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Schweiz Wer zahlt, wenn Mühleberg mehr kostet?

800 Millionen Franken soll der Rückbau des AKW Mühleberg kosten. Das sagt die Betreiberfirma BKW. Erfahrungen aus Deutschland zeigen aber, dass die Kosten bisher zu tief angesetzt worden sind.

Ein Mann zerlegt etwas an einem Atomkraftwerk.
Legende: Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass Rückbaukosten bisher zu tief angelegt worden sind. (Im Bild Greifswald/Lubmin) Keystone

Der Abbruch alter Atomkraftwerke ist eine ziemlich aufwändige und langwierige Sache. Wie viel das am Ende kostet, darüber sind sich die Experten derzeit nicht einig. Das sagt der Direktor des Bundesamtes für Energie, Walter Steinmann. «Einige gehen davon aus, dass es immer günstiger wird, je mehr Kernkraftwerke man stilllegt, weil die gesammelten Erfahrungen helfen. Andere glauben, dass die Regulierungen bezüglich Sicherheit eher zunehmen werden und es deshalb nicht billiger wird.»

Kosten erfahrungsgemäss zu tief angesetzt

Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass die Kosten für den Abbruch bisher zu tief angesetzt worden sind. Vor vier Jahren mussten die Berechnungen für Mühleberg deshalb nach oben angepasst werden: Um 28 Prozent stiegen die Kostenprognosen für den Nachbetrieb und um 11 Prozent für den eigentlichen Abriss der Anlage.

Zuerst zahlen wohl die Stromkunden, wenn den AKW-Betreibern das Geld ausgeht.
Autor: Walter SteinmannBFE-Direktor

Die wirtschaftliche Lage auf dem Strommarkt ist derzeit sehr schwierig. Die Grossen der Branche waren noch vor wenigen Jahren eigentliche Geldmaschinen für die Kantonskassen. Heute gelten sie als Sorgenkinder. Wer zahlt, wenn ihnen das Geld ausgeht? «Zuerst wohl die Stromkunden», sagt BFE-Direktor Walter Steinmann. Und: «Die BKW muss den Strompreis so ansetzen, dass Reserven für die Stilllegung und die spätere Entsorgung des AKWs vorhanden sind.»

Bund zahlt erst ganz am Schluss

Via Stromrechnung zahlen die Kunden also mit. Haftbar für die die finanziellen Risiken der Stilllegung wie auch der anschliessenden Tiefenlagerung sind aber die grossen Betreiberfirmen. Falls eine davon zahlungsunfähig wird, müssen die anderen gemäss Kernenergiegesetz solidarisch einspringen. Und nur falls auch das nicht mehr möglich sein sollte, muss die Öffentlichkeit via Kantons- und Bundeskasse direkt bezahlen. «Ganz am Schluss könnte allenfalls auch der Bund zum Handkuss kommen. Aber das ist gemäss Kernenergiegesetz die letzte Instanz», sagt Steinmann.

Die Hälfte der Stilllegungskosten ist bereits gedeckt.
Autor: Suzanne ThomaCEO der BKW-Gruppe

Soweit wird es nicht kommen, ist die Chefin des Energiekonzerns BKW, Suzanne Thoma, überzeugt. Die 800 Millionen Franken für den Rückbau seien für ihr Unternehmen tragbar. «Das ist natürlich sehr viel Geld. Aber man muss es in das Verhältnis zur Leistungskraft eines Unternehmens wie der BKW setzen. Die BKW konnte 2014 einen Gewinn von 350 Millionen Franken anmelden.» Zudem sei die Hälfte der Stilllegungkosten durch die bisherigen Einzahlungen in den Stilllegungsfonds bereits gedeckt, sagt Thoma.

Ob die heutigen Kostenprognosen in etwa stimmen, wird sich erst viel später zeigen. Frühestens in zwanzig Jahren wird das Kernkraftwerk Mühleberg ganz abgebrochen sein. Schon im nächsten Jahr aber, wird das Bundesamt für Energie die Kostenstudie überarbeiten – wiederum mit Blick auf die Erfahrungen in Deutschland.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von U. Krasser, Hagendorn
    Wer soll zahlen? Alle diejenigen, welche seit über 40 Jahren stur und uneinsichtig auf die Atom-Energie setzen. Denn es ist genauso lange bekannt, dass die Risiken der Atomenergie für die Menschheit zu hoch sind, und dass niemand gewillt - geschweige denn im Stande ist - radioaktive Abfälle sicher über Tausende von Jahren zu lagern. Und die Kosten für diesen Rückbau werden immer zu tief angesetzt sein - wieder eine Masche mehr, um alles zu verharmlosen...
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    1. Antwort von m.fischbacher, bern
      Dann müssen sie sicher nichts Bezahlen, da ja bei ihnen der Strom aus der Steckdose kommt, oder wie? Klar ist Atomstrom keine saubere Sache, aber durch die ständig wachsende Bevölkerung weltweit werden wir nie auf Atomstrom verzichten können! Elektrofahrzeuge würden auch erst dann interessant, wenn sie durch ihren eigenen Fahrtwind Angetrieben werden könnten, das wird aber wahrscheinlich so, nie funktionieren - leider!
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    2. Antwort von Haller Hans, im Ausland
      Also bei Mühleberg wird es wohl schon dahin hinauslaufen, dass die bisherigen Rückstellungen nicht ausreichen werden. Immerhin soll das AKW ja nun früher als geplant stillgelegt werden. Somit könnte es dahin hinauslaufen, dass noch nicht genügend Rückstellungen getätigt wurden. Und mit einfach nur Rückstellungen verbuchen ist es ja logischerweise auch nicht gemacht. - Also da kommt noch was....!
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  • Kommentar von Beat Schärer, Engading
    Vielleicht sollte die Frage anders gestellt werden: Wer kassiert, wenn Mühleberg mehr kostet?
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  • Kommentar von J.Baltensperger, Zürich
    Die Rückbaukosten waren in Deutschland um ein Vielfaches höher als budgetiert. Das wird bei uns nicht anders sein. Würde man diese Kosten - wie bei jedem anderen Unternehmen auch - auf den Preis draufschlagen zusammen mit der vom Bund gratis zur Verfügung gestellten Staatsgarantie bei Unfällen (ab 4 Mia. Schaden) wäre Atomstrom teurer als alternative Energien. Auch deswegen ist Atomstrom ein Auslaufmodell. Schade um das viele Geld, das hier nicht zukunftsorientiert verpulvert wurde...
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