Wenn das Spital krank macht

Wer ins Spital geht, erhofft sich Genesung. Doch auch im Spital lauern einige heimtückische Gefahren. Infektionen sind keine Seltenheit. Dies zeigt ein neuer Bericht.

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Gefährliche Keime im Spital

4:23 min, aus 10vor10 vom 8.8.2013

Immer wieder kommt es vor, dass Patienten kränker aus dem Spital nach Hause kommen als sie eingetreten sind. Sie haben so genannte Spitalbakterien aufgelesen. Schlimmstenfalls sind das Bakterien, gegen die kein Antibiotikum mehr wirkt. Patientenstellen rechnen, dass jedes Jahr gegen 70‘000 Patienten in einem Spital mit Bakterien verunreinigt werden. 2000 Menschen sterben daran.

Schweiz mit hoher Infektionsrate

Die Datenlage zum Thema ist bisher dünn. Klar ist, zur Infektion kommt es dann, wenn Bakterien natürliche Barrieren überwinden und in heikle Stellen des Körpers hineingelangen – beispielsweise bei Operationen.

Deshalb hat der Nationale Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern, ANQ, in einer breit angelegten Untersuchung verschiedene Operationen unter die Lupe genommen. Im Zentrum stand dabei die Zahl der Wundinfektionen. Der «10vor10» vorliegende Bericht zeigt: Infektionen in Schweizer Spitälern kommen wesentlich häufiger vor, als der Laie denkt. Die Schweiz steht diesbezüglich nicht besser da, als die meisten umliegenden Länder.

So kommt es beispielsweise nach Magenbypass-Operationen bei 16,7 Prozent zu einer Infektion, bei Operationen am Herzen bei 5,4 Prozent und bei Darmoperationen bei 12,8 Prozent der Eingriffe. Weniger Infektionen gibt es beispielsweise bei Leistenbruch- oder Gelenkoperationen.

Patientenschützer fordern Massnahmen

Auf solche Daten haben Patientenschützer lange gewartet. Erika Ziltener von der Schweizer Patientenstelle sagt, dass das Problem umgehend angegangen werden müsse. Sie sagt, der Druck auf die Spitäler müsse erhöht werden. Schon heute könnten viele Infektionen verhindert werden, wenn Hygienevorschriften konsequent eingehalten würden: «Ein Drittel aller Infektionen könnte heute schon verhindert werden.»

Hugo Sax, Leiter der Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich bestätigt das. Vor allem mit einer konsequenten Handhygiene könnte die Verbreitung von Bakterien und letztlich die Infektionsrate in Spitälern massiv eingedämmt werden. Die Erfahrung zeige aber, dass gerade die Handhygiene im Alltag oft untergehe: «In Schweizer Spitälern wird derzeit etwa nur in 60 Prozent der Fälle eine korrekte Handdesinfektion gemacht». Das müsse unbedingt verbessert werden.

Nationales Programm

Mit dem neuen Epidemiegesetz, das am 22. September zur Abstimmung kommt, erhoffen sich Spitäler und Ärzte mehr Mittel im Kampf gegen Spitalinfektionen. Gemäss Informationen der «NZZ am Sonntag» sieht der Bundesrat für das nationale Programm zur Spitalhygiene ein Budget von 2,7 Millionen Franken pro Jahr vor. Wie das Programm konkret aussehen soll, ist aber noch offen.