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Westschweizer baute Bombe Vom aggressiven Teenager zum radikalen Islamisten

Legende: Video Wer ist der Terror-Verdächtige? abspielen. Laufzeit 6:37 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.03.2018.

Der Westschweizer mit bosnischen Wurzeln wohnte im vergangenen Sommer in St. Aubin (NE), zusammen mit der Kolumbianerin, mit der er verheiratet ist.

Im August hat er einen Sprengsatz aus Schwarzpulver hergestellt – offenbar nach einer Bauanleitung der Terrororganisation IS. Dies gab er gemäss Justizakten zu, in welche die Sendung «10vor10» Einblick hatte. Als er das Konstrukt im Freien testete, erwies sich die Wirkung aber als relativ gering. Zu seiner Frau sagte er damals gemäss Akten, dass er wohl nicht das vorgegebene Material verwendet habe.

«Es war nur Spass»

Seine Partnerin hatte der Sendung «10vor10» Mitte Februar ein Interview gegeben, als sie noch in der Schweiz in Untersuchungshaft sass. Damals mit dem Vorwurf gegen ihren Partner konfrontiert, sagte sie: «Von einem Freund hatte er Feuerwerkskörper, das haben wir zuhause aufbewahrt. Eines Tages hat er zu mir gesagt: 'Ich geh raus, um zu Üben. Ich will, dass das eine grosse Explosion gibt.'» Er habe aber keine Bombe bauen wollen, das sei nur zum Spass gewesen, so die Frau. Die Anwälte des Mannes wollten gegenüber SRF keine Fragen beantworten.

Legende: Video Terrorverdächtige planten Anschläge in der Schweiz abspielen. Laufzeit 4:52 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.02.2018.

Recherchen zeigen, dass das Vorhaben aber wohl konkreter war, als die Frau glauben machen will. Der Mann zeigte sich nach dem Test des Sprengsatzes enttäuscht von einer scheinbar nur kleinen Explosion. Im Internet suchte er darauf einen Lieferanten für mehr Schwarzpulver. Und nach Chemikalien, die sich zum Bombenbau eignen. Auch das geht aus Akten hervor.

Anschlagsziele in der Schweiz und Frankreich

Ob er danach weitere Sprengsätze konstruiert hat, bleibt offen. Ebenso die Frage, wo und wie er sie allenfalls hätte einsetzen wollen. Anschlagsziele hat er gemäss den Ermittlungen offenbar mehrere erwogen, sowohl in Frankreich zusammen mit dortigen angeblichen Komplizen als auch in der Schweiz zusammen mit seiner Partnerin.

Hier haben die beiden über Angriffe auf das Schweizer Schienennetz gesprochen. Dabei war die Rede von Nachtzügen, um Party-Gänger zu treffen, die sie als Ungläubige betrachteten. Oder einen Westschweizer Nachtklub während einem Homosexuellen-Abend. Die Kolumbianerin hat diese Diskussionen bestätigt, allerdings als Geschwätz abgetan.

Anschläge auf Bahn und Nachtclub geplant

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  • Am 7. November 2017 hatten Spezialeinheiten in Frankreich und in der Schweiz zehn Personen verhaftet. Darunter auch die 23-jährige Kolumbianerin und ihr Partner – ein Schweizer bosnischer Herkunft, der angebliche Kopf der Bande.
  • Die beiden Konvertiten pflegten über soziale Medien Kontakte mit dem «Islamischen Staat» und sprachen in ihrer Westschweizer Wohnung immer wieder über die Möglichkeit, Terroranschläge in der Schweiz auszuüben.
  • Die Ermittler waren damals auf «beunruhigende Bemerkungen» in verschlüsselten Chats aufmerksam geworden.
  • Laut der Kolumbianerin ging es nicht nur um Anschläge in Frankreich, sondern auch in der Schweiz. Konkret sollten Züge zum Entgleisen gebracht oder ein Nachtclub attackiert werden. Auch Anschläge auf christliche Kirchen wurden diskutiert.

Gegen den Schweizer und die Kolumbianerin läuft ein Strafverfahren der Bundesanwaltschaft (BA), der Mann sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft, wo ebenfalls ein Strafverfahren gegen ihn läuft. Seine Anwälte wollten die Vorwürfe gegenüber SRF nicht kommentieren. Offenbar bestreitet der Schweizer, Terroranschläge vorbereitet zu haben – das seien alles nur Spielereien gewesen.

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