Zum Inhalt springen

Schweiz Verunsicherte junge Erwachsene bei der Reform der Altersvorsorge

Eine aktuelle Umfrage zur Reform «Altersvorsorge 2020» der Pro Senectute zeigt: Auch 2015 steht eine Mehrheit der Schweizer Stimmberechtigten hinter dem Reformpaket. Gestiegen ist seit der letzten Umfrage von Herbst 2014 aber die Verunsicherung bei den Jüngeren.

Alte Menschen sichte auf einer Bank.
Legende: Alte Menschen stimmen dem Reformpaket zu, junge Menschen sind am stärksten verunsichert. Keystone

Der Bundesrat will als Neuerung in der Schweiz die 1. und die 2. Säule, die AHV und die berufliche Vorsorge (BVG) in einem gemeinsamen Schritt neu ausrichten. Die Reform der «Altersvorsorge 2020» wurde Ende 2013 in die Vernehmlassung geschickt.

Zum zweiten Mal nach einem Jahr hat die Pro Senectute eine Umfrage zur Akzeptanz dieser Rentenreform bei den Schweizer Stimmberechtigten durchführen lassen. Das Reformpaket «Altersvorsorge 2020» soll in erster Linie das Leistungsniveau der Altersvorsorge sicherstellen. Dabei soll die Finanzierung der 1. und 2. Säule gesichert und die Kosten dafür gerecht verteilt werden, um die Altersvorsorge zukunftsfähig zu machen.

Die zweite Befragungswelle durch das Forschungsinstitut gfs.bern zeigt nun, dass sich die grundsätzlichen Einstellungen zum Renten-Reformpaket im Verlaufe eines Jahres nur leicht verändert haben.

Mehrheit für die Rentenreform

Im Vergleich zur ersten Umfrage im Herbst 2014 ist der Anteil der Befürworter des Reformpakets zwar leicht geschrumpft, bleibt aber mit 57 Prozent (2014: 62 Prozent) immer noch in der Mehrheit. Der Anteil der Gegner der «Altersvorsorge 2020» ist gleich gross geblieben: 28 Prozent sind mit der Reform eher nicht oder gar nicht einverstanden.

Legende:
Trend der Zustimmung zum Reformpaket «Altervorsorge 2020» insgesamt: Statistische Fehlerquote ±3.2 Prozentpunkte. Pro Senectute (gfs.bern)

Aber – verunsicherte junge Erwachsene

Um fünf Prozentpunkte zugenommen hat aber der Anteil derjenigen, die keine Aussage zur Reform machen können oder wollen. Im Oktober 2015 waren es 15 Prozent der Befragten. Die Verunsicherung hat also leicht zugenommen. Dies zeigt sich vor allem bei der Generation der 18- bis 39-Jährigen: Waren es im Herbst 2014 noch 18 Prozent, die weder dem Pro- noch dem Contra-Lager zugeordnet werden konnten, hat sich dieser Anteil jetzt auf 28 Prozent erhöht.

Legende:
Zustimmung zum Reformpaket «Altervorsorge 2020» der 18- bis 39-Jährigen Statistische Fehlerquote ±3.2 Prozentpunkte. Pro Senectute (gfs.bern)

Die befürwortende Mehrheit unter den Jungen ist geschrumpft und mit 47 Prozent (-13 Prozentpunkte) nur noch relativ. Die Haltung der Gegner hat sich nur innerhalb des Stichprobenfehlers verstärkt (25 Prozent, +3 Prozentpunkte).

Wenig überraschend, nur bei den Älteren, in den Altersgruppen 40 bis 64 Jahre und bei den über 65-Jährigen hat sich die Neigung für eine Zustimmung zum Reformpaket verfestigt: 60 bzw. 66 Prozent sind mit der Reform einverstanden.

Die Argumente der «Altersvorsorge 2020»

Bei der Umfrage wurde auch geprüft, wie die Stimmberechtigten häufig genannte Argumente bewerten.

So kommen die vom Ständerat verabschiedeten Ergänzungen des Reformpakets bei den Befragten gut an: So erklären 70 Prozent der Befragten, es sei richtig, die AHV-Rente zu erhöhen, da Ärmere davon besonders profitieren.

Ebenfalls weitgehend unbestritten ist es, die Witwenrente beizubehalten (75 Prozent), da viele Frauen die Berufstätigkeit bei der Mutterschaft aufgeben und manche von ihnen diese auch nach der Erziehungsphase nicht mehr aufnehmen.

Schliesslich beurteilen 55 Prozent der Befragten die «Altersvorsorge 2020» insgesamt als ausgewogenes Reformpaket.

Legende:
Zustimmung zu ausgewählten Argumenten zum Reformpaket «Altervorsorge 2020»: Statistische Fehlerquote ±3.2 Prozentpunkte. Pro Senectute (gfs.bern)

Bei den Contra-Argumenten zur «Reform Altersvorsorge 2020» beurteilen es drei Viertel der Stimmberechtigten (76 Prozent) als unfair, dass Personen mit tiefen Einkommen kaum eine Chance auf eine Frühpensionierung haben.

Zudme halten knapp zwei Drittel (66 Prozent) eine Rentenalterhöhung bei den Frauen für nicht akzeptabel, wenn es keine Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern gibt. Das sind mehr als bei der Befragung vor einen Jahr (+5 Prozentpunkte), wobei das befragte Argument leicht umformuliert wurde («nicht akzeptabel» statt vor einem Jahr «ungerecht»).

Was beinhaltet die «Altersvorsorge 2020»?

Als Novum für die Schweiz sollen die 1. und die 2. Säule (AHV und berufliche Vorsorge) in einem gemeinsamen Schritt, der sogenannten «Reform der Altersvorsorge 2020», neu ausgerichtet werden:
- Referenzalter für den Rentenbezug in der 1. und 2. Säulen bei 65 Jahren harmonisieren und damit das Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre anheben.
- Flexibilisierung des Rentenbezugs ermöglichen Mindestumwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge (2. Säule) von 6,8 auf 6
Prozent zu senken und so das Leistungsniveau zu erhalten.
- Überschussverteilung, Aufsicht und Transparenz im Versicherungsgeschäft mit der 2. Säule verbessern.
- Leistungen und Beiträge an gesellschaftliche Entwicklungen anpassen.
- Selbständigerwerbende und Arbeitnehmende in der AHV gleich behandeln.
- Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1,5 Prozent.
- ein Mechanismus, falls der AHV-Ausgleichsfonds unter 70 Prozent einer Jahresausgabe fallen sollte.

Eckdaten der Umfrage

Die Umfrage führte das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Pro Senectute im September 2014 und Oktober 2015 durch. Das Institut befragte in einer Telefonumfrage 2507 Personen im September 2014 und 1007 Personen im Herbst 2015. Die statistische Fehlerquote beträgt ±3.2 Prozentpunkte. Hier geht es zum Schlussbericht.

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von W. Helfer (W. Helfer)
    Wenn wir die Zuwanderung nicht kontrollieren, wird auch unser bis jetzt noch gutes Sozialkassensystem bald bachab gehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Bislang haben sowohl die Schweizer als auch deutschen Sozialsysteme von den Zuwanderern profitiert. Um das Sozialkassensystem vor übermässigen Belastungen zu verschonen, muss nicht die Zuwanderung kontrolliert, sondern das Reglementarium der Sozialkassen den veränderten Bedingungen angepasst werden. W. Helfer zäumt das Pferd wieder einmal am Schwanz auf.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von W. Helfer (W. Helfer)
      N. Dudle. Was sollte man denn am Reglement ändern?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Wie wäre es, wenn man sich einmal dahingehend Gedanken machen würde, die Bezugsberechtigung für alle Sozialleistungen an eine gewisse Anzahl Beitragsjahre aus Arbeitsleistung zu koppeln? Damit würde man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen - inklusive der hier so gerne als Argument angeführten Zuwanderung. Aber eben: Ueberlegungen in diese Richtung sind wohl nicht opportun, weil sie zu viele politische Rechtfertigungen untergraben würden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Die AHV -Abgaben der ständig mit hohen Raten wachsenden Industrie müssen wegen der hohen Ertragskraft ( Rationalisierung ) wesentlich erhöht werden . Es kann nicht sein, dass nur die Industrie von der zunehmenden Ertragskraft hohe Gewinne abschöpft und der Büezer der das alles ermöglichte im Alter zurückbleiben soll. Der BR und das Parlament sind gefordert hier einzugreifen und für gerechteren Ausgleich dieser Gewinne zu sorgen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      In erster Linie wäre das Parlament gefordert (der BR ist Exekutive). Dass dies aber in Ihre (m.E. durchaus richtige) vorgeschlagene Richtung geht, ist leider unwahrscheinlich. Dabei ist nicht einmal die Zusammensetzung des Parlaments von Bedeutung; die fadenscheinigen Argumente des möglichen Wegzugs grosser Firmen/Steuerzahler und des Wegfalls von inländischen Arbeitsplätzen lassen auch vielen sozial Eingestellten immer noch das Herz in die Hose rutschen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      2) Was wäre wohl die Reaktion, wenn man jeden Roboter mit AHV-Beiträgen belasten würde, der menschliche Arbeitskraft unnötig macht und damit die AHV-Einnahmen untergräbt?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Dass wir uns Gedanken über die Zukunft machen ist verständlich. Fehler können wir vermeiden, indem wir die Politik aufmerksam verfolgen und hinterfragen. Die AHV wurde als Umlageverfahren geschaffen und sie funktioniert seit 1947, eine grosse Tat zum Wohl vieler alter Menschen. Wir haben die höchsten Renten und die höchsten Löhne Europas. Machen wir keine Dummheiten, die Renten für alle zu erhöhen, sollte der Fortbestand der AHV kein Problem sein. Werden wir der EU beitreten gibt es Probleme.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen