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Warentransporte in der Schweiz Mehr Lastwagen aus Osteuropa auf Schweizer Strassen

61 Prozent des Güterverkehrs in der Schweiz rollt auf der Strasse. Darunter immer mehr Lastwagen aus Polen und Rumänien.

Osteuropäische Lastwagen auf einer Autobahnraststätte.
Legende: LKWs aus Polen und Rumänien fahren bereits mehr Kilometer in der Schweiz als jene aus Frankreich und den Niederlanden. Imago

Der Verkehr von ausländischen schweren Güterfahrzeugen in der Schweiz nimmt laufend zu. Während die Fahrleistung von Lastwagen aus westeuropäischen Staaten tendenziell abnimmt, legten vor allem Transportunternehmen aus Polen und Rumänien zu.

Laut der Gütertransportstatistik 2016 des Bundesamts für Statistik (BFS) fuhren deutsche Lastwagen am meisten Kilometer in der Schweiz (136 Millionen), gefolgt von italienischen (74 Millionen).

Auswirkung der EU-Osterweiterung

Mit 53 Millionen Kilometern folgen bereits Lastwagen aus Polen und Rumänien (35 Millionen). Die beiden osteuropäischen Staaten haben damit Frankreich (33 Millionen) und die Niederlande (25 Millionen) überholt.

Die Transportunternehmen in Polen und Rumänien profitieren vor allem von der EU-Osterweiterung und dem freien Zugang zu den Märkten in der EU. Seit dem Beitritt Polens zur EU 2004 haben sich die von polnischen Güterfahrzeugen in der Schweiz zurückgelegten Kilometer um den Faktor 7 erhöht. Bei rumänischen Lastwagen erhöhte sich der Faktor seit dem Beitritt zur EU 2007 gar um 29.

Auf die neuen Zahlen der Gütertransportstatistik reagierte der Verein Alpen-Initiative prompt: «Immer mehr Lastwagenchauffeure aus Osteuropa fahren auch in der Schweiz. Sie arbeiten teilweise zu Hungerlöhnen» schreibt Manuel Herrmann, Leiter Alpenschutzpolitik, in einem Communiqué. Er fordert schärfere Kontrollen bei den Arbeitszeiten und Sozialbedingungen der Lastwagenfahrer. Nur so sei garantiert, dass Strasse und Schiene gleich lange Spiesse haben.

Kilometerleistung bleibt in der Summe stabil

In der Summe sind aber die jährlich gefahrenen Kilometer von ausländischen Camions zwischen 2001 und 2016 bei rund 500 Millionen Kilometern stabil geblieben. Gründe sind das erhöhte zulässige Ladegewicht der Fahrzeuge und die Einführung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA).

Die eigentliche Transportleistung von ausländischen Lastwagen, also neben den zurückgelegten Distanzen auch die beförderte Gütermenge, betrug im vergangenen Jahr 5,3 Milliarden Tonnenkilometern. Seit 2000 beträgt diese Steigerung 79 Prozent.

Strasse und Schiene stark im Verbund

Güterzug mit Tankwagen in Gurtnellen (UR).
Legende: 2016 wurde der Güterverkehr zu 39 Prozent auf die Schiene abgewickelt. Keystone

Gemäss der Gütertransportstatistik 2016 des Bundes wurden auf Schienen und Strassen in der Schweiz insgesamt 27,8 Milliarden Tonnenkilometer erreicht. Das sind 600 Millionen weniger als 2015.

Beim Güterverkehr entfielen 61 Prozent auf die Strasse und 39 Prozent auf die Schiene. Die Schiene konnte dabei 2016 im Güterverkehr zum vierten Mal in Folge Marktanteile von der Strasse zurückgewinnen. Die Transportleistungen der Bahn stiegen um 0,9 Prozent, während der Strassengüterverkehr um 1,5 Prozent zurückging. Damit hat der Marktanteil der Bahn wieder das Niveau von 2008 erreicht. 2009 war der Anteil der Schiene im Güterverkehr wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf ein Allzeittief von 35,9 Prozent gesunken.

Schiene und Strasse sind aber nicht nur einfach Konkurrenten, sondern ergänzen sich zwischen langen Transportwegen und der regionalen Feinverteilung von Gütern. Im internationalen Verkehr dominiert die Bahn mit einem Anteil von 67 Prozent der Transportleistungen. Lastwagen und schwere Sattelschlepper befördern dagegen fast die gleiche Menge (63 Prozent) Güter in der Schweiz, aber nur 37 Prozent im internationalen Verkehr.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Lastwagen auf die Schiene, dafür wurden die "superteuren" Voraussetzungen geschaffen. Benutzt werden sie von einem mehr als mickrigen Prozentanteil. Der Rest donnert über unsere Autobahnen. Dafür wird dann in Bundesbern gejammert, dass das Geld für notwendige Sanierungen nicht reicht. Allerdings versickert ja ein grosser Teil des Strassengeldes sowieso in der allgemeinen Bundeskase.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Ein gutes Beispiel, wie denn die PFZ und die EU "allen Wohlstand bringt": 1) den gestressten Fahrern aus dem Ostblock, weil sie die Welt sehen; 2) dem gefeuerten einheimischen Chauffeur, weil er nun viel mehr Zeit hat; 3) uns allen, weil das russische Roulett mit sicherheitsrisikoreichen Lastwagen auf der Strasse noch spannender geworden ist. 4) den Aktionären der Transportindustrie durch noch mehr Gewinn; 5) dem Online-Konsument, weil der Transport seines Konsumwahns bezahlbahr ist.
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    ausnehmen, absahnen, drücken, sparen, betrügen. - Wahnsinn, wie die PFZ auf im Transportbereich den Wohlstand hebt...
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