Zum Inhalt springen
Inhalt

Kampf gegen die Mafia «Warnen, ohne den Teufel an die Wand zu malen»

Legende: Audio Bundesanwalt Michael Lauber fordert gesetzliche Reformen, um gegen die Mafia vorgehen zu können. abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
01:46 min, aus HeuteMorgen vom 22.02.2017.

Der Kampf gegen die Mafia in der Schweiz ist teuer und geniesst politisch keine breite Unterstützung. Das muss sich ändern, fordert Bundesanwalt Michael Lauber im Interview mit SRF News.

SRF News: Die italienischen Mafiaorganisationen machen europaweit einen Umsatz von jährlich 100 Milliarden Euro. Haben Sie genug italienischsprachige Staatsanwälte, um dieses Phänomen auch tatsächlich recherchieren zu können?

Michael Lauber: Italienischsprachig ist eines, sie müssen aber vor allem auch Deutsch oder noch Französisch können, denn die Mafia ist kein Phänomen des Kantons Tessin. Vielmehr ist es ein Phänomen, das den gesamten Finanz- und Werkplatz Schweiz betrifft. Das ist eine Herausforderung für die Rekrutierung der Staatsanwälte.

Zentrale Beweismittel sind immer wieder Telefonabhörungen, die heute aber verschlüsselt werden. Damit steigt auch Ihr Aufwand. Was tun Sie dagegen?

Die Telekommunikationsabhörung wird in der Tat immer komplexer und auch teurer. Das heisst, wir müssen immer genauer und konkreter wissen, ob sich eine solche Abhörung lohnt oder nicht. Wir müssen uns aber auch Alternativen überlegen. Dabei geht es darum, dass wir Personen aus dem Milieu herausholen. Ich spreche hier insbesondere die Kronzeugenregelung an, zu der es nun Vorstösse im Bundesparlament gibt. Wir sind ganz klar für eine Kronzeugenregelung und sind froh, dass diese nun politisch diskutiert wird.

Sie haben schon viele solcher Vorstösse gemacht, Gesetzesänderungen oder das Anti-Mafia-Zertifikat, aber realisiert wurden ihre Vorschläge bisher nie.

Wir müssen warnen, ohne den Teufel an die Wand zu malen. Wir müssen auch konkrete Vorschläge einbringen. Die Kronzeugenregelung ist einer davon. Andere Vorschläge betreffen die Finanzierung von Gesellschaften oder Präventivmassnahmen. Das alles sind Massnahmen, die man in den Nachbarländern kennt. Und wenn wir einen Alarm vermeiden wollen, dann muss man, meines Erachtens, um glaubwürdig zu bleiben, auch entsprechende gesetzliche Massnahmen treffen.

Das Interview führte Alexander Grass.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Wer den Bericht in den Deutschen Medien über die Drogenmaffia im Frankfurter Bahnhof gesehen hat , den wundert gar nichts mehr -die Hintermänner können tun und lassen was sie wollen -die Polizei verhaftet einzig die Armen - Teufel die das Zeug spritzen -die werden ^dann einige Monat aus dem Verkehr gezogen -derweil läuft das Geschäft weiter mit den Händlern von gefährlichsten Stoffen . Was ist das für ein Saustall auch bei uns - die Kleinen hängt man die Verbrecher laufen fröhlich herum .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    Aus Italien hört man seit Jahrzehnten Warnungen bezüglich der Mafia und ungenügender Gesetze in der CH und auch in Deutschland. In Italien kann man Anklage erheben allein für die Zugehörigkeit zu einer solchen Vereinigung. Aber das wurde bis jetzt überhört .( von Herrn Lauber offenbar nicht )
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Eines ist sicher, das Schweizer Volk, unterhält mit seinen Steuergeldern eine riesige "Juristen-Phalanx", welche längst nicht alle notwendig und auch nicht für diese Arbeit geeignet, genügend kompetent sind! Dafür aber sind sie enorm "teuer"!! Wer kontrolliert diese "Phalanx" auf tatsächliche "EIGNUNG und Kompetenz"??
    Ablehnen den Kommentar ablehnen