Zum Inhalt springen

Header

Video
Drohnen fürs Militär: Verzögerungen und Pannen
Aus Tagesschau vom 17.01.2021.
abspielen
Inhalt

Verzögerungen und Pannen Rüstungschef verteidigt Beschaffung der Problem-Drohne

Seit 2019 sollten sechs neue Hightech-Drohnen der Schweizer Armee auch den Zoll an der Grenze unterstützen. Doch die Flieger aus Israel sind erst 2022 einsatzfähig. Jetzt nimmt der Chef des Bundesamtes für Rüstung Stellung.

Stolz präsentierten die Armee-Verantwortlichen im Dezember 2019 in einem Hangar in Emmen die erste von sechs neuen Drohnen. Der Hightech-Vogel aus Israel ist etwa so gross wie ein Segelflugzeug. Seine Sensoren sind so genau, dass aus grosser Höhe erkennbar sein soll, welche Zeitung eine Person am Boden liest.

Die Drohnen sollen die Behörden zum Beispiel auch bei der Verfolgung von Menschenschmugglern im Grenzraum unterstützen. Doch das erste Modell für die Schweiz hob in Emmen nie ab.

Absturz in Israel

In Israel stürzte im letzten Sommer bei Testflügen ein zweites Modell ab, das für die Schweiz bestimmt war. Das warf die ganze Beschaffung zurück. Die Drohne in Emmen ging wieder nach Israel zurück.

Die Drohne Hermes 900 HFE
Legende: Die Armee präsentierte die neue Drohne Hermes 900 aus Israel bereits 2019. Im Einsatz wird sie wohl erst 2022 sein. Keystone

Martin Sonderegger ist Chef beim Bundesamt für Rüstung. Es sei bedauerlich, dass die Drohnen immer noch nicht fliegen. «Die Hauptgründe liegen bei Verzögerungen der Produktion und bei der Zertifizierung», erklärt Sonderegger. Und die Ursache des Absturzes in Israel sei noch nicht geklärt.

Viele technische Anpassungen

In Israel fliegt die Drohne des Typs «Hermes 900» allerdings seit Jahren. Doch für die Schweiz wurde sie stark angepasst. Der Motor wurde durch ein effizienteres Modell mit Flugdiesel getauscht. Die Flügel wurden vergrössert. Ein Enteisungs-System eingebaut.

Diese Systeme müssen getestet und von den Luftfahrtbehörden neu zertifiziert werden. Und das dauert. Auch wegen Corona. Israel befindet sich im dritten Lockdown.

Kein Kauf von der Stange

Die Sicherheitspolitiker im Schweizer Parlament reagieren sehr unterschiedlich: Für Ständerat Daniel Jositsch (SP/ZH) sind die Probleme mit der neuen Drohne «nicht dramatisch». Bei militärischen Gütern müsse immer wieder etwas speziell für die Schweiz angepasst werden, «man kauft da nicht etwas von der Stange».

Ständerat Josef Dittli (FDP/UR) sieht die Probleme allerdings bei der «Helvetisierung». Zu oft gebe es zu viele Schweizer Spezialwünsche bei Rüstungsbeschaffungen.

Rüstungschef Martin Sonderegger hält dagegen, man habe nicht zu viel vom israelischen Hersteller verlangt. «Wir wollten aber gewisse Innovationen».

Schweiz betritt Neuland

Die grösste Innovation: Die Drohne soll selbständig durch den dichten Schweizer Luftraum fliegen können. Das war bei der alten Drohne der Armee, die ausgemustert wurde, nicht möglich: Die alte Drohne musste von einem nachfliegenden Flugzeug begleitet werden.

Die neue Drohne soll aber automatisch anderen Flugzeugen ausweichen können. Es steht in den Sternen, wann dieses System zugelassen wird. Es ist weltweit bei einer solchen Art von Drohne noch nicht zertifiziert.

Abbruch kommt nicht infrage

Die neue Drohne soll nun 2022 erstmals abheben in der Schweiz, fast drei Jahre später als geplant. Ob sie dann schon selbständig fliegen kann, ist unsicher. Ein Abbruch der Beschaffung kommt für den Rüstungschef aber nicht infrage. «Bei der Drohne sehen wir bis heute keine Veranlassung, aus dem Programm auszusteigen», sagt Martin Sonderegger.

Wenig Mehrkosten

Trotz Pannen und Verzögerungen: Immerhin explodieren die Mehrkosten nicht. Die Drohnen kosten nun 270 statt 250 Millionen, wegen Wechselkursschwankungen. Alle weiteren Kosten muss der Hersteller tragen. Denn im Vertrag wurde ein Fixpreis vereinbart.

Tagesschau vom 17.1.2021, 19.30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

37 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ueli Zimmer  (ZimmerU)
    Man muss hier anmerken, dass die Schweiz ein offeriertes Modell beschafft hat. Die Dieselversion wurde ganz normal angeboten. Erst später merkte ELBIT, dass der Dieselmotor 40 kg schwerer ist und so der Schwerpunkt nicht mehr am gleichen Ort ist und die Flügel entsprechend umplatziert werden müssen, was zu einer neuen Struktur führte. DIe Luftwaffe hat sich aus gutem Grund für DIesel entschieden: es kann JetA1 getankt werden, wofür bereits Pflichtlager bestehen...
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Auch die MINI-Schweiz steht weiterhin "fest im Griff" der Pandemie! Daher und weil "niemand" das Ende dieser und den damit zusammenhängenden Massnahmen abschätzen kann, muss unbedingt "haushalterisch" mit dem gesamten Geld der Schweiz umgegangen werden! "Flugobjekte" jeglicher Art, etc für die Armee, zu kaufen, ist nun absolut nicht prioritär, da nicht not-wendig!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Denise Casagrande: Die Drohnen wurden vor Corona gekauft. Wenn Sie alles nur noch Corona unterordnen wollen, können Sie alle Bestellungen stornieren, die Konventionalstrafen für Nichterfüllung des Vertrags bezahlen und die Lichter löschen.
  • Kommentar von Ruedi Huber  (erha)
    270 mio, ohne Angabe der zusätzlichen Kosten in CH. Zur Grenzüberwachung. Bei täglich über 300'000 ausländischen Pendlern mit endlosen Autokolonnen über die Grenzen. Unverständlich. Da muss wohl ein zu hohes Budget verbraten werden, einen anderen Sinn sehe ich dabei nicht.
    1. Antwort von Ueli Baumgartner  (Beumli)
      Die Zusatzkosten, sind die Handgelder die da winken.... je länger das basteln an den Vögeln noch geht
    2. Antwort von Ueli Zimmer  (ZimmerU)
      Da ELBIT das System so angeboten hat und erst später die Probleme bemerkte, fallen die Mehrkosten seitens ELBIT an. Über die Jahre wird die Schweiz ziemlich viel Geld sparen, da die Btriebskosten der Drohnen ein Vielfaches unter denen eines Hubschraubers oder normalen Flugzeugs liegen.