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Schweiz Wenn Detailhändler selbst zu Einkaufstouristen werden

Wasser predigen und Wein trinken: So könnte man die Strategie einiger Detailhändler umschreiben. Dann nämlich, wenn sie über Einkaufstourismus klagen, selber aber auch Aufträge ennet der Grenze machen lassen. Drucker klagen: Vor allem Drucksachen würden vermehrt im Ausland hergestellt.

Legende: Audio Wenn Detailhändler selbst zu Einkaufstouristen werden abspielen. Laufzeit 03:33 Minuten.
03:33 min, aus Espresso vom 31.05.2016.

Eine Umfrage der Konsumentensendung «Espresso» von Radio SRF1 zeigt: Mit einer einzigen Ausnahme lassen alle Schweizer Detailhändler mindestens einen Teil ihrer Werbedrucke im Ausland produzieren. Wie gross dieser Anteil ist, sagt mit Ausnahme von Coop niemand. Offensichtlich ein Thema, worauf die Detailhändler nicht so gerne angesprochen werden.

«Das ist unehrlich»

Der Branchenverband der Drucker schlägt Alarm: «Ja, diese Entwicklung spürt man je länger desto mehr», bestätigt Viscom-Direktor Thomas Gsponer gegenüber der «Espresso». «Im Grunde genommen ist das unehrlich», so Gsponer weiter. Insbesondere wenn man plädiere, nur noch in der Schweiz einzukaufen und dann selber im Ausland beschaffe.

Migros und Coop sagen, man lasse den grössten Teil aller Werbemittel in der Schweiz drucken. Eine Statistik führe man dazu aber nicht, heisst es bei der Migros. Coop schreibt, dass «über 80 Prozent» der Druckaufträge in der Schweiz vergeben werden. Wenn man Aufträge ins Ausland gebe, dann nur, weil die Schweizer Druckereien nicht in der Lage seien, die Aufträge entsprechend zu erfüllen.

Dies stimme nur bedingt, relativiert Thomas Gsponer. Gewisse Druckverfahren, beispielsweise der Tiefdruck, seien in der Schweiz nicht mehr möglich. Alles andere lasse sich aber problemlos in der Schweiz produzieren.

Ein «doppelzüngiges Spiel» der Detailhändler

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert die Detailhändler für ihr Vorgehen scharf und spricht gar von einem doppelzüngigen Spiel. Die Detailhändler wüssten ganz genau, dass gleiche Produkte im Ausland massiv günstiger seien, so ihr Vorwurf.

Dies stimme natürlich, bestätigt Migros Sprecher Luzi Weber. Der Preis sei aber nicht ausschlaggebend, weil man unter diesem Aspekt alle Drucksachen im Ausland produzieren müsste.

Wischiwaschi-Antworten

Während Migros und Coop noch einigermassen klar darlegen, welche Werbemittel in der Schweiz gedruckt werden und welche im Ausland, liefern alle anderen Detailhändler schwammige Antworten. So schreibt beispielsweise Spar: «Unsere Werbemagazine werden … grösstenteils in der Schweiz oder Liechtenstein, in Ausnahmefällen im grenznahen Ausland gedruckt.»

Lidl macht klar, dass man mit den Kollegen in Österreich zusammenarbeite und Aldi schreibt, man drucke in der Schweiz und in Deutschland, «aus unternehmenspolitischen Gründen» könne man keine näheren Angaben machen. Denner begründet die Auftragsvergabe ins Ausland, ähnlich wie alle anderen, unter anderem mit der nötigen Flexibilität und Erfahrung.

Von allen angefragten Detailhändlern ist Volg der einzige, der sämtliche Werbemittel in der Schweiz drucken lässt.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Hostettler (Heinzvobärn)
    Und wenn die Firmen nichts im Ausland günstiger kaufen und den Laden schliessen müssen, gibt es ein Geschrei wegen den Arbeitslosen. Der Wert der im Ausland gekauften Drucksachen ist im Vergleich zum privaten Einkaufstourismus im 0,0...Promille-bereich.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Gerade die etablierten Unternehmer kaufen ja auch billige Arbeitskräfte und Zulieferwahren im Ausland ein. Seit Jahrzehnten schon - wenn es dann die Aufträge erlauben, expandieren dieselben Schweizer Know How ins kostengünstige Ausland - die Arbeitslosen hier werden von der RAV betreut die der Steuerzahlende Büezer zu ernähren hat. Ich kenne einige Patrons im St.Galler Rheintal deren Privatvermögen in die Millionen und Milliarden gehen, beim Büezer aber stehts am Jammara .
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  • Kommentar von Hansruedi Naef (hnaef)
    Es gibt aus meiner Sicht nur zwei Möglicheiten: Abschottung à la SVP, damit verbunden eine wirtschaftliche Isolation mit erzwungener Angleichung des Wohlstandes an das Niveau der Nachbarländer oder darunter, oder die mehr oder weiniger freiwillige Angleichung des Preis- aber auch des Lohnniveaus an das nahe Ausland. Wir haben keine eigene Schweizer-Welt.
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    1. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Der grösste Teil der Unternehmer hat noch nicht gelernt , dass nur hochqualifizierte bestbezahlte Fachleute Produkte kreieren können, die auch zu einem hohen Preis verkaufbar sind. Unser CH -Markt ist kein Massenmarkt, er ist ein Leader -Markt , den man nur halten kann, wenn eben in Brain investiert wird. Kaderschmieden sind zu unterhalten nicht Know How Verschlepper. Aber beruhigt euch, in 100 Jahren kann jeder das kostenlos holen was er braucht. Denn niemand kann etwas ins Grab nehmen.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Die Abschottung würde die CH unter das Niveau der Nachbarländer drücken. Wie Klarsicht schreibt, ist die CH kein Massenmarkt. Die CH ist in ihrer Leistungsfähigkeit auch zu wenig differenziert, um mit einer Abschottung als Binnenmarkt überleben zu können. Die CH steht in unumstösslichen Abhängigkeiten. Aber es ist natürlich schmerzlich anzuerkennen, dass die CH in einem goldenen Käfig lebt.
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