Wenn Jagd auf Elfenbein Sinn macht

Die Lust am Exotischen ist ungebrochen: Der Zoll beschlagnahmt nach wie vor seltene Tiere, die illegal in die Schweiz gebracht werden. Allerdings kann die Bejagung und der Handel dieser Arten auch helfen, sie vor dem Aussterben zu schützen.

Ein Zollschild, davor ein totes, kleines Krokodil und Schlangenhaut.

Bildlegende: Trotz Verbot für gewilderte Tiere, nimmt der Handel mit ihnen zu. Keystone

Eine Kiste voller Elfenbeinstücke, beschlagnahmt am Flughafen. Jetzt steht sie im Naturhistorischen Museum in Bern. Mathias Lörtscher ist beim Bundesamt für Veterinärwesen zuständig für den Artenschutz. Er zeigt auf die zersägten Stosszähne. «Die sollten über die Schweiz nach China geschickt werden, versteckt in Kisten mit Kampfer, um die Schnüffelhunde abzuschrecken.»

Aktiv gegen Wildtierhandel

Genützt hat es nichts. Der Zoll hat die Lieferung abgefangen, so wie auch das aufgerollte Schlangenleder nebenan und die bunten Schals aus der Wolle der seltenen Tibetantilopen. Die Schweiz ist aktiv beim Versuch, den illegalen Handel mit gewilderten Tieren unter Kontrolle zu bringen. Das bestätigt auch die zuständige Fachfrau bei Interpol, Ioana Botezatu. Die Schweiz sei Weltmeister in diesem Bereich und arbeite eng mit den anderen Ländern zusammen, sagt sie.

Mit Mass «nutzen» statt Totalverbot

Doch trotz der Verbote ist das Problem mit den gewilderten Tieren weltweit gesehen schlimmer geworden. Was kann man dagegen tun? Lörtscher vom Bundesamt für Veterinärwesen plädiert für ein radikales Umdenken. Man solle diese Tierarten gezielt und mit Mass nutzen, statt sie total zu schützen. Das sei zum Beispiel bei Schlangenleder oder Krokodilhaut aus kontrollierter Jagd bereits der Fall: «Wenn der Handel nachhaltig ist und die Arten damit gefördert werden können, so schützt man eine Art, wenn man so ein Produkt kauft.»

«  Dadurch, dass diese Länder am Handel interessiert sind, ist auch Nachhaltigkeit wichtig für sie, um die Populationen und Lebensräume zu schützen. »

Mathias Lörtscher
Bundesamt für Veterinärwesen

Ähnlich wie bei den Steinböcken, die in der Schweiz ausgerottet und erst später wieder angesiedelt wurden, wäre eine Bejagung mit Mass auch bei Elefanten in Afrika durchaus möglich, sagt Lörtscher. In Ländern wie etwa Südafrika, Botswana oder Namibia, wo die Elefanten gut geschützt seien, wäre das eine Option. «Dadurch dass diese Länder am Handel interessiert sind, ist auch Nachhaltigkeit wichtig für sie, um die Populationen und Lebensräume zu schützen.»

Vogelspinnen sind einzeln in Plastiktüten abgepackt.

Bildlegende: Illegal gehandelte Tiere sterben oft auf den Transporten, wie diese Vogelspinnen. Keystone

Allerdings ist das in der Praxis schwierig umzusetzen. Wie weiss ich, ob ein Paar Schlangenlederschuhe unbedenklich ist, oder ob es von einer seltenen gewilderten Tierart stammt? «Das ist nicht nur für die Konsumenten komplex, sondern auch für uns», sagt Lörtscher.

Er verweist auf die Zusammenarbeit mit dem WWF und auf gemeinsame Informationsplattformen. Sie sollen es den Kunden ermöglichen, künftig gut informiert und ohne schlechtes Gewissen auch Produkte von wild lebenden Tieren zu kaufen.