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Schweiz Von Taliban entführt: Versicherung muss nicht zahlen

Der Berner Polizist, der 2011 mit seiner Partnerin in Nordpakistan von den Taliban entführt wurde, erhält zu Recht kein Geld von der Versicherung. Seine Ansprüche seien nicht gerechtfertigt, entschied das Bundesgericht. Er litt nach der Entführung unter posttraumatischen Belastungsstörungen.

Die beiden von den Taliban Entführten bernerInnen
Legende: Versicherung bezahlt nicht: Das Risiko, das die Beiden auf sich nahmen, als sie nach Pakistan reisten, war zu gross. Keystone/Archiv

Der Mann und seine Freundin, beides ausgebildete Polizeibeamte, hatten 2011 in einem VW-Bus eine Reise nach Indien unternommen. Auf dem Rückweg fuhren sie durch den Norden Pakistans und wurden dort von Talibankämpfern entführt. Es folgte eine acht Monate dauernde Geiselhaft, der sie nach einer spektakulären Flucht entkommen konnten.

Reise nach Pakistan als Risiko

Der Mann litt nach seiner Rückkehr in die Schweiz an einer sogenannten posttraumatischen Störung und erkrankte. Eine posttraumatische Störung haben viele Menschen, die beispielsweise Gewaltakte, Kriegserlebnisse oder Naturkatastrophen erlebt haben.

Die Unfallversicherung des Mannes verweigerte ihm allerdings einen Anspruch auf Geldleistungen nach dem Unfallversicherungsgesetz. Er habe kein Recht auf Taggeld, Invalidenrente, oder etwa Hilflosenentschädigung. Die Reise durch Gebiete im Norden Pakistans auf eigene Faust sei als grosses Risiko einzustufen. Sogar das eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA habe von Reisen in dieses Gebiet gewarnt.

Der Mann wollte das Urteil der Versicherung nicht akzeptieren und zog es durch alle Instanzen weiter bis vor das Bundesgericht. Dieses lehnt die Beschwerde nun aber ab und gibt der Versicherung Recht. Das Paar sei mit der Reise und trotz EDA-Warnung ein absolutes Wagnis eingegangen und habe die Gefahren bewusst in Kauf genommen.

10'000 Franken als Entschädigung für den Bund

Die Entführung der beiden Schweizer durch die Taliban hat in der Schweiz monatelang für Schlagzeilen gesorgt. Auch nach der geglückten Flucht zurück in die Schweiz hatte das Paar zu reden gegeben. Die Beiden schrieben ein Buch über ihre Erlebnisse und hielten Vorträge.

Der Bund stellte ihnen je 10'000 Franken in Rechnung. Damit sollten sie sich an den Kosten beteiligen, die dem Staat entstanden waren, bei den Versuchen, die beiden frei zu bekommen.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von D. Becker, Gebenstorf
    Ich glaube, dass jeder froh ist, dass die beiden heil und unbeschadet rausgekommen sind aus Pakistan. Das hat auch nichts mit Schadenfreude zu tun, wenn die allermeisten hier der Meinung sind, dass bei entsprechender Reisewarnung kein (Versicherungs)Schutz besteht. Das ist gesunder Menschenverstand und nicht fehlendes Mitgefühl. Man muss auch die Gesetze in Indonesion (Tod bei Drogendelikten) oder Singapur (Stockhiebe für "Peanuts") resepektieren, auch wenn man die Art der Bestrafung ablehnt.
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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    So viel Boshaftigkeit und Schadensfreude wie ich hier lese erschreckt mich! Seid doch froh, dass niemand gestorben ist! Die Schweizer sind schon ein eigenartiges Volk. Gegen ihre eigenen Bürger schiessen sie am schärfsten. Solidarität? Aber nicht hierzulande! Dabei müssten wir uns gegen die sogenannten Versicherungen wehren. DIE zahlen in Tat und Wahrheit NIE, egal was ist. Entweder hat man einen Selbstbehalt oder dann geht nachher die Prämie rauf und man zahlt den Schaden doppelt zurück!
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    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Meine Kommentare sind weder boshaft noch schadenfreudig gemeint. Menschen, welche grobfahrlässig und verantwortungslos handeln sollen nicht die Allgemeinheit belasten. Aktuell plane ich eine Schiffsreise in einer Meerespassage in Asien. Das EDA hat für dieses Gebiet ausdrücklich vor Entführungen gewarnt und auf Nachfrage dies per Mail bestätigt. Ich werde dieses Gebiet meiden. Wenn ich jetzt wider besseren Wissens da hingehe und entführt werde - tragen Sie das Lösegeld und die Folgekosten mit?
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    2. Antwort von R. Frank, Zug
      3. Teilweise wurden sie von Soldaten oder dergleichen als Schutz begleitet. Diese Männer wären besser abgestellt worden zum Schutz der pakistanischen Zivilbevölkerung anstelle zweier Abenteuer- und Spasstouristen. Viertens: Die beiden tingeln durch die Schweiz und feiern sich als Helden. Einsicht: Nicht die Bohne - was ja auch der Umstand zeigt, dass die Versicherung von ihm vor Bundesgericht gezerrt wurde.
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  • Kommentar von D. Becker, Gebenstorf
    Die beiden müssen jetzt hoffentlich auch noch die Kosten des "prozessgeilen" Anwalts bezahlen, der sich spätestens nach dem Obergericht hätte ausklinken sollen. So aber kann er sich jetzt das grosse Segelboot leisten, und nicht das kleine ;) Wenn diesem Berner Polizisten eine Reisewarnung nicht mehr genügt, dann frage ich mich echt, wer den durch die Polizeischule gelassen hat! Braucht's da nicht auch etwas gesunden Menschenverstand und die Fähigkeit, Gefahren einzuschätzen?!
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    1. Antwort von J.Baltensperger, Zürich
      Ich muss hier etwas aufklären: der Anwalt macht was der Klient sagt. Will der Klient den Fall weiterziehen - was in einem Rechtsstaat sein gutes Recht ist - sagt er dies seinem Anwalt, welcher entsprechend handelt. Ev. hatte er auch eine Rechtsschutzversicherung, welche den Fall nicht als hoffnungslos eingestuft hatte. Anwälte haben Stundenansätze von 250-450 CHF und müssen damit ein Büro inkl. Empfang unterhalten. Reich werden sie damit nicht. Dafür müssten sie Wirtschaftsanwalt werden.
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    2. Antwort von D. Becker, Gebenstorf
      Vielleicht, aber, wenn und so. So einfach ist es dann nicht. Ich habe genügend Anwälte im Freundeskreis, hungern muss von denen keiner, auch wenn sie sich ab und zu eine Honorarforderung ans Bein streichen müssen. Und da ist kein Wirtschaftsanwalt drunter. Und den meisten Juristen im nationalen und den kantonalen Parlamenten unterstelle ich Eigeninteressen für ihre Kanzleien. Den meisten, nicht allen. Auch Luzi Stamm prozessiert als Europagegner gerne - gegen Honorar - bis nach Strassburg ;)
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