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Christoph Berger: «Kinderimpfung ist das Tüpfchen auf dem i – zuerst müssen wir Erwachsene durchimpfen»
Aus Gredig direkt vom 13.01.2022.
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Vierte Impfung gegen Corona Berger zu Booster Nummer 2: «Am ehesten für Hochrisikopersonen»

In Israel erhalten unter anderem über 60-Jährige sowie Gesundheitsangestellte derzeit den zweiten Booster. Bereits hat sich eine halbe Million Israelis die vierte Impfung verabreichen lassen. Kommt die zweite Auffrisch-Impfung auch hierzulande bald? Nichts überstürzen – so der Tenor von Impfkommission-Chef Christoph Berger. 

Christoph Berger

Christoph Berger

Kinderarzt und Infektiologe

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Prof. Christoph Berger ist Kinderarzt und Infektiologe am Universitätsspital Zürich. Er ist zudem Präsident der Eidg. Impfkommission.

SRF News: Wie steht die Schweiz zur vierten Impfung?

Christoph Berger: In der Schweiz ist das noch kein Thema, denn es werden jetzt erst dritte Impfdosen verabreicht. Wir gehen davon aus, dass der Booster vor Infektionen und der Weiterverbreitung von Omikron gut schützt. Nicht zu 100 Prozent, aber es gibt einen relevanten Schutz im Vergleich zu ohne Auffrischimpfung.

Wir planen noch keine vierte Impfung.

Darum hoffen wir, dass sich jetzt noch viele Personen zum ersten Mal boostern lassen. Denn da gibt es noch grossen Bedarf und hohe Impfkapazitäten. Wir planen noch keine vierte Impfung.  

Wie schnell nimmt der Impfschutz des Boosters ab?

Daten dazu wurden, auch in Israel, mit der Delta- und nicht mit der Omikron-Variante evaluiert. Bei Omikron sind schwere Infektionen seltener als bei Delta – und bei Geimpften klar seltener als bei Ungeimpften. Dieser Schutz hält mehr als nur ein paar Monate. Vor allem hält der Schutz vor einer schweren Infektion viel länger als der Schutz vor einer vorwiegend milden Infektion. Aus diesem Grund sehe ich momentan keine grosse Gefahr, auch nicht für die ältere geboosterte Bevölkerung. Ich gehe davon aus, diese ist im Moment gut geschützt.

Wie sinnvoll finden Sie, dass Israel bereits die vierte Impfdosis verimpft?

In Israel wurde bereits letzten Juli und August geboostert, also viel früher als in der Schweiz. Das ist jetzt ein halbes Jahr her und das war eine Booster-Impfung gegen Delta – jetzt dominiert aber Omikron. Es gibt sehr gute Daten, dass der Schutz vor einer Infektion und Virusübertragung bei zweifach Geimpften nicht so lange hält gegenüber Omikron. Deshalb soll man jetzt nach vier Monaten boostern. Wie lange der Schutz gegen Omikron anhält, wissen wir noch nicht. Wenn Israel nun zum zweiten Mal boostert, werden wir sehen, inwiefern die frisch geboosterten Personen im Vergleich zu den dreifach Geimpften besser geschützt sind.

Wäre es nicht sinnvoller, vor der vierten Impfung auf eine Omikron angepasste Impfung zu warten?

Das hängt davon ab, wie gut der Schutz mit den aktuell eingesetzten Impfstoffen vor Omikron ist. Da würde ich theoretisch davon ausgehen, dass ein Omikron adaptierter mRNA-Impfstoff länger oder besser wirken würde. Aber wie lange der jetzige mRNA-Impfstoff gegen Omikron schützt, ist noch eine der offenen Fragen. Falls er nicht so lange wirkt, wäre das ein Argument für einen zukünftigen Omikron-adaptierten Impfschutz.

Vakzin-Verteilung: Berger ortet Handlungsbedarf

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Auf die Frage, ob es nicht problematisch sei, dass reiche Länder schon zum vierten Mal impfen, während es in armen Ländern an Impfstoff mangelt, sagt Ekif-Präsident Christoph Berger: «Natürlich müssen zuerst auch die Logistik und Verfügbarkeiten bereit sein, nicht nur die Impfstoff-Dosen. Aber ich sehe schon auch dieses zunehmend grössere Fragezeichen, dass man diese ärmeren Länder mit Impfstoffen unterstützen muss.»

Denn der Extra-Effekt jeder weiteren Boosterdosis werde immer kleiner, weil auch der Anteil der noch nicht immunen Bevölkerung in Israel, in den USA oder in Westeuropa immer kleiner werde. «Der wachsende Anteil von Geimpften und Genesenen hat nämlich einen mindestens partiellen Schutz vor allem gegen schwere Erkrankungen. Das heisst, der Benefit eines jeden weiteren Boosters ist für die Gesamtbevölkerung kleiner als eine erste oder zweite Impfung.» Davon ausgenommen seien allerdings besonders gefährdete Risikogruppen.

Müssen wir uns nun jedes halbe Jahr impfen lassen?

Das ist schwierig zu sagen, weil wir noch nicht wissen, welche Varianten kommen oder nicht kommen. Tendenziell würde ich sagen, dass sich Hochrisikopersonen am ehesten wieder impfen lassen müssten, weil bei jenen das Risiko unter Umständen wieder gross ist, wenn der Impfschutz nur ein bisschen nachlässt. Aber als Prognose für die breite Bevölkerung gehe ich nicht davon aus, dass das so weitergeht.

Das grosse Fragezeichen wird sein, was im Herbst geschieht.

Angesichts der momentanen Lage gehe ich eher davon aus, dass wir jetzt eine heftige Omikron-Welle haben und dass es dahinter eine Entspannung gibt im Frühjahr und Sommer. Das grosse Fragezeichen wird sein, was im Herbst geschieht. Das hängt davon ab, wie lange ein gewisser Schutz bleibt gegen das Coronavirus und welche neuen Varianten kommen.

Das Gespräch führte Saya Bausch.

SRF 4 News, 12.01.2022, 17:00 Uhr;

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