Zum Inhalt springen

Schweiz Versklavt auf dem Schweizer Strich

Geschätzte 3000 Frauen sind in der Schweiz Opfer moderner Sklaverei. Sie arbeiten oft als Prostituierte. In vielen Fällen führt der Weg aus der «Schuldknechtschaft» über die Polizei. Die kantonalen Unterschiede im Kampf gegen Menschenhandel seien allerdings gross, betont die Opferhilfe-Stelle FIZ.

Prostituierte beim Anschaffen am Sihlquai in Zürich.
Legende: Freiwillige Sexarbeit oder Zwangsprostitution? Opfer von Menschenhandel sind oft schwierig zu identifizieren. Keystone

Fast 30 Millionen Menschen weltweit sind Opfer von Sklaverei. Auch in der Schweiz gibt es die so genannt «moderne Sklaverei». Der Bund schätzt die Zahl der Opfer auf etwa 2000 bis 3000 Personen. Betroffen sind insbesondere Frauen, die als Flüchtlinge in der Schweiz sind und als Hausangestellte oder Prostituierte arbeiten.

Die wenigsten betroffenen Frauen seien physisch eingesperrt, sagt Rebecca Angelini, Mediensprecherin der Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration gegenüber SRF. Die Täter benutzten subtilere Druckmittel wie Schulden, Drohungen und Gewalt.

Oft stammen die Frauen aus wirtschaftlich schwierigen Situationen, die dann aufgrund falscher Versprechen in die Schweiz reisen, um ihre Familien in der Heimat zu unterstützen. «Sie enden in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen und schaffen es nicht, aus der Schuldknechtschaft» auszubrechen», berichtet Angelini.

Klare Abtrennung von legaler Sexarbeit

Der Anteil der Prostituierten, die ihre Arbeit unter Zwang ausüben, ist schwierig zu beziffern. Laut Angelini ist klar zu unterscheiden zwischen selbst bestimmter Sexarbeit als legaler Arbeit und Frauenhandel als krasser Ausbeutungsform, Straftat und Menschenrechtsverletzung. Entsprechend brauche es differenzierte Massnahmen, um die Lage der Opfer zu verbessern – selbst wenn die Grenzen oft fliessend seien.

Was den Kampf gegen Menschenhandel und Sklaverei betrifft, so sind laut Angelini in der Schweiz keine weiteren Verbote nötig. Vielmehr müssten die Rechte der Betroffenen gestärkt werden. Sie verweist auf die weiterhin grossen kantonalen Unterschiede im Kampf gegen Menschenhandel.

Bei jedem zweiten Opfer führt der Weg über die Polizei

Nötig sei aber auch die Zusammenarbeit von Behörden und spezialisierten Opferhilfestellen. «Letztes Jahr sind 50 Prozent der Betroffenen über die Polizei zur FIZ gekommen», sagt Angelini. Dies zeige, wie wichtig die Sensibilisierung der Behörden sei, damit Opfer von Menschenhandel überhaupt erkannt würden.

Enge Begleitung – von der Befreiung bis zum Gericht

In der Fachstelle FIZ sowie der spezialisierten Interventionsstelle für Frauenhandel «Makasi» wird laut Angelini ein umfassendes Unterstützungsangebot für Betroffene angeboten, um aus der Ausbeutungs- und Gewaltsituation auszubrechen. So ist ab dem Zeitpunkt des Ausstiegs neben der Krisenintervention eine psychoszoziale Begleitung oft über mehrere Jahre hinweg nötig.

Es geht aber auch um Aufenthaltsbewilligungen und Unterkunft, wobei seit 2011 auch eine eigene Schutzwohnung zur Verfügung steht. Dazu kommen die finanzielle Unterstützung und die Begleitung der Frauen bei allfälligen Strafverfahren.

30 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von verena keller, aregua
    was mich an den kommentaren doch wundert ist - sie sprechen über sex, bordelle usw. wie ich es sehe geht es doch darum, dass frauen mit falschen versprechungen ins ausland gebracht werden. dort kommen sie unter zwang ins sexgeschäft. es geht um den schutz dieser frauen und nicht darum, was sie über das sexgeschäft denken und wie sie es bewerten!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Dieses Geschäft ist nicht aus der Welt zu schaffen.Es gilt,solch dreckigen Zuhältern das Handwerk zu legen.Das geht nur,indem man einerseits Freier,die ihre Triebe nicht an dafür vorgesehenen,kontrollierten+abgesicherten Bordellen od.Boxen abreagieren,schmerzhaft büsst, andrerseits die Frauen von der Strasse zu holt,deren Lokalitäten ausräuchert und,in Zusammenarbeit mit Ausland,Zuhälter fasst+einbunkert.Was soll man sonst tun?Puffs wird es immer geben,und nicht alle Frauen werden dazu gezwungen
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      @verena keller: Tatsache ist, dass diese Frauen zu uns kommen, weil sie Smartphones, Stöckelschuhe, Markenklamotten und all den Shit wollen, der Frau, zumindest ihrer Meinung nach, doch erst zur Frau macht. Und so wird später mit tränenden Augen von falschen Versprechungen gejammert und den Anschein erweckt, Kindfrau selbst sei daran völlig unschuldig gewesen. Dabei wussten die Damen genau, was auf sie wartet, sie merkten nur zu spät, dass die gewaltige Konkurrenz die Preise in den Keller jagte.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Albert Planta, Chur
    Die Prostitution wird nicht aussterben und ebenso die Leute, die mit dem Mahnfinger dagegen wettern. Prostitution ist nicht gleichzusetzen mit Sklaverei. Es gibt auch Damen, die diesen Beruf bewusst vorziehen um ein anständiges Einkommen zu realisieren. Malochen in Billiglohnberufen kann man auch mit Sklaverei oder zumindest Leibeigenschaft vergleichen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      In Ihren Augen ist also Sex für Geld etwas Unanständiges. Seien wir doch froh, dass es solche Frauen gibt! Die Gesellschaft müsste ihnen, auch ihren männlichen Kollegen, eigentlich dankbar sein. Die Vergewaltigungsrate wäre sonst noch viel höher! Im Übrigen würde ich behaupten, "Malochen in Billiglohnberufen" leben weit weniger gefährlich als Prostituierte.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Albert Planta, Chur
      Beppie Hermann, Bern Habe ich behauptet, Sex für Geld sei etwas Unanständiges? Bevor sie die Kommentarspalten mit ihren Kommentaren zupflastern sollten sie sich die Zeit und Muse nehmen objektiv zu kommentieren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ursula Morf, Thun
    Ja, ja, immer die gleichen Kommentare, immer die gleichen Schreiber. Männer reden sich die Prostitution schön. Dabei denkt wiedermal niemand an die Frauen. Es ist nicht normal für eine Frau, sich täglich von einem Haufen fremder Männer "ficken" zu lassen. Und ich benutze dieses Wort, weil es sich um nichts anderes handelt. Im normalen Leben gehen normale Frauen erst mit einem Mann ins Bett, wenn sie ihn etwas kennen und wenn er ihnen gefällt. Sex mag vieles sein, aber sicher keine "Arbeit".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      Frau Morf, im normalen Leben gehen aber sehr viele Frauen mit einem Mann ins Bett, ohne ihn zu kennen, haben Sie auch schon einmal von One Night Stands gehört? Und wieviele junge Frauen werden genau so mit 17 schwanger wie ihre alleinerziehenden Mütter, die sich auch dem Ersten besten Unbekannten hingelegt haben? Wäre Sex nicht auch Arbeit, würden unsere Sozialämter noch viel mehr Geld an Frauen zahlen müssen, die sonst keins hätten. Wachen Sie auf, realisieren Sie die Realität, wie sie halt ist
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Ursula Morf,Prostitution gibts seit Menschengedenken,und Sie dürfen 3x raten,weshalb.Zu überlegen wäre auch,wieso es,jedenfalls meines Wissens,keine Puffs für Frauen gibt.Höchstens Callboys.Sicher ist es für Durchschnittsfrauen nicht nachvollziehbar,Sex für Geld anzubieten. Ebensowenig ist die Zuhälterei zu tolerieren.Aber wenn Frauen Sex mögen,ja sogar nymphomanisch veranlagt sind,ihren Job geschützt+freiwillig ausüben können,so meine ich, müsste die restliche Frauenwelt ihnen dankbar sein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen