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Wort des Jahres 2021: Die Jury erklärt die Wahl
Aus Radio SRF 1 vom 06.12.2021.
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Wahl erneut von Corona geprägt «Impfdurchbruch» ist das Wort des Jahres 2021

Mit «Impfdurchbruch», «Starkregen» und «entfreunden» dominieren Corona und Klima die Wahl zum Wort des Jahres. Eine treffende Wahl.

Das «Wort des Jahres» soll zentrale gesellschaftliche Entwicklungen und Diskurse der Schweiz spiegeln – das gewählte Trio zeigt, dass 2021 kein einfaches Jahr war.

«In diesem Wort steckt ganz viel»

Ähnlich wie «Wellenbrecher», das Deutsche Wort des Jahres, besticht «Impfdurchbruch» durch Mehrdeutigkeit und Ambivalenz. «In diesem Wort steckt ganz viel. Die Impfung sollte den Durchbruch bringen, Normalität wieder herstellen», begründet Jurypräsidentin Marlies Whitehouse von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) die Wahl.

Wort des Jahres: So funktioniert die Wahl

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Das Wort des Jahres gibt es in der Deutschschweiz seit 2003. Bis 2016 wurde es vom «Büro Wort des Jahres» bestimmt. Seit 2017 ermittelt es die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Welche Wörter kommen in Frage?

Sprachforscherinnen und Sprachforscher des Departements Angewandte Linguistik erstellen eine Liste mit rund 80 Wortkandidaten. Grundlage für diese Liste sind erstens die Analyse des Textkorpus «Swiss-AL», das ist eine Sammlung von digitalen Texten mit mittlerweile über 1.2 Milliarden Wörtern; zweitens Einsendungen aus der Bevölkerung und drittens Vorschläge der Jury-Mitglieder. Die Jury besteht aus Journalistinnen, Künstlern und Sprachschaffenden sowie aus Linguisten der ZHAW.

Wer wählt die Siegerwörter aus?

Die Jury wählt aus der ihr vorgelegten «Longlist» die drei Siegerwörter, die am 7. Dezember bekanntgegeben werden. Dasselbe Prozedere wird parallel in allen Landessprachen mit je eigener Jury durchgeführt. Alle Wörter des Jahres in der Deutschschweiz, in der Romandie, im Tessin und im rätoromanischen Sprachgebiet finden Sie weiter unten in diesem Artikel.

Doch diese Hoffnung wurde enttäuscht. «Vielmehr hat das Virus Varianten hervorgebracht, es kommt zu sogenannten Impfdurchbrüchen. Das hat bei der Bevölkerung unterschiedliches ausgelöst.» Von Resignation über Wut bis zum neuen Hoffnungsschimmer «Booster»: Die Impfung polarisiert und prägt unseren Alltag.

Polarisierung

Der Polarisierung wird mit dem dritten Platz Rechnung getragen: «Entfreunden bildet die gesellschaftliche Spaltung ab», sagt Jurymitglied Thamar Xandry, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Zürich. «Bist du für oder gegen die Impfung, für oder gegen die Massnahmen? Das hat Familien und Freundschaften zerrissen.»

Aus den sozialen Medien kennt man den Begriff: Mit «entfreunden» oder dem englischen «unfollow» wird eine virtuelle Freundschaft beendet, zum Beispiel wegen Meinungsverschiedenheiten. Durch Corona hat «entfreunden» eine Bedeutungserweiterung in den analogen Raum erfahren.

Eine gebrochene Spritze
Legende: «Impfdurchbruch» Das Wort des Jahres 2021 ist mehrdeutig und ambivalent. «In diesem Wort steckt ganz viel», begründet Jurypräsidentin Marlies Whitehouse die Wahl. imago images

Regen, Regen, Regen

Das Klima ist mit «Starkregen» auf dem zweiten Platz gelandet. Das Wort verweist auf die heftigen Regenfälle im Sommer. Der meteorologische Fachbegriff habe 2021 stark an Bedeutung gewonnen, sagt Thamar Xandry. «Platz eins und drei sind Corona-Themen, dazwischen steht das Klima.» Das fasst das Jahr 2021 recht treffend zusammen.

Genderdebatte fehlt

Die Genderdebatte wird in den drei Deutschschweizer Wörtern des Jahres gar nicht gespiegelt; im französischsprachigen Teil der Schweiz landete hingegen das neue Personalpronomen «iel» auf Platz eins. «iel» ist eine Wortschöpfung aus den Pronomen «il» («er») und «elle» («sie») und soll alle Geschlechtsidentitäten einschliessen. Das Wort wurde im französischen Sprachgebiet heftig diskutiert.

Die Wörter des Jahres aller Landessprachen

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Das Wort des Jahres wird gleichzeitig in allen vier Landessprachen gewählt. «Die Schweiz wird in allen Sprachregionen anders erlebt», sagt Jurypräsidentin Marlies Whitehouse. Darum unterscheiden sich die insgesamt 12 Schweizer Wörter des Jahres teilweise stark voneinander.

Französisch

Die drei Wörter des Jahres der französischsprachigen Schweiz tragen der Genderdebatte, der zunehmenden sozialen Ungleichheit und auch dem Corona-Virus Rechnung:

1. iel (geschlechtsneutrales Personalpronomen, Wortschöpfung aus «il» [er] und «elle» [sie])
2. précarité (Ungewissheit, soziale Unsicherheit)
3. variants (Varianten)

Italienisch

In der italienischsprachigen Schweiz hat ebenfalls Corona und Klima den Diskurs dominiert. Und der Sport mit dem Wort «exploit», das auf das sportliche Erfolgsjahr der Schweiz hinweist.
1. certificato (Zertifikat)
2. urgenza (Dringlichkeit)
3. exploit (Höchstleistung)


Rätoromanisch

Im Rätoromanischen ist ebenfalls klar Corona das prägende Motiv. Hier dominieren aber eher abstrakte Begriffe rund um den gesellschaftlichen Umgang mit der Pandemie und das Zwischenmenschliche.
1. respect (Respekt)
2. pazienza (Geduld)
3. tgira (Fürsorge, Betreuung, Pflege)

In der Deutschschweizer Jury habe ein anderes Wort zu Diskussionen geführt: «Freiheitstrychler». Slam-Poet und Jurymitglied Remo Zumstein, der den Begriff eingebracht hatte, ist froh, dass es die «Freiheitstrychler» nicht in die engere Auswahl geschafft haben: «Wir wollten keine Plattform bieten und auch niemanden diffamieren.»

Globale Probleme, globale Begriffe                             

Ein spezifischer Bezug zur Schweiz lässt sich in der diesjährigen Auswahl nicht feststellen – anders als 2018, als mit «Doppeladler», «Rahmenabkommen» und «079» drei eindeutig helvetische Diskurse abgebildet wurden.

Impfdurchbrüche, extreme klimatische Ereignisse und soziale Spannungen gab es 2021 weltweit. Das vergangene Jahr hat einmal mehr die Notwendigkeit globaler Lösungen für globale Probleme aufgezeigt.

Deutschschweizer «Wort des Jahres» 2003 bis 2020

1. Platz 2. Platz 3. Platz
2020 systemrelevant Maskensünder stosslüften
2019 Klimajugend OK Boomer Flugscham
2018 Doppeladler Rahmenabkommen 079
2017 #metoo weglachen Influencer
2016 Filterblase
2015 Einkaufstourist
2014 # (Hashtag)
2013 Stellwerkstörung
2012 Shitstorm
2011 Euro-Rabatt
2010 Ausschaffung
2009 Minarettverbot
2008 Rettungspaket
2007 Sterbetourismus
2006 Rauchverbot
2005 Aldisierung
2004 Meh Dräck
2003 Konkordanz

Radio SRF 1, 07.12.2021, 06:00 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community. Wir schliessen für heute die Kommentarspalten. Wir wünschen einen schönen Abend und hoffen, es gibt bei Ihnen keine Impfdurchbrüche zu vermelden. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von markus ellenberger  (ELAL)
    Impfdurchbruch? Ich erwarte eigentlich von dieser Wahl, ein Wort, das mir Hoffnung Zuversicht vertrauen Sicherheit usw. aber impfdurchbruch? Habe die Aussage „es soll kein politisches wort geben“ von heute Morgen 07.15 beim Gespräch auf srf sehr befremdet empfunden.
    1. Antwort von Jean-Pierre Schibich  (spectator)
      Das jeweilige Wort des Jahres muss nicht notwendigerweise eine positive Bedeutung haben. - Fast noch interessanter finde ich aber das "Unwort des Jahres": 2015 Gutmensch; 2014 Lügenpresse; 2007 Herdprämie; 2005 Entlassungsproduktivität; 2004 Humankapital; 1998 sozialverträgliches Frühableben (!), 1996 Rentnerschwemme (!). (Liste gem. Duden) Einige dieser Begriffe sind/wären gerade jetzt wieder hochaktuell.
  • Kommentar von Uwe Frings  (Baggi)
    Das Wort des Jahres „Impfdurchbruch“ lässt meine Hoffnung weiter leben, dass es weitere Möglichkeiten neben der Impfung gibt, oder geben wird, um Corona zu bekämpfen! Danke!