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Schweiz Von guten und bösen Reichen

«Abzocker!» So lautet das Schimpfwort des 21. Jahrhundert. «Gier» gilt als einer der zentralen Übel unserer Gesellschaft. Die Reichen haben seit dem Bankencrash 2008 an Reputation verloren. Die Yuppies wurden zwar belächelt. Aber nicht gehasst. Heute ist Wohlstand anrüchig. Wie ist es dazu gekommen?

Legende: Video Die Reichen und die Neiddebatte abspielen. Laufzeit 4:58 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.07.2013.

Erinnern wir uns an den 15. August 2008. Banker der Lehmann Brothers tragen Kartonkisten aus dem Büro. Es ist kein Umzug. Es ist ein Auszug. Sie verlassen das sinkende Schiff. Lehmann ist bankrott. Eine Ära geht zu Ende – denken viele. Der Kapitalismus. Marx hatte Recht. Der Kapitalismus in seiner extremsten Form frisst sich selber auf. So schien es.

Vom guten zum bösen Banker

Von einem Moment zum anderen kollabiert auch das Ansehen einer Berufsgattung. Banker, die noch Wochen – ja Tage zuvor – die grossen Helden waren, müssen sich erklären. Sie müssen erklären, weshalb sie plötzlich um staatliche Gelder betteln, wo sie doch die Jahrzehnte zuvor das Hohelied der freien Marktwirtschaft besonders laut gesungen hatten.

Der Hass auf Banker war ansteckend. Er schwappte über auf viele andere, die sehr viel Geld verdienten. Rohstoffhändler, Immobilienhändler und andere gerieten plötzlich in Rücklage. Man wollte von ihnen wissen: Woher hast Du das viele Geld.

Vernünftige Kritik oder nur Neidgesellschaft?

Ist dieses Misstrauen gegen Wohlhabende gerechtfertigt? Ist es produktiv? Macht es Sinn, Reiche als Abzocker zu beschimpfen? Der tschechische Starökonom Tomas Sedlacek sagt, die Reichen hätten ihren Kredit verspielt, weil sie zu hemmungslos den Segen der Marktwirtschaft gepriesen hätten – und dann gescheitert seien.

Ganz anderer Meinung ist der liberale Ökonom Rainer Eichenberger. Er warnt vor den Auswüchsen der neuen Neidgesellschaft. Gerade gute Manager verdienten zu Recht sehr viel. Ein hervorragender CEO bringe einer grossen Firma jährlich leicht eine Milliarde Franken ein. Da seien 40 Millionen Franken Lohn nicht zu viel.

Experten-Chat

Monopolyspiel mit Schriftzu «Die Reichen der Schweiz»

Am Dienstag, 23. Juli, konnten User mit Politökonom Christoph Schaltegger diskutieren.

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63 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Bühler, Chur
    Herr Eichenberger ignoriert offensichtlich die Fakten. Die Reichen werden in der Schweiz tatsächlich nach wie vor sehr geschätzt (d.h. die Mittelklasse ist bereit mehr Steuern zu zahlen, um die Reichen steuerlich zu entlasten): Die Initiative welche 0.5% Steuern ab 2 Mio Franken Vermögen universell in der Schweiz eingeführt hätte, wurde ja von der Bevölkerung am 28.11.2010 wuchtig abgelehnt, obwohl die grosse Mehrheit der alleinstehenden Personen kein Vermögen von über 2 Mio Franken ausweist.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Rund ein Drittel des Schweizer Vermögens soll einem Prozent der Bevölkerung gehören. Rund 85 Prozent des (restlichen) Vermögens verteilt sich auf etwa 10 Prozent der Bevölkerung. Damit gehört die Schweiz im weltweiten Vergleich in etwa zu den südamerikanischen 'Bananenrepubliken'. Ein markanter Unterschied besteht trotzdem, die meisten 'Sozialisten' zählen zu den oben erwähnten 10 Prozent, die restlichen 89 Prozent der Bevölkerung sind parteilos oder Ausländer, und die zählen ja sowieso nicht.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Vielleicht bin ich zu müde, Ihren Beitrag zu verstehen, er ist arg kompliziert. Swissinfo, Jahresbericht 2012: In der Schweiz besitzen 10% der Wohnbevölkerung 71% aller Vermögenswerte. In Zürich besitzt 1% gleich viel wie 95% der Steuerpflichtigen.
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  • Kommentar von JP.Simon, Nietzscheaner, Bern
    Die Fäden der lamentablen Situation des Geldsystems,das seit der Industrialisierung Massenarbeit den einen Geld vor die Füssen wirft,anderen die Arbeitsforderung um die Ohren schlägt,sind schon mit der Frage dort hinzuziehen, wo das'warum' eingeschrieben ist,nicht minder ein 'wozu', wenn man den mehr und mehr auseinander klaffenden Fäden von arm+reich entlang geht, der Donner des 'wozu' denen gehört die sich dauernd um die Arbeitsspule drehen, die wulstige Zunge der R. das Wort nicht spricht.
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