Vom schwierigen Umgang mit dem immer verfügbaren Internet

Gegenwärtig hat jede und jeder Jugendliche ein Smartphone, wie die aktuelle Übersicht des Programms Jugend und Medien des Bundes zeigt. Dies dient als Diskussionsgrundlage an einer Fachtagung. Auch Bundesrat Alain Berset kennt die Problematik aus seinem Umfeld.

Bundesrat Alain Berset

Bildlegende: Bundesrat Alain Berset an der Medienfachtagung. SRF

Die elektronischen Medien sind für Jugendliche und Kinder alltäglich geworden. Ludwig Gärtner, Vizedirektor vom Bundesamt für Sozialversicherungen beim Projekt Jugend und Medien federführend, sagt, bereits in den fünf Jahren dieses Projektes habe sich viel verändert. «Als wir damit angefangen haben, hatten zwanzig Prozent der Kinder und Jugendlichen ein Smartphone. Heute sind es praktisch alle.» Das habe unter anderem die Konsequenz, dass das Internet zu jeder Zeit und überall verfügbar sei, sagt Gärtner.

Ungefiltert ins Netz

Das bedeutet, dass die Filter, die die Eltern zuhause am Computer installiert haben, damit die Kinder nicht auf gewisse Internetseiten gelangen, auf dem Handy nicht aktiviert sind. Jugendliche können also ungefiltert im Netz aktiv sein. Zudem hätten sogar immer mehr Kinder bereits ein Smartphone, sagt Gärtner. Teilweise verfügten bereits Acht- oder Neunjährige über Mobiltelefone.

Kinder schütze man, indem man sie im Netz nicht alleine lasse: «Je kleiner die Kinder sind, desto mehr Begleitung brauchen sie. Das ist ein Aufruf an die Eltern und an sonstige Bezugspersonen», sagt Gärtner. Denn von den Medien fernhalten könne man die Kinder und Jugendlichen nicht, sagt Gärtner.

Bundesrat Berset kennt das Problem

So sieht es auch Bundesrat Alain Berset, der das Fachforum Jugendmedien eröffnete. Der Vater dreier Kinder kennt das Thema Smartphone von daheim. In seiner Familie werde es mit vielen Diskussionen angegangen: «Es ist eine ständige Arbeit.» Es ist eine Aufgabe, die Eltern und Schule übernehmen müssen.

Das nationale Programm Jugend und Medien habe aber auch gezeigt, dass es gesetzliche Anpassungen und teils gar neue gesetzliche Bestimmungen brauche. Zum Beispiel bei der Altersklassifizierung von Computerspielen. Die seien in der Schweiz von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Beim Bund prüfe man nun eine einheitliche Lösung, sagt Bundesrat Berset. «Die Idee ist, so wenig wie möglich zu intervenieren, aber mit dem Ziel, einen guten Schutz für die Jugend zu erreichen.»

Nicht nur Gefahren, auch Chancen

Die Jugend soll so geschützt werden, dass sie ausschliesslich von den vielen Vorteilen des Internets profitieren kann. Denn auch der Bund sieht nicht nur Gefahren, sondern vor allem auch Chancen, wenn Jugendliche mit den neuen Medien zu tun haben.

Ludwig Gärtner vom Projekt Jugend und Medien sagt es so: «Die heutige Welt ist nicht denkbar ohne diese Medien, auch die Arbeitswelt nicht. Wir müssen deshalb damit umgehen lernen.»

Fachleute des Bundes und der Kantone suchen nun nach Lösungen, wie Jugendliche diese Balance zwischen Chancen und Gefahren besser finden können.