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Schweiz Wenn der Seminar- zum Gebetsraum wird

Die Wachstumszahlen sprechen für sich: Schweizer Hoteliers tun gut daran, sich vermehrt auf Gepflogenheiten nicht-europäischer Gäste auszurichten. Der richtige Umgang mit asiatischen, arabischen oder indischen Gästen will gelernt sein – auch um Wasserschäden zu vermeiden.

Comic mit einem arabischen Tourist sowie einer chinesische und eine indische Touristin vor Schweizer Bergen.
Legende: Neue Zielgruppen, neue Kulturen: Ziel der Hoteliers bleibt eine allerseits geschätzte Gastfreundschaft. Kandertal TOURISMUS

Immer häufiger kommen Touristen aus anderen Kulturen in die Schweiz. Ob aus China, Südkorea, den Golfstaaten oder Indien: Wer als Schweizer Hotelier von dieser Gästegruppe profitieren will, muss sich um sie bemühen. Das lohnt sich gegenwärtig umso mehr, weil der starke Franken viele Europäer abschreckt (siehe Box).

Congee Reis-Gemüse-Suppe zum Frühstück

Das Hotel Terrace in Engelberg hat sich bereits vor knapp 20 Jahren auf Gäste aus Indien spezialisiert. Dass diese auf herkömmliche indische Esstraditionen bestehen würden, sei von Beginn weg klar gewesen. Dabei habe sich die Zusammenarbeit mit einem Catering-Partner aus Indien bewährt, sagt Peter Reinle, Marketingleiter der Titlis Bergbahnen, zu welchen das Hotel Terrace gehört.

Im Hotel Monopol in Luzern kommen derzeit fast 40 Prozent aller Gäste aus asiatischen Ländern. Entsprechend sei das Frühstücksangebot ergänzt worden, sagt die Direktorin Brigitte Heller. Auf dem Frühstücksbuffet finden sich neu auch Sojamilch, eine chinesische Congee-Reis-Gemüse-Suppe, «Asia Fried Rice» sowie eine laktosefreie «Asia omelette». Diese Ergänzungen würden von Gästen aus China, Malaysia, Thailand oder Singapur sehr geschätzt. Japaner hätten sich hingegen weitgehend an die europäischen Esstraditionen angepasst.

Arabische Gäste seien offen für eine «kulinarische Weltreise», sagt Marco von Euw, Direktor des Hotel Metropole in Interlaken. Im Vergleich mit asiatischen und indischen Gästen, verfüge die arabische Kundschaft aber auch über ein grösseres Budget. So werde die Wahl von Fast Food bis hinzu Delikatessen oft schlicht nach Lust getroffen. Spezifischer seien die religiösen Bedürfnisse arabischer Gäste. Für deren regelmässiges Gebet habe das Hotel einen Seminarraum reserviert.

Aktiv informieren bewährt sich

Laut Aussagen aller drei Hotelvertreter lohnt es sich, mögliche Konflikte so früh wie möglich mit der richtigen Kommunikation aus dem Wege zu räumen.

Brigitte Heller vom Hotel Monopol in Luzern spricht aus Erfahrung: Sie machte ihre Gäste mit Tisch-Stellern im Rahmen des Frühstücks darauf aufmerksam, dass es dem Hotel ein Anliegen sei, Lebensmittelverschwendung und somit Essensreste zu vermeiden. Die Aktion stiess auf ein breites Echo – und zeigte Wirkung: Insgesamt sei beim Frühstück die Lebensmittelverschwendung durchschnittlich um über 50 Prozent zurückgegangen, sagt Heller.

Eine chinesische Touristen schwing ein rotes Tuch auf dem Gipfel des Titlis.
Legende: Beliebtes Ziel chinesischer und indischer Touristen: Der Gipfel des Titlis oberhalb von Engelberg. Keystone

Duschen nur in der Wanne

Mit schriftlichen Hinweisen, welche bei Gruppenreisen den «Tour-Leadern» übergeben werden, ist die Hoteldirektorin aus Luzern zudem das Problem von Wasserschäden angegangen: Gäste aus asiatischen Ländern hätten sich wiederholt vor dem Baden oder Duschen in der Badewanne auf dem Badezimmerboden «vorgeduscht».

«Ab und an muss man Spielregeln bekannt geben», meint auch Marco von Euw vom Hotel Metropole in Interlaken über den Umgang mit arabischen Gästen. Die Eltern hätten beispielsweise kein Problem damit, wenn ihr Junge mit einem Kickboard in der Halle der Rezeption herumbrause. Andere Gäste aber schon.

Im Unterschied zu arabischen sei bei chinesischen Gäste ein dezenterer Umgang gefragt. Bei allzu direkten Zurechtweisungen befürchteten letztere rasch einen Gesichtsverlust.

Bei allen Broschüren und Schulungen…

Tourismus-Organisationen haben in der Vergangenheit den Hoteliers zur Unterstützung im Umgang mit Gästen aus ferneren Ländern mehrere Broschüren , Link öffnet in einem neuen Fensterzur Verfügung gestellt. Auch mit interkulturellen Workshops und Schulungen wird das Personal auf die exotischeren Gäste vorbereitet.

Für Peter Reinle von den Titlis Bergbahnen helfen aber oft auch schon bewährte, universelle Umgangsformen: «Wird ein Lächeln geschenkt, kommt auch meist eines zurück.»

Europäische Gäste bleiben weg

Die Zahlen des BFS vom Mai 2015 weisen im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Rückgang von 90'000 Logiernächten (minus 10,3 Prozent) der Gäste aus Europa (ohne die Schweiz) aus. Bei den Gästen aus Asien resultierte ein Zuwachs um 87'000 Logiernächte (plus 22,8 Prozent). Bei den Golfstaaten liegt ein Plus von 5200 Nächten (plus 11,9 Prozent) vor.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Huber, Brülllach
    Schauen wir doch mal genau hin, wer uns Schweizern willkommen ist. ... Und schliesslich ist bei uns nicht der Gast König, also passen Sie sich als Gast bitte uns Schweizern an, denn wir hatten nie einen König ausser Geld.
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  • Kommentar von u.demmler, bern
    irgendwie kommen mir deutsche, engländer, holländer und auch schweizer im urlaub auf mallorca in den sinn (gibt aber auch andere feriendestinationen) vielleicht mal generell benimm-regeln im massentourismus überdenken.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    In den Reiseunterlagen sollte den "Gästen" aus fremden Kulturen vor allem gesagt werden, wie sich die Schweizer trotz deren Besuch wohl fühlen würden. Komisch dass immer wir uns in den fremden Kulturen anpassen sollen und die Touristen nicht an uns. Mir wurde schon einige Male erklärt, dass ich dieses oder jenes nicht hätte sagen oder tun sollen, da dies in den Ländern dieser Personen nicht üblich sei. Dann sage ich klar, dass nicht ich mich anzupassen habe, sondern die Besucher. Basta!
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