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Arbeit statt Sozialhilfe Weshalb ist die Erwerbsquote bei Flüchtlingen so tief?

Flüchtlinge haben auf dem Arbeitsmarkt oft mehr Hürden zu nehmen als Schweizer oder gut integrierte Ausländer. Eine Auslegeordnung in sechs Schritten.

Legende: Video Skos fordert bessere Integration von Flüchtlingen in Arbeitsmarkt abspielen. Laufzeit 01:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.01.2017.

Die Zahlen: Die durchschnittliche Erwerbsquote in der Schweiz betrug 2014 fast 69 Prozent. Im Asylbereich hat das Staatssekretariat für Migration (SEM) die Zahlen ebenfalls für das Jahr 2014 erhoben: Nach 10 Jahren Aufenthalt in der Schweiz liegt die Erwerbsquote von anerkannten Flüchtlingen bei 48 Prozent, bei vorläufig aufgenommenen Personen bei 25 Prozent.

Die Sprache als Hürde: Wer die Sprache nicht beherrscht, findet kaum Arbeit. Und ohne Arbeit lerne man nicht recht Deutsch, ist Integrationsexperte Claudio Spadarotto überzeugt: «Eine Sprache lernt man nicht ausschliesslich im Sprachkurs. Es braucht Bereiche, wo man die erworbenen Sprachkenntnisse auch anwenden und weiterentwickeln kann.»

Deshalb sei die Forderung, den Spracherwerb mit einer Tätigkeit zu kombinieren, weit verbreitet. «Diese Kombination zeigt tatsächlich auch die besten Ergebnisse.»

Flüchtlinge beim Unterricht im Bundesasylzentrum Glaubenberg.
Legende: Flüchtlinge beim Deutschunterricht: Die Sprache als Qualifikation ist besonders wichtig für Arbeitssuchende. Reuters

Die Qualifikation als Hürde: Wer den Arbeitsmarkt nicht kennt, kann sich nicht qualifizieren. Sind also Schnupperlehren die Lösungen? Spadarotto empfiehlt, noch einen Schritt weiter zurückzugehen, nämlich «Potenzialabklärungen, um die berufliche Integration auch zielstrebig in Angriff nehmen zu können.» Damit könnten Fragen beantwortet werden wie: Was hat jemand bisher gemacht? Über welche Kompetenzen verfügt jemand?

«Die Betroffenen selber müssen wissen, ob ihre Vorstellungen von einem bestimmten Beruf auch in der Schweiz zutreffend sind», sagt der Experte. Wichtig wären hier sogenannte Berufserkundungen, wo Betroffene die beruflichen Realitäten eins zu eins kennenlernen können.

Diplome als Hürde: Wer keine Papiere zur Ausbildung oder ein Arbeitszeugnis vorweisen kann, wird kaum eingestellt. Beim Bund gibt es dazu die Idee einer «Flüchtlingsvorlehre». Die Vorlehre als Instrument in der allgemeinen Berufsbildung ist in der Schweiz schon lange etabliert. Und «sie erweist sich als ein sehr wirkungsvolles Instrument», hält Spadarotta fest. «Es ist ein ganz wichtiger Schritt, ein solches Brückenangebot für Personen mit Migrationshintergrund anzubieten.»

Dieses Projekt wird aber erst ab 2018 laufen. Ein Wermutstropfen für Spadarotto: «Die Nachfrage für diese Vorlehren ist viel grösser als das Angebot. Im Verlaufe des dreijährigen Pilotprojektes sollen lediglich 4000 Personen in Genuss einer Flüchtlingsvorlehre kommen.»

Der Status als Hürde: Wer einen «unsicheren» Status hat, trifft auf Barrieren. Verwirrung stiftet zum Beispiel auf Seiten der Unternehmen immer noch der Status «vorläufig aufgenommen». Viele denken – auch wenn das nicht der Realität entspricht – dass Betroffene die Schweiz jederzeit verlassen könnten. Auch ist es für Arbeitgeber heute administrativ einfacher, jemanden aus dem europäischen Ausland einzustellen als einen Flüchtling.

Die Rechnung: Eine bessere Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt kostet Geld. Die Skos rechnet vor: Erfahrungswerte zeigen, dass intensive Qualifizierungsprogramme wie Integrationsvorlehren und ähnliche Angebote durchschnittlich pro Person und Jahr etwa 20‘000 Franken kosten. Geht man von einem mittelfristigen Bedarf von 5000 Plätzen pro Jahr aus, ergibt dies einen Aufwand von 100 Millionen Franken jährlich. Zum Vergleich: Die Asylausgaben des Bundes beliefen sich für das Jahr 2015 auf 1,27 Milliarden Franken.

Die bisherige Integrationspauschale von rund 6000 Franken pro Person, welche der Bund den Kantonen entrichtet, ist wesentlich tiefer als die veranschlagten 20'000 Franken. Eine Person pro Jahr in der Sozialhilfe kostet aber rund 25'000 Franken. Wenn dank den Qualifizierungsmassnahmen die Abhängigkeit von Sozialhilfe von Personen aus dem Asylbereich durchschnittlich um ein Jahr reduziert werden kann, wären die anfallenden Zusatzkosten bereits gedeckt.

Arbeit statt Sozialhilfe

Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sollen vermehrt arbeiten, statt Sozialhilfe zu beziehen. Dies fordert die Schweiz. Konferenz für Sozialhilfe (Skos). Dafür brauche es grössere Anstrengungen als bis anhin, vor allem im Bereich Berufsbildung. Die bisher beschlossenen Massnahmen seien unzureichend, es drohten rasant steigende Sozialhilfekosten.

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29 Kommentare

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  • Kommentar von S. Meier (SM)
    "Weshalb ist die Erwerbsquote bei Flüchtlingen so tief?" Weil es immer weniger Einkommensplätze im herkömmlichen Sinn für alle Menschen gibt. Industrielle Revolution 4.0!
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Es gibt noch andere Gründe, warum praktisch alle "Flüchtling" jahrelang (sprich dauernd) von der Sozialfürsorge leben: Neben dem Hauptgrund, die Sprache nicht zu kennen und zu sprechen, sind die fehlenden *unqualifizierten" Stellen bei uns (die über 50% Ausländer, die in der ALV Kunden sind, verloren genau deswegen ihre Arbeit!). Dazu kommt die Mentalität der Leute aus völlig fremden Kulturen! Jeden Tag um 7 Uhr auf der Arbeit zu sein, kennen diese Leute nicht! Darum werden keine angestellt!
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    1. Antwort von Beat Gurzeler (B.Gurzeler)
      Herr Bolliger habe vor Jahrzehnten in Lyss gelebt, Ihrer Aussage ist nichts beizufügen ausser das die meisten Leute in einer ganz andern Kultur aufgewachsen sind, das sagt alles aus.
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    2. Antwort von Kurt Meier (Kurt3)
      Ach Herr Bolliger , nach Ihrer Theorie haben Leute , die unsere Sprache nicht kennen Ihren Job verloren ? Das würde ja heißen , die Leute wurden ja einmal angestellt , sonst können Sie ihren Job nicht verlieren ? Ihnen kann man ja auch nichts wegnehmen ,dass Sie nie gehabt haben , zum es mal volkstümlich auszudrücken .
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Sind diese Flüchtlinge nicht alle über sichere Drittstaaten zu uns eingewandert? Was ist mit dem Schengenabkommen? Kriegsflüchtling brauchen vorläufigen Schutz. Alle anderen müssten eigentlich zurück geführt werden. Wenn unser Sozialsystem mehr als 10 Jahren zahlt ohne Gegenleistung zu fordern ist das ein Fass ohne Boden. Nichts tun bis zur Pensionierung? Der Wermutstropfen ist, das Asylwesen ist zu large. Die Kosten werden immer mehr explodieren.
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