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Schweiz Verwaltungsräte mit mehreren Mandaten: Wie viel ist zu viel?

In keinem anderen Land in Europa gibt es so viele Sammler von Verwaltungsratsmandaten wie in der Schweiz. Recherchen von «10vor10» zeigen, wer dabei ganz vorne ist. Und: Wie viele Mandate sind zu viele?

Legende: Video Mandate-Sammler abspielen. Laufzeit 3:29 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.04.2014.

Nirgendwo in Europa gibt es so viele Verwaltungsräte, die mehrere Mandate haben, wie in der Schweiz. «10vor10» hat die Verwaltungsräte der 100 grössten Schweizer Firmen analysiert und zeigt, wer ganz vorne liegt.

Es ist Thomas Staehelin. Der selbständige Anwalt ist mit 41 Mandaten im Handelsregister eingetragen. Unter anderem als Verwaltungsrat beim Logistikkonzern Kühne+Nagel, als Verwaltungsratspräsident bei Swissport und als Stiftungsrat in mehreren Stiftungen.

Staehelin selbst spricht nicht von 41 Mandaten. Viele seiner kleineren Mandate seien vernachlässigbar, betont er gegenüber «10vor10», ebenso seine Mandate in diversen Stiftungsräten.

«Entscheidend ist nicht die Anzahl Mandate», sagt Staehelin weiter, «entscheidend ist, ob man die Ressourcen hat, um das Mandat mit der vom Gesetz verlangten Sorgfalt zu erfüllen».

«Keine Zeit, Verantwortung zu übernehmen»

Aber auch kleine Mandate brauchen Zeit. In KMUs sind Mandats-Sammler verbreitet (Siehe Box: Die unbereinigte Liste). Die Top Ten der KMU-Mandate-Sammler haben im Schnitt 200 Mandate – pro Person.

Davon hält Roland Müller gar nichts. Er ist Rechtsprofessor an der Universität St. Gallen und hat mehrere Bücher zum Thema geschrieben. «Viele sind nicht in der Lage, ihre Verantwortung wahrzunehmen», so Müller.

In seinen Augen ist dies fahrlässig und unfair gegenüber der Gesellschaft. «Darum sollte man sich gut überlegen, ob man solche Mandats-Sammler überhaupt in einen Verwaltungsrat wählen will.»

Problem: Aufwand steigt

Haben Schweizer Verwaltungsräte einfach mehr Zeit? In keinem anderen europäischen Land gibt es so viele, die drei und mehr Mandate haben. Das zeigt eine Studie des internationalen Beratungs-Unternehmens Heidrick and Struggles.

Geschäftsführer Dominik Brülisauer erklärt, warum das zunehmend problematisch werden könnte. «Über die letzten Jahre ist der Aufwand für Verwaltungsräte gestiegen. Er wird aufgrund von Globalisierung und Internationalisierung noch zunehmen. Deshalb werden Verwaltungsräte in Zukunft weniger Mandate übernehmen können.»

Überdurchschnittlich viele Schweizer Verwaltungsräte sind bereits jetzt Profis. «Wenn jemand vollberuflich Verwaltungsrat ist, dann ist er sicher flexibler, als wenn jemand nebenher noch CEO ist», begrüsst Experte Roland Müller diesen Trend. Der CEO habe doch gar keine Zeit, um in einem börsenkotierten Unternehmen nebenher noch Verwaltungsrat zu sein.

Neben dieser Massnahme werden auch die Gesetze strenger: Firmen sind heute verpflichtet, ihren Verwaltungsräten in den Statuten Grenzen zu setzen. Wie hoch diese Grenze sein soll, bleibt den Aktionären überlassen.

Top Ten der Sammler

Top Ten der Sammler

Blick auf die Stiftungs- und Verwaltungsratsmandate von Verwaltungsräten der 100 grössten Schweizer Firmen. Konzerninterne Mandate wurden einfach gezählt. Hier geht es zur Liste.

Die unbereinigte Rangliste

Unter dem Radar fliegen Verwaltungsräte, die nur in kleineren Unternehmen Einsitz nehmen. Die grössten KMU- und Stiftungsrats-Mandate-Sammler der Schweiz haben im Schnitt 200 Mandate – pro Person, dies inklusive unternehmensinterner Mehrfachmandate. Hier geht es zur Liste.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von André Bolla, Bern
    Schlussendlich muss jeder Verwaltungsrat selber wissen was er kann und wie viel Verantwortung er übernehmen will. Frisches Blut wäre aber in sehr vielen CH-Verwaltungsräten angebracht. Es braucht wieder mehr Generalisten und Leute, die sich mit den Problemen identifizieren und aktiv sind. Bei mehr als 10 wirklich aktiven VR-Mandaten bei gr.Unternehmen ist jeder überfordert. Alles andere ist schlicht nicht seriös. Die Site www.finanzia.ch versucht die Problematik auf Ebene KMU etwas aufzuzeigen.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stana
    Vor allem Alt-Bundesräte sollten, sofern sie Pensionsgelder von uns Steuerzahlenden beziehen, keine VR Mandate innehaben dürfen.
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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Diese Zustände sind systembedingt und schwmmen jene Profiteure an die Oberfläche, die zuallererst am eigenen Wohl interessiert sind. Das sind zwar auch die meisten Normalos. Nur kommen diese nicht an solche Machtpositionen, in denen die Auswirkungen ihrer kurzsichtigen Profitgier ein globales Elend verursachen und in ihrer blinden Selbstverliebtheit den ganzen Planeten in einen suizidalen Abgrund reissen. Einen kriminellen Geist zeichnet aus, dass er schnell möglichst viel verdienen will.
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