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Von Internetgiganten bedroht Wenn niemand mehr für journalistische Inhalte bezahlen will

Die Umwälzungen im Internet bereiten der Medienkommission grosse Sorgen. Mit ihren Empfehlungen dürfte sie aber anecken.

Legende: Audio Schweizer Medien sollen im Netz gefördert werden abspielen. Laufzeit 4:19 Minuten.
4:19 min, aus Echo der Zeit vom 22.01.2018.

Die derzeitigen Veränderungen bei den Schweizer Medien seien heftig, sagt Otfried Jarren, Präsident der Eidgenössischen Medienkommission (Emek). Mittelständische Medienunternehmen stünden wegen der Digitalisierung zunehmend grossen Giganten aus dem Ausland gegenüber. Ein massiver Verdrängungswettbewerb finde statt.

Für die Finanzierung der kostspieligen journalistischen Inhalte fehle in der Schweiz immer mehr das Geld: «Die journalistischen Leistungen lassen sich momentan nicht refinanzieren, weil die Werbung nicht zahlt oder die Nutzerinnen und Nutzer nicht zahlen.»

Bezahlschranken keine Lösung

Private Verleger reagieren mit Bezahlschranken im Internet, sogenannten Pay-Walls. Doch Bezahlangebote seien für ein Medienunternehmen nur attraktiv, wenn viele dafür bezahlten. Kleine oder wenig zahlungskräftige Interessengruppen würden kaum bedient, sagt Emek-Präsident Jarren.

Bezahlschranken seien deshalb für die Emek nicht unbedingt wünschenswert. Denn sie widersprächen deren Anspruch, dass Information für alle zugänglich sein solle.

Die journalistischen Leistungen lassen sich im Moment nicht refinanzieren, weil die Werbung nicht zahlt oder die Nutzerinnen und Nutzer nicht zahlen.
Autor: Otfried JarrenEmek-Präsident

Mehr Fördergelder für Onlinemedien

Die Kommission empfiehlt dem Bundesrat in ihrem neuen Bericht deshalb ein anderes Vorgehen: Die öffentliche Finanzierung der Medien auszuweiten. Von ihr hat bisher vor allem die SRG profitiert.

Weil die Medienkonsumenten ihre Informationsbedürfnisse zunehmend im Internet befriedigten, sei eine neue Onlinemedien-Förderung einzuführen, denn auch Radio und Fernsehen würden immer mehr übers Internet konsumiert. «Deshalb glauben wir, dass es sinnvoll ist, journalistische Produkte integral zu fördern – und zwar unabhängig ob in Form von Radio oder Fernsehen.»

Kritik an den Internetschranken für die SRG

Dass die SRG als grösstes Medienunternehmen im Land im Internetbereich von der Politik beschränkt wird, findet die Mehrheit der Eidgenössischen Medienkommission falsch. Der Auftrag der SRG in diesem Bereich sei neu auszuhandeln, sagt Jarren.

Allerdings bedeute dies nicht, dass die SRG im Internet alles anbieten solle. «Sie muss aufpassen, dass sie nicht in Bereiche geht, in denen sie klar Interessen von Verlagen oder Dritten schädigen könnte.»

Wir glauben, dass es sinnvoll ist, journalistische Produkte integral zu fördern – und zwar unabhängig ob in Form von Radio oder Fernsehen.
Autor: Otfried JarrenEmek-Präsident

Bundesrat kommt Verlegern entgegen

Die privaten Verleger hingegen lehnen eine Ausweitung der SRG-Onlineaktivitäten klar ab. Presseähnliche Digitalangebote habe die SRG zu unterlassen, fordert der Verband Schweizer Medien in einem medienpolitischen Manifest. Der Bundesrat kommt den Interessen der Verleger entgegen, indem er in der geplanten neuen Konzession für die SRG an den bisherigen Einschränkungen festhalten möchte.

Ich persönlich halte die Einschränkungen der SRG im Internetbereich für falsch.
Autor: Otfried JarrenEmek-Präsident

Im Internet soll die SRG weiterhin vor allem Bild und Ton publizieren, Texte ohne Sendebezug sollen höchstens 1000 Zeichen umfassen dürfen, was längere Artikel verunmöglicht. Diese Einschränkungen der SRG im Internetbereich kann wiederum der Emek-Präsident nicht nachvollziehen.

«Ich persönlich halte sie für falsch: Man muss die Möglichkeiten haben, die das Medium bietet.» Doch müsse die Politik diese Frage in den nächsten Monaten klären.

Nöte der SDA dringlicher

Am dringlichsten findet Jarren zurzeit aber eine Diskussion über die Schweizerische Depeschenagentur SDA, die einen massiven Personalabbau und Kürzungen bei ihrem Angebot angekündigt hat.

«Wird diese Agentur – unsere einzige nennenswerte Agentur – in dieser Weise gerupft, wird logischerweise die Leistung schwinden, auch die unabhängige und neutrale Leistung. Und das ist ein erschreckender Vorgang.»

Fördergelder an Agentur neu überdenken

Der Bundesrat solle sich deshalb noch einmal überlegen, ob er die Agentur tatsächlich wie geplant mit zwei Millionen Franken Fördergeldern unterstützen wolle. Zuerst müssten die Eigentumsverhältnisse geprüft und die Absichten der neuen Eigentümer geklärt werden, empfiehlt Jarren der Landesregierung.

«Das muss auf den Tisch. Es muss Transparenz hergestellt und neu geprüft werden, ob und unter welchen Bedingungen man Subventionen sprechen kann.»

Jarren stellt fest, wenn die SDA-Eigentümer scheinbar Kapital aus der Firma zögen, gleichzeitig Personal abbauten und auch noch Fördergelder beanspruchen würden, dann erscheine das als «sehr merkwürdig».

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Holzer (Peter Holzer)
    Interessant auch hier wieder zu lesen, dass immer der Dienstleister Schuld trägt wenn keiner mehr dafür bezahlen möchte! Alles, aber wirklich alles was sich irgendwie digitalisieren lässt scheint für den Konsumenten keinen Wert mehr zu haben. Seien es Informationen, Musik, Filme, Bilder, Bücher oder Software im allgemeinen. Statt das wir alle unser eigenes Konsumverhalten hinterfragen geben wir den Anbietern der elektronischen Inhalte den schwarzen Peter weiter. Früher oder später trifft es alle
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  • Kommentar von Jason Bourne (JBourne)
    Ziel aller müsste es doch sein, qualitativ hochwertigen Journalismus zu produzieren. Journalismus muss wieder als Produkt verstanden werden und ein solches hat seinen Preis. Information ist die Basis von Demokratie und Rechtsstaat. Zur Rettung des Journalismus müssten sowohl Staat als auch Private mehr leisten. Statt sich in einer unsinnigen No-Billag-Abstimmung gegenseitig zu zerfleischen, müssten die relevanten Player ihre Ressourcen gemeinsam nutzen.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Das ist zwar sicher richtig. Nur hat sich der heutige Journalismus in einer falschen Qualitätsansicht verrant. Kritikloses Copy-Paste von Agenturnachrichten, Verschweigen von Zusammenhängen, Ideologisierung. Von alleine wird sich das nicht in hochstehenden Investigativjournalismus ändern. Nicht bei uns und nicht unter diesem hochbequemen Setup. (PS: mein erster Kommentar zum Thema wurde nicht aufgeschaltet, denn man hört es offensichtlich nicht gerne).
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    2. Antwort von Jason Bourne (JBourne)
      @W. Pip: Da kann ich durchaus folgen. Journalismus ist letztlich vergleichbar mit anderen Industrien. Nur weil aber beispielsweise heute viel Musik gratis verfügbar ist und viele dieser Songs etc. über eine niedrige Qualität verfügen, heisst das nicht, dass keine tolle Musik mehr eingespielt wird. Ähnlich ist's im Journalismus. Wenn wir aber nicht aufpassen, könnten selbst echte Qualitätsprodukte ernsthafte Schwierigkeiten bekommen.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Statt zu "Jammern", dass niemand will mehr für journalistische Inhalte mehr bezahlen will, sollten sich die Journalisten vielleicht sich mal selber fragen, ob es an der Qualität und den Inhalten ihrer Berichte liegen könnte, dass niemand mehr dafür bezahlen will. In der restlichen privaten Marktwirtschaft in unserem Land läuft das halt so, der Kunde für was er bekommt, wenn die Qualität zu wünschen übrig lässt, halt viel weniger bis nichts.
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    1. Antwort von Tobi Hartmann (Tobias Hartmann)
      Ja das ist natürlich so. Die Qualität hat stark gelitten. Kaum ein Thema das nicht von Fehlern strotzt, und zwar in jedem Medium. Journalisten würden das sicher gerne besser machen, aber sie stehen unter Zeitdruck von den Verlagen, die möglichst viel oben absahnen wollen. Geld haben sie eigentlich schon um die Qualität zu wahren, aber dieses Geld geht in die obersten Etagen. Resultat: weniger Qualität und deshalb Leserschwund. Gespart wird immer am falschen Ort: In der Redaktion.
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    2. Antwort von Jason Bourne (JBourne)
      Es gibt wohl noch andere relevante Ursachen dafür, dass immer weniger Leute für journalistische Inhalte bezahlen wollen.
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    3. Antwort von Peter Holzer (Peter Holzer)
      Buesser: Wir können lange philisophieren, aber es ist nunmal ein Fakt, dass wir alle immer weniger bereit sind für digitale Inhalte einen fairen Preis zu bezahlen. Dabei sollte man aber bedenken, dass dies auf uns alle zurückfallen wird. Früher oder später werden praktisch alle Dienstleistungen über den elektronischen Weg verfügbar sein und die einzigen die profitieren werden sind einige wenige.
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