfahren und hatte in ihrer Karriere bereits 200 Freigänge mit Häftlingen absolviert.»

Die Psychologin begleitete den Mann, der wegen zweifacher Vergewaltigung zu insgesamt 20 Jahren Haft verurteilt ist, zu einer Reittherapie. Das Zentrum für Sozialtherapie «La Pâquerette» innerhalb des Gefängnisses Champ-Dollon hatte dafür die Verantwortung. Als der Häftling und seine Begleiterin um 11 Uhr nicht zum Rendez-vous erschienen und die Sozialtherapeutin auf Handyanrufe nicht reagierte, wurde Alarm geschlagen.

Legende: Video Genfer Sicherheitsdirektor zum Tötungsdelikt (franz. Originalton) abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.09.2013.

Mit weissem Citroën geflohen

Zuvor waren die beiden laut der Polizei in einem weissen Citroën Berlingo mit Genfer Kennzeichen gesehen worden. Erst am Freitag wurde die Leiche der Frau wenige Kilometer ausserhalb Genfs in Richtung Versoix (GE) in der Nähe der Reithalle gefunden, wo die Reittherapie stattfinden sollte.

Der Genfer Regierungsrat und Sicherheitsdirektor Pierre Maudet zeigte sich im Namen der Gesamtregierung traurig und sehr schockiert über das schreckliche Drama. Sichtlich bewegt drückte er der Familie der Verstorbenen sein Beileid aus.

Maudet: «Tragödie und Spezialfall»

Maudet kündigte eine Administrativuntersuchung an. Zugleich gab er bekannt, dass alle Freigänge aus Genfer Strafanstalten bis auf weiteres sistiert sind. «Wir haben eine doppelte Vergewaltigung mit einer kumulierten Strafe, einen Spezialfall», sagte Maudet. Es handle sich hier um eine Tragödie, bei der auch untersucht werden müsse, ob die polizeilichen Dispositive genügten.

Bild von Fabrice A.
Legende: Fabrice A. auf der Flucht: Der mutmassliche Täter wurde zu zehn Jahren Haft wegen Vergewaltigung verurteilt. Kapo Genf

Erster Freigang ebenfalls mit Frau

Laut Favre hatte der Entführer und mutmassliche Mörder der Sozialtherapeutin sein erstes Delikt 1999 begangen. Er wurde 2001 in Frankreich erstmals wegen Vergewaltigung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Wegen einer weiteren Vergewaltigung wurde er in Frankreich zum zweiten Mal zu fünf Jahren verurteilt.

2008 wurde der verurteilte Vergewaltiger nach Genf ausgeliefert, um seine Haftstrafen abzusitzen. Diese hätten sich unterdessen auf 20 Jahre kumuliert. Nach Verbüssung von rund zwei Dritteln der Strafe seien ihm aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens begleitete Freigänge erlaubt worden. Der erste fand am 3. September statt, der zweite am 12. September – jeweils in Begleitung einer Frau.

Hund findet Spur

Bei der Fahndung nach dem 39-Jährigen kam es am Freitagmittag in der deutschen Grenzstadt Weil am Rhein bei Basel zu einem Grosseinsatz der Polizei. Gefunden wurde der Flüchtige jedoch nicht. Aufgrund einer Handyortung habe eine konkrete Spur zum Alten Zollhaus in Weil geführt, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Lörrach.

Ein Restaurant und Spielsalon wurden durchsucht, ohne dass der Straftäter dingfest gemacht werden konnte. Später dann fand ein Polizeihund eine Spur des Gesuchten, die sich jedoch an einem Bahngleis verlor. Die Polizei schliesst aber nicht aus, dass sich der Mann noch in der Region aufhalten könnte.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

132 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marco Müller, Basel
    Was ich jedoch auch Wichtig finde zu erwähnen.Der Job eines Therapeuten ist nicht einfach.Man sollte jedem Menschen die Chance auf Heilung geben.All die Herrschaften welche nicht in diesem Bereich tätig sind,müssen sich zurückhalten mit Vorwürfen an alle möglichen Seiten.Fehler passieren jedem,ob Psychiater oder Laie.Statistikmässig weiss man dass psychisch-Erkrankte Menschen,weniger Straffällig sind als angeblich "normale"-Fakt.Ich kenne genügend gute Psychiater welche Menschenleben RETTEN!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marco Müller, Basel
    Traurig was alles in unserer Schweiz passiert.Warum ging die Therapeutin alleine ohne Begleitung mit diesem Mann mit?Verstehe ich nicht.Die Frau hat doch gewusst dass sie eine junge Tochter hat.Wahrscheinlich hat die Frau an das Gute in jedem Menschen geglaubt.Man darf ihr nun keinen Vorwurf machen.Sie hat Ihren Beruf mit Leidenschaft ausgeübt,wollte nur helfen sie erhoffte sich dass der Patient gesund werden würde-Er lernen würde was richtig und was falsch ist.Mir tut die Tocher unendlich leid.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von paul maerki, grandson
    eine sog. "Reittheraphie" muss von dem oder den Verantwortlichen verschrieben werden. Was soll denn das? die Verantwortlichen müssen den Mord an der sozialtherapeutin auf ihre Kappe nehmen. hoffentlich erfolgt eine zivilklage wegen mittäterschaft!! wie lange geht es noch so weiter. mit unsern steuergelder werden thaiboxtraining und reittherapien finanziert. es sollte endlich in den sog. "Sozialämtern" herausgemistet werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lucas Kunz, Sallneck
      Zur"Reittherapie", was nicht mit Reiten im herkömmlichen Sinn gleichgesetzt werden darf, sollten Sie sich erst ein mal kundig machen, dann sehen Sie, dass Ihr Beitrag nichts mit der Realität zu tun hat.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen