Zum Inhalt springen

Schweiz Walliser setzen auf göttlichen Beistand

Einheimische haben Gott während Jahrhunderten gebeten, den Aletschgletscher zu besänftigen. Ihre Gebete wurden erhört – fast zu sehr, möchte man angesichts der Gletscherschmelze sagen. Seit 2012 beten die Leute deshalb, damit das Eis wieder dicker wird.

Vor 335 Jahren haben die Bewohner der beiden Walliser Dörfer Fiesch und Fieschertal das Gelübde abgelegt, gegen das Wachstum des Aletschgletschers zu beten. Dieser hat sich seither um über dreieinhalb Kilometer zurückgezogen.

Der Präfekt des Bezirks Goms, Herbert Volken, sah sich deshalb gezwungen, zu handeln: Er wurde 2009 beim damaligen Papst Benedikt XVI. in Rom vorstellig. Er bat darum, das Gelübde im Kampf gegen den Klimawandel umkehren zu dürfen.

Der Wunsch wurde gewährt. Somit war es heute wieder einmal so weit: Die jährliche Prozession gegen das Abschmelzen des Gletschers fand statt. Eine Gruppe von Gläubigen wanderte frühmorgens zur Notre-Dame-Kapelle im Ernerwald bei Fiesch.

«Gebet kann unterstützend wirken»

Präfekt Volken ist von der Wirkung der Prozession überzeugt: «Ich behaupte nicht, dass das Gebet allein diese Probleme lösen kann. Aber es kann unterstützend wirken.» Mit der Meinung ist er nicht allein. Die Teilnehmerzahl nimmt jedes Jahr zu. «Das ist der Beweis, dass unsere Bevölkerung an das Beten und an Gott glaubt.»

Portrait von Herbert Volken, Gomser Präfekt.
Legende: Herbert Volken, Vermittler zwischen Walliser Behörden und der Bevölkerung, glaubt an die Wirkung der Gebete. Keystone

Als PR-Aktion will Volken, ehemaliger Präsident von Wallis Tourismus, den Aufruf zum Gebet nicht verstanden wissen. Denn der Verlust des Aletschgletschers hätte schwerwiegende Folgen für die Region. «Eis ist Wasser. Wasser ist Leben. Und wenn wir kein Wasser haben, können wir in unseren Tälern nicht mehr leben und müssen auswandern.»

Ursprünglich Angst vor Überflutung

Wassermassen aus dem Märjelensee, einem typischen Gletscherrandsee, hatten einst wiederholt Zerstörung über die Walliser Gemeinde gebracht. 1678 legten die Katholiken von Fiesch deshalb ein Gelübde ab, den Naturgewalten ein Ende zu setzen. Seither wird jeweils am 31. Juli eine Prozession durchgeführt – wenn es kein Sonntag ist.

Die Fiescher blieben in der Folge tatsächlich vor grösseren Katastrophen verschont. Durch den Rückgang der Gletschermasse hat sich das Gelübde allerdings überholt. Heute gilt es, den Aletschgletscher als Trinkwasserreservoir – und auch als Walliser Touristenattraktion – zu erhalten.

10 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Die Walliser sollten doch froh sein, wenn der Aletschgletscher endlich verschwindet. Das gäbe mehr Bauland, um darauf wieder unkontrolliert Zweitwohnungen und Ferienhäuser in grosser Zahl zu bauen, bis der überflüssige und störende Gletscher nicht mehr zu sehen ist. Das wäre doch was, oder nicht?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Margrit Holzhammer, 8903 Birmensdorf
      @O. Toneatti: Gute Idee. Zusätzlich könnte das Matterhorn ebenerdig abgetragen werden, das gäbe dann Bauland für Asylbewerberunterkünfte.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Kramer, ZH
    Die Gebete kommen zu spät. 200m Eisdicke hat der Aletschgletscher am Konkordiaplatz, seit der Errichtung der gleichnamigen Hütte eingebüsst; ein SRF-Beitrag der letzten Woche handelt davon. Wenn der Gletscher weg ist, hat man im Wasserschloss Europas ein kleineres Problem. Aufklärung vs. Gottes-Staat und seine christlich verklärten Taliban....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Na wenn's schön macht.... Natürlich bringt das rein gar nichts, ausser dass die Gletscher dort wo die Massen stehen und beten noch schneller wegschmelzen. Die Leute würden ihren Glauben besser dazu einsetzen, toleranter und menschenfreundlicher miteinander umzugehen, anstatt irgend welchem Schwachsinn nachzueifern. Abgesehen davon fahre ich mit Freude Auto und setze mich nicht freiwillig in ein ÖV. Ich habe mich schon in der Schule geweigert, dem idiotischen Massenkollektiv zu folgen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von marc bonanomi, zollikofen
      Herr Duran, mich schaudert, wenn ich Ihren Text lese. Ich habe 10 Grosskinder, und ich habe eine Riesenangst, dass denen einmal das Leben auf diesem Planeten unerträglich wird. Sie fahren mit Freude Auto, mir ist ein Grosskind vion einem Auto überfahren worden, und gestorben. Den Verzicht aufs Autofahren, bezeichnen Sie als idiotisches Massenkolletiv..Mich schaudert!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Margrit Holzhammer, 8903 Birmensdorf
      @Marc Bonanomi: Ich kann mich den Worten von Tom Duran nur anschliessen. Im Übrigen fahre auch ich gerne Auto und sehe nichts Schlechtes dabei. Umweltfreundlicher wäre es auch weniger Kinder in die Welt zu setzen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von A.Käser, Zürich
      @Marc Bonanomi/Schliesse mich den Worten vonT.Duran und M.Holzhammer an.Zitat Einstein:"Zwei Dinge sind unendlich,das Universum und die menschliche Dummheit,aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."Wäre endlich an der Zeit,Verantwortung nach geistigem Ermessen zu übernehmen und nicht,das eigene"Unvermögen"ins"Aussen"zu delegieren.Ein weiteres Zitat von A.E.:"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft,den in ihr gedenke ich zu leben."Unser aller(Geistigen)ZUKUNFT?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      @marc bonanomi: Sie scheinen auch schon zu Denen zu gehören, die glauben, man müsse einfach überall auf 'Standby' schalten und ununterbrochen vor sich hinzittern, dann würde Gott vielleicht schon dafür sorgen, dass Ihren 10 Grosskindern und deren Nachkommen nichts passiert. Ich bin sicher, dass es schon im 30-jährigen Krieg Leute gab, die ähnlich dachten und nur noch ängstlich jeden neuen Tag erwarteten. Aber mit Angst wird sich die Welt nicht stoppen lassen, die nächste Eiszeit kommt trotzdem.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen