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Schweiz Weniger Kinderpornografie im Web – nur die halbe Wahrheit

Im Internet gibt es immer weniger Kinderpornografie. Dies zumindest lassen die vom Bundesamt für Polizei veröffentlichten Zahlen vermuten. In Tat und Wahrheit tauchen Kinderschänder und ihre Kundschaft aber zunehmend im so genannten Darknet unter.

Die Anzahl der gemeldeten Webseiten in öffentlich einsehbaren Bereichen des Internets ist rückläufig, wie das Bundesamt für Polizei (fedpol) in seinem veröffentlichten Jahresbericht 2013 schreibt. Allerdings sei eine zunehmende Verlagerung der illegalen Aktivitäten von Pädokriminellen ins Darknet festgestellt worden.

Screenshot einer Website gepixelt.
Legende: Experten sprechen von einem «Gruselkabinet», wenn es um das so genannte Darknet geht. Keystone

Eine breite Öffentlichkeit ist auf den nicht frei zugänglichen Teil des Internets im Zusammenhang mit der Kriminellen-Plattform Silk Road aufmerksam geworden. Vereinfacht gesagt, handelt es sich beim Darknet um jenen Teil des Internets, der bei einer Google-Suche nicht angezeigt wird, weil die Nutzer anonym und unentdeckt bleiben wollen. Die Tür zu vielen Teilen des Darknet lässt sich nur mit speziellen Programmen öffnen. «Tor» beispielsweise, das wohl bekannteste davon, stellt anonyme Verbindungen im Tor-Netzwerk her.

Unerkannt im Internet

Im Weiteren müssen Darknet-Nutzer die genaue Adresse einer Website kennen und unter Umständen über eine Einladung oder Zulassung verfügen. Ein ideales Umfeld also für alle, die von der Justiz unerkannt illegalen Aktivitäten nachgehen wollen: Dealer, Terroristen, Kinderschänder und alle Arten von Umstürzlern. Neben Drogen sollen Auftragsmorde, gestohlene Ausweispapiere, Falschgeld, neue Weltordnungen oder eben Kinderpornografie im Angebot sein.

Die Heimlichkeit des Darknet stellt das fedpol vor erhebliche Probleme. Die Schweizer Behörden können nicht einmal die Anzahl Webseiten mit Kinderpornografie abschätzen, geschweige denn jene der Nutzer. Trotz Anonymisierung wähnt sich das fedpol nicht ganz machtlos: Opfer und Täter könnten unter Umständen identifiziert werden. Hinweise lieferten auch Forumsbeiträge oder Mailadressen.

Misstrauen schützt vor verdeckten Ermittlern

Eine erfolgversprechende Ermittlungsmethode ist laut fedpol das Einschleusen verdeckter Ermittler in entsprechende Plattformen. Dort werden sie allerdings bereits erwartet: Die Täterschaft sei sich der Schwierigkeiten der Strafverfolgungsbehörden durchaus bewusst und ergreife gezielt Massnahmen zur Erkennung verdeckter Ermittler.

Zudem seien Ermittlungen im Darknet sehr zeitaufwendig – unter anderem, weil die Datenströme in den meisten Fällen über mehrere Länder hinweg verfolgt werden müssten. Ob Schweizer Behörden in den letzten Jahren erfolgreich im Darknet ermittelt haben, gibt das fedpol nicht bekannt.

Es verweist lediglich auf die Schliessung von Silk Road und die Verhaftung des Betreibers durch das FBI im Oktober 2013. Wenige Wochen später war die Plattform jedoch schon wieder online. Die Ironie dabei: Das Tor-Programm war von einem Forschungslabor der US-Marine mitentwickelt worden und wird noch immer vorwiegend von der US-Regierung finanziert.

Meldungen aus dem sichtbaren Netz nehmen ab

Das fedpol hatte 2013 aber nicht nur im Darknet, sondern auch im sichtbaren Teil des Internet alle Hände voll zu tun: Bei der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) waren gut 9200 Meldungen eingegangen. Rund 1400 davon betrafen Kinderpornografie – nur noch etwa halb so viele wie im Jahr zuvor.

Aufgrund von verdachtsunabhängigen Ermittlungen im Internet stellte Kobik den Strafverfolgungsbehörden 423 Verdachtsdossiers zu, was ebenfalls deutlich weniger sind als im Jahr zuvor. Sprunghaft zugenommen hat dagegen die Zahl der Meldungen zu Wirtschaftsdelikten: Erpressung oder Datendiebstahl machen inzwischen fast zwei Drittel der Internetdelikte aus.

Hooligans im Fokus

Hooligans im Fokus

Das fedpol befasst sich auch mit Themen wie Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen. Die Behörde geht davon aus, dass die Zahl der Personen mit hoher Gewaltbereitschaft inzwischen auf 600 bis 700 angewachsen ist. Zusätzlich neigten 1200 bis 1700 Personen je nach Situation zu Gewalt oder solidarisierten sich mit Gewalttätern.

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