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Schweiz Weniger lebensverlängernde Massnahmen bei geistig Behinderten

Die Menschen in der Schweiz leben im Schnitt immer länger. Das gilt auch für geistig Behinderte. Lag deren Lebenserwartung um 1930 noch bei 20 Jahren, so beträgt sie heute 70 Jahre. Das stellt die Heime vor neue Herausforderungen: Wie begleiten sie geistig Behinderte am Lebensende?

Wenn Menschen mit einer geistigen Behinderung in Heimen im Sterben liegen, dann nimmt bei ihnen deutlich seltener lebenserhaltende Massnahmen vor als bei anderen Behinderten. 237 Todesfälle in Schweizer Heimen hat Monika Wicki von der Hochschule für Heilpädagogik Zürich im Rahmen eines Nationalfondsprojekts untersucht. «Wir haben festgestellt, dass bei Menschen mit geistiger Behinderung sehr oft auf künstliche Ernährung und Beatmung verzichtet wurde, häufiger als bei Personen mit anderer Behinderung», sagt sie.

In mehr als einem Drittel der untersuchten Todesfälle wurden Menschen mit einer geistigen Behinderung nicht künstlich ernährt oder beatmet. Zum Vergleich: Bei andereren Menschen (etwa bei körperlich Behinderten), wurde bloss in weniger als einem Sechstel auf lebenserhaltende Massnahmen verzichtet. «Dies hat uns dann ein wenig Sorgen gemacht. Es stellt sich die Frage, was ist der Grund? Sind das medizinische Gründe?» sagt Wicki.

Wer entscheidet für die geistig Behinderten?

Fest steht gemäss der Studie nur: Menschen mit einer geistigen Behinderung können kaum mitreden am Lebensende; statt ihnen entscheiden Ärzte oder Angehörige. Bei Curaviva, dem Dachverband der Schweizer Heime, vermutet Christina Affentranger Weber denn auch. «Man will von der Seite der Angehörigen diesen Menschen auch Leiden ersparen.»

6 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Vor 1-2 Wochen hat man gelesen, dass die Heime für ältere Behinderte überfüllt sind, und nun hat man offenbar die Lösung darin gefunden, dass man diese Menschen schneller sterben lässt. Kommt erst noch billiger.
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Was genau soll hier das Problem sein? Dass oft 5/6 der Leute am Lebensende völlig unnötig länger leben müssen mit künstlicher Ernährung und Beatmung? Für mich ist das der Skandal - mit und ohne Behinderungen.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Eine Schande in einem Land, welches Integration, Toleranz und Menschenrecht für Minderheiten GROSS auf die rot-weisse Fahne schreibt. Eine Schande, dass eine solche Diskriminierung von wehrlosen Menschen überhaupt stattfindet. Und kein Linker, keine Grüne geht für diese Minderheit auf die Barrikaden. Man spart bei den behinderten Sterbenden an lebenserhaltende Massnahmen, lässt sie also verhungern und ersticken. Das nennt man Selektion. A. H. grüsst.
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    1. Antwort von Hansjörg Keller, 5022 Rombach
      Und noch rasch eins ans linke oder grüne Schienbein... Was versprechen Sie sich davon, Frau Zelger? Sind Ihre kollektiven Schuldzuweisungen in irgendeiner Weise hilfreich?
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