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Wer fit ist, zahlt weniger Helsana-App gerät unter Beschuss

Legende: Audio Punkte sammeln bei der Krankenkasse abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
03:25 min, aus Rendez-vous vom 03.11.2017.
  • Das Bundesamt für Gesundheit und der Eidgenössische Datenschützer nehmen den Krankenversicherer Helsana in die Mangel.
  • Grund ist die Gesundheits-App von Helsana mit dem Namen «Helsana Plus». Damit können Kunden Punkte sammeln und Prämienrabatte bekommen.
  • Umstritten ist, ob dies in der Grundversicherung überhaupt erlaubt ist.

Verschiedene Krankenkassen bieten Kunden Apps an. Mit solchen Apps können Versicherte ihre sportlichen Aktivitäten messen. Eigentlich sind es Bonusprogramme: Je mehr sich jemand bewegt, desto mehr Rabatte, Goodies oder gar Geld erhält er oder sie.

Die Krankenkasse Helsana liegt nun aber wegen ihrer App «Helsana Plus» gleich mit zwei Bundesstellen im Streit. Der Grund: Die Helsana spricht mit ihrer App nicht nur Zusatzversicherte an, sondern auch Grundversicherte.

Nun hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) interveniert. Sprechern Katrin Holenstein sagt:

Das BAG hat bisher kein grünes Licht für ein solches Programm gegeben. Wir prüfen derzeit, ob dieses Angebot im Rahmen der Grundversicherung zulässig ist.
Autor: Katrin HolensteinSprecherin des Bundesamtes für Gesundheit

In der Grundversicherung müssten die Krankenkassen jene Prämien anwenden, die vom BAG genehmigt worden seien, und zwar für alle Versicherten, präzisiert Holenstein: «Gesetzlich nicht vorgesehene Prämienrabbate oder -rückerstattungen sind also gar nicht zulässig.»

Die Helsana ist die erste Krankenversicherung, die mit ihrem Bonusprogramm nicht nur Zusatzversicherte, sondern explizit auch Grundversicherte anspricht: Mit der App können Grundversicherte mit gesundem Verhalten pro Jahr bis zu 7500 Punkte sammeln, Zusatzversicherte bis zu 30'000 Punkte. Für 30'000 Punkte gibt es 300 Franken.

Helsana weist Vorwürfe zurück

Bei der Helsana wehrt sich Pressesprecher Stefan Heini dagegen, dass man ein unzulässiges Programm lanciert habe:

Wir sind der Auffassung, dass wir für ‹Helsana Plus› keine Bewilligung des BAG benötigen.
Autor: Stefan HeiniMediensprecher von Helsana

Ausserdem habe man das BAG vor der Lancierung des Projektes informiert: «Das BAG hat dann aber seine Vorbehalte erst am 6. Oktober 2017 mitgeteilt, also zwei Wochen nach der Lancierung des Programms.»

Auch der Datenschützer interveniert

Allerdings hat Helsana nicht nur mit dem BAG Scherereien wegen des neuen App-Angebots. Auch der Eidgenössische Datenschützer untersucht das Bonusprogramm der Helsana – wenn auch aus anderen Gründen:
Silvia Böhlen vom Amt des Datenschützers erklärt:

Beim Bonus-Programm der Helsana haben wir Hinweise darauf, dass auch Daten aus der Grundversicherung bearbeitet werden. Dies wäre unserer Ansicht nach unzulässig.
Autor: Silvia BöhlenEidgenössischer Datenschutz

Unzulässig, weil Gesundheitsdaten als sehr sensible Daten gelten und deshalb im Datenschutzgesetz als besonders schützenswert eingestuft werden.

Konsumentenschutz teilt Bedenken

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz ist Geschäftsführerin Sara Stalder froh darüber, dass der Datenschützer bei den Krankenkassen-Apps erstmals genauer hinschaut. Denn man müsse sich bewusst sein, dass die meisten Versicherer Grund- und Zusatzversicherungen aus einer Hand anböten.

Daraus könnten den Versicherten gravierende Nachteile entstehen: «Wir befürchten und haben Anzeichen dafür, dass immer wieder Daten der Grund- und Zusatzversicherung vermischt werden», sagt die Konsumentenschützerin. Damit wären Rückschlusse von der Grundversicherung auf die Zusatzversicherung möglich – und umgekehrt.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Hubatka (Michael Hubatka)
    Ich frage mich: wie lange dauert es, bis ein findiger Hacker die App zu seinen Gunsten manipuliert und so der KK vorgibt sportlich aktiv zu sein, nur um vom Bonus-System zu profitieren. Das einzige was ich i.O. finde ist wenn die KK etwas ans Fitnessabo bezahlt... alles andere ist nur äusserst schwer zu überprüfen.
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  • Kommentar von Tobi Hartmann (Tobias Hartmann)
    Diese Tendenz muss unbeding unterbunden werden. Wenn es zum Normalfall wird dass man nur noch zahlbare Prämien hat wenn man unter totaler Kontrolle der KK steht, dann ist das nicht nur ein Eingriff in die Privatsphäre sondern es macht das ganze System der KK zunichte – wer nicht fit genug ist wird diskreditiert. Wir stehen am Rande der totalen Bevölkerungskontrolle, von allen Seiten werden Daten über uns abgegriffen und abgeglichen.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    .... wenn ein produkt gratis ist, dann sind die nutzerInennen das produkt. auch die vor allem bei männern beliebte monitorisierung und aufzeichnung aller körperlichen funktionen.....die daten in einem remote-control gerät, wohin gehen die, denken sie mal nach? datengierig sind, versicherungen, sind kreditinstitute, sind der staat.....und viele, viele mehr....
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