Waadtländer Winzer schlagen Alarm wegen Fungizid

Weinbauern im Lavaux erwarten Millionenschäden durch Ernteausfälle. Als Ursache orten sie das Fungizid «Moon Privilege» von Bayer. Der Chemiekonzern bestätigt ähnliche Probleme in Nachbarländern und rät vorläufig vom Gebrauch ab. Offenbar spielt der Zeitpunkt des Spritzens eine Rolle.

Eine ausgetrocknete Rebe liegt auf dem Erdboden, daneben ein grünes Weinblatt.

Bildlegende: Braun und trocken: Einige Winzer befürchten bereits einen Totalausfall ihrer Ernte. Keystone/Archiv

Für einmal ist es nicht der verregnete Sommer oder der Hagel, der den Weinbauern in der Waadt zu schaffen macht, sondern ein Pflanzenschutzmittel.

Weinbauer Jean-Marc Favez geht durch seine Chasselas-Rebe im Lavaux und zeigt auf die braunen, verkümmerten Weintrauben. Alles sei vertrocknet, die Frucht habe sich kaum entwickelt, klagt er und zerreibt eine Traube zwischen Mittelfinger und Daumen wie ein verwelktes Herbstblatt.

Zwar hängen an den Reben noch vereinzelt Trauben, doch auf dem betroffenen Feld rechnet Favez mit einem Ertrag von noch höchstens 20 Prozent. Schuld an der Misere habe das letzten Herbst gespritzte Fungizid «Moon Privilege» der Marke Bayer: «Überall, wo ich das Mittel verwendet habe, ist die Ernte eingegangen. Es gibt keinen Zweifel.»

Bayer: «Zusammenhang scheint zu bestehen»

Der Chemiegigant Bayer untersucht das Problem und hat Experten in die Waadtländer Weinreben geschickt. Mediensprecherin Barbara Zimmermann rät den Bauern, das Fungizid vorläufig nicht zu benutzen. Zumal es auch andernorts zu Schäden kam: «Es sind uns Fälle in Österreich, Frankreich, Deutschland und Italien bekannt.» Aus Portugal oder Spanien habe Bayer aber keine negativen Meldungen.

In der Schweiz wurde «Moon Privilege» für den Weinbau vom Markt genommen. Dass mit dem Produkt etwas nicht stimmt, kann auch die Bayer-Sprecherin nicht von der Hand weisen: «Ein Zusammenhang scheint sicherlich zu bestehen. Die Frage ist halt einfach, welche anderen Faktoren noch einen Einfluss haben.»

Je später gespritzt, desto mehr Schäden

Auch die Fachstelle des Bundes untersucht die Fälle. Sie hat herausgefunden, dass der Zeitpunkt des Spritzens eine Rolle spielt. «Je später das Produkt angewendet wurde, desto mehr Schäden findet man», berichtet Pierre-Henri Dubuis.

Laut dem Experten für Pflanzenkrankheiten bei der Forschungsanstalt Agroscope sind die Resultate allerdings nicht eindeutig. So gebe es Fälle, wo trotz Anwendung des Bayer-Produkts keine Schäden aufgetreten seien. Überall, wo Schäden aufgetreten seien, sei das Fungizid jedoch verwendet worden.

Waadt erwartet Ernteausfall von zehn Prozent

Dies kann Favez nur bestätigen. Nicht alle Winzerkollegen sind so stark betroffen wir er. So geht der Kanton Waadt von einem Ernteausfall von ungefähr zehn Prozent aus. Mit Einnahmeverlusten von 40 Millionen Franken wird gerechnet. Ob dafür dereinst die Bauern oder Bayer aufkommen müssen, wird sich nach Abschluss der Untersuchungen entscheiden. Agroscope rechnet nächsten Frühling mit Resultaten.