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Schweiz VW-Skandal: Konsumentenschützer wollen Entschädigung für Kunden

Besitzer von Volkswagen-Autos, die von der Abgas-Affäre betroffen sind, sollen ausreichend entschädigt werden: Das verlangen drei Schweizer Konsumentenschutz-Organisationen. So könne eine Flut von Klagen abgewendet werden, so die Konsumentenschützer.

Autos von VW bei Amag
Legende: Die Konsumentenschützer erwarten von VW-Importeur Amag eine Antwort bis Ende November. Keystone

In der Abgas-Affäre gehen die Schweizer Konsumentenschützer auf VW zu. Sie streben eine Rahmenvereinbarung mit dem VW-Importeur Amag an, die sicherstellt, dass alle Betroffenen entschädigt werden. Damit soll eine Klageflut gegen VW oder die Amag vermieden werden.

Die drei Konsumentenschutz-Organisationen (Stiftung für Konsumentenschutz SKS, die FRC aus der Romandie und die ACSI aus dem Tessin) wollen der Amag diese Woche Vorschläge für eine Rahmenvereinbarung unterbreiten, wie sie in einem Communiqué bekannt gaben. Damit sollen möglichst viele Einzelfälle abgedeckt und die individuellen Schäden unbürokratisch abgegolten werden.

«Ein Verteilen von Gutscheinen, wie es VW aktuell in den USA praktiziert, genügt angesichts des Ausmasses dieses Betrugsfalles nicht», schreiben die Konsumentenschützer. Sie erwarten von der Amag bis Ende November eine erste Antwort.

Autos weniger wert

Denn wer einen Wagen mit der Betrugssoftware besitze, werde wohl einen finanziellen Schaden davontragen. «Es besteht Grund zur Annahme, dass diese Autos auf dem Occasionsmarkt nicht den gleichen Verkaufswert besitzen, den sie vor dem Bekanntwerden der Abgasaffäre innehatten», schreiben die Konsumentenschützer.

So kosten die betroffenen Modelle beim Internetvergleichsdienst Comparis seit dem Skandal 466 Franken weniger als davor. Die tägliche Anzahl aufgeschalteter Inserate hat sich von 142 auf 120 reduziert. Für die Auswertung hat der Vergleichsdienst insgesamt 8'572 Inserate im Zeitraum von 24. Juli bis 13. November analysiert.

180'000 Autos in der Schweiz betroffen

Angefangen hatte der Skandal Ende September, als die Software aufflog, die den Stickoxidausstoss bei Dieselfahrzeugen manipuliert hat. Deswegen müssen die betroffenen Fahrzeuge nun nachgerüstet werden. Betroffen sind Autos mit dem Dieselmotor EA 189.

Diesen Motor gibt es mit 1,2, 1,6 oder 2 Litern Hubraum. Bei jenen Autos mit 1,2- oder 2-Liter-Motoren genügt es, die Software zu erneuern. Das dauert gemäss Amag-Angaben voraussichtlich ein bis zwei Stunden.

Bei den 1,6-Liter-Motoren braucht es höchstwahrscheinlich eine komplexere Nachrüstung. Zur Nachbesserung dieser Motoren muss VW möglicherweise deutlich weniger Geld einplanen als zunächst befürchtet. Nach einem Bericht der «Wirtschaftswoche» können die Schadstoffemissionen durch ein Software-Update sowie den Einbau eines etwa zehn Euro teuren Sensors im Luftfilter behoben werden. Die Lösung wird derzeit vom Kraftfahrtbundesamt überprüft.

In der Schweiz sind nach Angaben des Bundesamtes für Strassen (Astra) rund 180'000 Autos von Marken der Volkswagengruppe mit der manipulierten Software bestückt. Davon sollen 128'802 Autos von der Amag stammen.

Seit dem 5. Oktober 2015 gilt ein vorläufiges Zulassungsverbot für solche Fahrzeuge, sofern sie noch nie in der Schweiz zugelassen waren. Insgesamt sind weltweit 11 Millionen Fahrzeuge betroffen.

Auch CO2-Werte falsch angegeben

Zudem flog auf, dass VW bei rund 800'000 Fahrzeugen den Ausstoss des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) und damit den Spritverbrauch zu niedrig angegeben hat. Davon sind gemäss Amag-Angaben rund 10'000 Autos in der Schweiz. Betroffen sind die Modelle Polo, Golf, Passat, Audi A1 und A3 sowie Skoda Octavia und Seat Leon und Ibiza.

Die Gesamtzahl betroffener Autos in der Schweiz sei noch nicht bekannt, sagte Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Das Astra warte noch auf die Ergebnisse der Untersuchungen des deutschen Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA).

Neuer Test ab 2017

Voraussichtlich im Herbst 2017 setzt die EU einen neuen Abgas- und Verbrauchstest in Kraft, der Manipulationen erschweren soll. Der Bundesrat will das Verfahren zeitgleich in der Schweiz einführen. Der heute gültige Test stimme mit dem Nutzungsprofil der Kunden meist nicht überein, die Emissionen im Strassenbetrieb könnten daher deutlich abweichen.

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