Weltweit Konten geplündert – Internetbetrüger vor Gericht

Drei junge Männer müssen sich heute vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona für Phishing im grossen Stil verantworten. Von Thailand aus haben sie mit Phishing-Mails allein in der Schweiz über 3600 Kreditkarten geknackt und damit über drei Millionen Franken erbeutet.

Die Menge der ergaunerten Daten ist riesig, die Zahl der Delikte unübersehbar: Heute befasst sich erstmals ein Schweizer Gericht mit einem Fall von Phishing. Die drei Beschuldigten sind keine 30 Jahre alt. Einer von ihnen ist vor zehn Jahren schon einmal verurteilt worden, weil er einen Computerwurm programmiert hatte, der die Systeme zahlreicher Grossfirmen in die Knie zwang. Heute stehen er und seine zwei Komplizen vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona.

Die Beschuldigten haben während sechs Jahren Besitzer von Kreditkarten mehrheitlich mit Massenmails und unter Vorspiegelung eines seriösen Absenders um Zugangsdaten gebeten. Gutgläubig gaben die Opfer auf einer gefälschten Webseite ihre geheimen Daten ein. In über 333‘000 Fällen haben die Täter damit im Internet eingekauft und Geld überwiesen.

Angeklagte sind geständig

Verwendet wurden dabei auch 3600 Schweizer Kreditkarten. Um diese geht es am Bundesstrafgericht in Bellinzona heute. Der Deliktbetrag erreicht 3,5 Millionen Franken. Gemäss Anklageschrift ist die Tätergruppe immer noch aktiv. Sie rekrutiert sich aus einem Kollegenkreis marokkanischen Ursprungs.

Drei Jahre Haft

Die Anklage lautet auf Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage. Es ist ein abgekürztes Verfahren, das am Bundesstrafgericht stattfindet. Das heisst, dass die Täter gestanden haben und eine Haftstrafe von drei Jahren akzeptieren.

Was tun bei Verdacht?

Private Internetnutzer und KMU können sich bei Viren, Würmern oder verdächtigen Mails bei der Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani des Bundes melden.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel