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Gleichstellung auf der Schiene Vorfahrt für Güter, Pendlern das Nachsehen

Legende: Audio Signal auf Grün - für Güterzüge abspielen. Laufzeit 03:26 Minuten.
03:26 min, aus Rendez-vous vom 03.02.2017.
  • Heute haben Personenzüge auf dem Schienennetz Vorfahrt. Der Güterverkehr wird nachts abgewickelt.
  • Ab 2018 wird der Güterverkehr dem Personenverkehr gleichgestellt.
  • Güterzüge fahren dann neu auch am Tag und im Stundentakt.
  • Bei Engpässen auf dem Netz, erhalten sie Priorität.
  • Im Personenverkehr müssen deswegen wohl einzelne Entlastungszüge am Morgen und am Abend gestrichen werden.

Wenn es im Personenverkehr Engpässe gibt, kann die SBB heute trotz dicht getaktetem Fahrplan relativ einfach Entlastungszüge einplanen. Ab dem Fahrplan 2018 wird das schwieriger, weil neu auch die Güterzüge im Taktfahrplan fahren. So sieht es das neue Gütertransportgesetz vor.

Engpässe zeichnen sich ab

Um beide Fahrpläne für Güter und für Personen zu koordinieren, hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) erstmals einen Netz-Nutzungsplan erstellt und dabei festgestellt, dass es nicht aufgeht.

Engpässe gibt es vor allem bei Zusatzzügen, die zu den Spitzenzeiten am Morgen und am Abend verkehren, wie BAV-Sprecher Andreas Windlinger sagt. «Einige von ihnen können für den Fahrplan 2018 noch nicht zugesichert werden, weil es potenzielle Konflikte mit dem Güterverkehr gibt.» Betroffen seien unter anderem die Strecken Hochdorf-Luzern oder Basel-Laufen-Delsberg.

Zuversicht bei SBB

Die SBB reagiert gelassen: Man sei überzeugt, dass auch für die Spitzenzeiten eine einvernehmliche Lösung gefunden werde, sagt SBB-Sprecher Oliver Dischoe. «Zudem benötigt der Güterverkehr meistens gar nicht alle Trassen, weil er sehr stark von saisonalen Faktoren und natürlich der Nachfrage abhängig ist.»

Ob es wirklich zu Engpässen komme, werde man erst sehen, wenn die genauen Fahrplanwünsche von allen Bahnbetreibern eingereicht worden seien.

Abwarten bei Trasse Schweiz

Eingegeben werden sie bei Trasse Schweiz, der Vergabestelle, die bestimmt, wer wann und wo auf dem Schienennetz fahren darf. Die Bahnunternehmen hätten bis Ende April Zeit, ihre Wünsche einzureichen, sagt Thomas Hösli von Trasse Schweiz.

Bis Ende August sollen die Fahrrechte auf den Schienen definitiv vergeben sein. Dann wisse man auch, ob und wo die eine oder andere S-Bahn zulasten des Güterverkehrs gestrichen wird.

Gleichstellung auf der Schiene

Aber es sei jetzt schon klar, dass man für den Güterverkehr bessere Trassen-Bedingungen schaffen wolle, so Hösli weiter. «Damit setzt man die Güterzüge den Personenzügen gleich. So kommt es in den Hauptverkehrszeiten zu den Engpässen, die man lösen muss.»

Man setzt die Güterzüge den Personenzügen gleich. So kommt es in den Hauptverkehrszeiten zu Engpässen, die man lösen muss.
Autor: Thomas HösliFahrrechte-Verantwortlicher bei Trasse Schweiz

Bei BLS Cargo ist man mit der neuen Gleichstellung auf der Schiene zufrieden. Schliesslich sei es der Auftrag der Politik und des Schweizer Volks, den Güterverkehr zu fördern, um die Strassen zu entlasten. Deshalb sei ein attraktiver Fahrplan auch für Güter wichtig.

Schlimmstenfalls werden Pendlerzüge gestrichen

Im Extremfall könnte das aber dazu führen, dass ab Fahrplan 2018 der eine oder andere Entlastungszug morgens oder abends wegfällt. Hösli betont jedoch: «Das ist aber wirklich das Worst-Case-Szenario. Wir werden alles unternehmen, dass es nicht dazu kommen wird.»

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11 Kommentare

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  • Kommentar von K. Räschter (K. Räschter)
    Weil der grössenwahnsinnige SBB-CEO Andreas Meyer nur bis zu seiner Nasenspitze gedacht hat, haben wir jetzt immer mehr Probleme im Schienennetz. Jedes Jahr Ausbau, Ausbau, usw. anstatt mal ein Jahr in die Konsolidierung und Qualitätssicherung des Schienennetzes und Rollmaterials zu investieren. Falls Verspätungen sich im Personenverkehr häufen wegen des Güterverkehrs, wird es rasch zum Umsteigen kommen; d.h. zurück zum Individualverkehr. Frau BR Leuthard sollte hier vielleicht mal eingreifen.
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Wenn man von "Prioritorität bei Engpässen" reden muss, dann sollte man über Grundsätzliches nachdenken: Wieso gibt es überhaupt Engpässe? Weil die Kapazitäten des Schienennetzes nicht ausreichen! Welche Massnahme würde jeder weitblickende Unternehmer, jede weitblickende Unternehmerin als erstes vorschlagen? Einen Ausbau der Kapazitäten! - Dies durch weitere Verbesserung der Trassenausnutzung, Erhöhen der Verfügbarkeit (weniger Pannen!!), und wenn's sein muss: weitere Neubaustrecken.
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  • Kommentar von Max Blatter (maxblatter)
    Gleichstellung Güter- und Personenverkehr: Darüber kann man diskutieren. (Aber bitte: diskutieren, nicht einfach in Trump-Manier im Alleingang beschliessen.) - Priorität des Güterverkehrs bei Engpässen: Absolut inakzeptabel. Ist schliesslich auf der Strasse (gottseidank) auch nicht so.
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