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Schweiz Weniger Strom aus Atomkraftwerken

Weltweit werden immer mehr Atomkraftwerke vom Netz genommen. Eine Studie zeigt: Die Stromproduktion durch Atomkraftwerke ist rückläufig. Dies gilt auch für die Schweiz.

Auf der Welt wird weniger Strom in Atomkraftwerken erzeugt. Dies zeigt der diesjährige «World Nuclear Industrie Status Report» des Pariser Energieberatungsunternehmens «Mycle Schneider». Er wurde heute im EU-Parlament in Brüssel präsentiert. Grund für den Rückgang des Atomstroms ist die Tatsache, dass immer mehr AKWs vom Netz genommen werden. Weltweit sind heute noch 427 Reaktoren in Betrieb, das sind 17 weniger als noch vor 10 Jahren. Die Produktion von Atomstrom ging zwischen 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent zurück.

Fukushima als Hauptursache

Laut der Studie kann ein Viertel des Rückgangs auf die Katastrophe im japanischen Fukushima vom 11. März 2011 zurückgeführt werden. Ein starkes Erdbeben löste damals einen Tsunami aus, welche das Atomkraftwerk von Fukushima schwer beschädigte.

In Japan wurden daraufhin alle Reaktoren zwecks Sicherheitsprüfung abgeschaltet. Aktuell sind noch zwei der ursprünglich 44 Reaktoren Japans in Betrieb. Nebst Japan fuhren auch 16 weitere Länder die Produktion von Strom aus Atomenergie zurück. Darunter auch die grossen Atomstaaten USA, Frankreich, Deutschland, Südkorea und Russland.

Der Kühlturm des Atomkrafwerks bei Goesgen in der Schweiz.
Legende: In der Schweiz ging die Atomstromproduktion seit 2006 um 7,8 Prozent zurück. Keystone

Langsame und teure Bauten

Ein weiterer Grund für den weltweiten Rückgang der Atomstromproduktion sind Verzögerungen bei den Bauten. Von aktuell 66 Reaktoren, welche sich im Bau befinden, sind neun seit über 20 Jahren im Bau.

Durch die hohe Bauzeit steigen auch die Kosten massiv.

Schweiz als Sonderfall

Auch in der Schweiz ging die Atomstromproduktion 2012 zurück, jedoch aus anderen Gründen. Hierzulande hat dies mehrheitlich mit Zwischenfällen zu tun, welche immer wieder zum Stillstand der Werke führten. Zudem mindern laufende Revisionen die produzierte Strommenge.

Ein weiterer Faktor sind hohe Temperaturen im Sommer. Atomkraftwerke, die mit Flusswasser gekühlt werden, müssen ihre Produktion an heissen Tagen wegen Überhitzungsgefahr zurückfahren.

Generell verfolgt die Schweiz mittelfristig eine Energiestrategie, die nicht mehr auf Atomkraftwerke angewiesen ist. Am Ende ihrer Betriebsdauer sollen AKWs daher stillgelegt werden und nicht durch neue ersetzt werden. Im Rahmen der Energiestrategie 2050 setzt der Bund verstärkt auf verstärkte Einsparungen und auf erneuerbare Energiequellen.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Matthias Steinwachs, Hier
    Jetzt ist es wichtig zu verstehen, das der Ausdruck "Erneuerbrare Energien" auch so verstanden wird, wie er verstanden werden sollte. Nämlich aus einer ohnehin vorahndenen Ernergieform, Strom oder Hitze/Kälte zu gewinnen, ohne die Quelle oder deren Exsistenzumfeld/fluss zu gefärden. Beispiel für Energiequellen: Sonne, Wind, Druck/Beschleunigungskräfte, Gezeiten ect. Im Optimalfall basiert die zukünftige Energiegewinnung auf möglichst natürlichen Kreisläufen.
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  • Kommentar von Benedikt Jorns, Bremgarten b. Bern
    (a) Die obige Grafik entspricht dem Wunschdenken unserer Regierung. Ob dieses realistisch ist, werden wir in den kommenden Jahren zunehmend besser abschätzen können. Bereits heute zeichnen sich folgende Entwicklungen ab: In der Schweiz werden kaum Gaskombikraftwerke gebaut, weil unsere Stromkonzerne im benachbarten Ausland günstigere Bedingungen finden.
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  • Kommentar von Benedikt Jorns, Bremgaten b. Bern
    (b) Windkraft wird an Bedeutung gewinnen, sobald leistungsfähige Gleichstromleitungen durch Europa gebaut werden. Die Chancen von Photovoltaik können erst beurteilt werden, wenn die Quersubventionierung aufhört. Wir haben in der Schweiz im Sommerhalbjahr stets Stromüberschuss. Zu tiefen Preisen exportieren wir dann Strom ins Ausland. Photovoltaik bringt seine Leistung zu ca. 75% im Sommerhalbjahr.
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