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Schweiz Wie aus patriotischen Städtern moderne Bergsportler wurden

Der Schweizerische Alpenclub (SAC) feiert einen runden Geburtstag. 1863 wurde er im Bahnhof Olten von Männern aus dem Unterland gegründet. Frauen und Bergler waren lange untervertreten. Noch heute bewegt dies den SAC.

Wir schreiben den 19. April 1863. 35 Männer treffen sich im Bahnhofsgebäude Olten. Sie reisten an aus Aarau, Basel, Bern, Buochs, Glarus, Luzern, Olten, St. Gallen und Zürich. Ihr Ziel: Die Gründung einer schweizerischen Bergsteigervereinigung. Und tatsächlich wurde der 19. April zum Gründungsdatum des Schweizerischen Alpenclubs, des SAC.

Damals wie heute war es das Ziel des SAC, Menschen und die Bergwelt zu verbinden. Er organisiert Touren und Kurse, errichtet und unterhält mittlerweile 152 Clubhütten. Und er setzt sich für eine nachhaltige Nutzung der Berge ein – unter dem Motto «Nützen und Schützen».

Aus 35 Mitglieder wurden 140'000

Heute ein breiter und moderner Sportverband auch für Jugendlich und Kinder, waren bei der Gründung 1863 noch sehr patriotische Töne zu hören: Man gründete den SAC als einheimische, «bessere» Alternative zu den britischen und österreichischen Alpenvereinen. Man war an der Kartografierung der Alpen interessiert und verantwortlich dafür, dass die Dufourspitze ihren heutigen Namen erhielt.

Die 150jährige Geschichte des SAC ist eine Erfolgsgeschichte. Schon am Ende des Gründungsjahrs zählte der der Club 358 Mitglieder – um 1900 waren es bereits 6000 und heute sind es 140‘000. Damals wie heute ist der SAC dezentral organisiert. Die einzelnen Sektionen sind eigenständige Vereine. Von 7 Sektionen Ende 1863 wuchs die SAC-Familie auf 112 im Jubiläumsjahr 2013 an.

Schon 1863 fällt auf: Der Alpenclub wird von «Unterländern» gegründet. Der Initiant war Rudolf Theodor Simler, ein Zürcher und Dozent für Chemie und Geologie an der Universität Bern. Ein Städter und Akademiker. Auch heute sind viele SAC-Sektionen im Flachland angesiedelt.

«Nützen und Schützen» sorgt für Diskussionen

SAC-Sektionen in Bergtälern wurden teils erst deutlich später gegründet – so etwa die Sektion Grindelwald, die 1907 entstand. Untypisch für diese Sektion war, dass bei der Gründung bereits fünf Bergführer im Vorstand waren, wie Walter Egger, langjähriger Präsident der SAC-Sektion Grindelwald zu SRF News Online sagt. Ungewöhnlich, weil viele SAC-Berggänger eben aus dem Unterland kamen und nicht wenige davon Akademiker waren.

Auch heute ist der Unterschied zwischen Berg- und Talsektionen noch ein Thema, wie Egger bestätigt. Zwar gilt für alle das Motto «Nützen und Schützen» – doch gibt es verschiedene Perspektiven: «Wir leben auch von und in den Bergen», so Egger. Daher gebe es manchmal grosse Diskussionen um den Naturschutz. Ob Entsorgung von Fäkalien von SAC-Hütten oder Helikopterlanderechte in der Höhe – nicht immer sei man sich innerhalb des Alpenclubs einig.

Frauen waren lange nicht erwünscht

Ein weiteres Thema, das den SAC beschäftigt, ist die Geschlechterfrage. Nicht immer war es Frauen erlaubt, beim Alpenclub mitzumachen. Bei der Gründung 1863 wurde das Thema zwar ausgeklammert – einige Sektionen kannten Frauenmitgliedschaften – doch vielen Männern war dies ein Dorn im Auge.

1907 wurden das weibliche Geschlecht dann aktiv ausgeschlossen. Eine ursprünglich zugunsten der Frauen geplante Statutenänderung wurde abgelehnt. Laut Caroline Fink, Mitautorin des SAC-Jubiläumsbuchs zum 150jährigen-Geburtstag, war die Frauen-Frage im SAC auch ein Spiegel gesellschaftlicher Diskussionen. 

Helden waren männlich

Das Bergsteigen war lange von einem Heldenepos geprägt, wie Fink sagt: «Frauen kletterten zwar durchaus schwierige Routen. Dies hatte zur Folge, dass Männer diese Routen teils gar nicht mehr klettern wollten.» Nicht etwa aus Respekt – sondern weil die Routen durch die Frauen-Begehung nicht mehr als schwierig erachtet wurden.

1918 wurde der Schweizerische Frauen-Alpenclub gegründet. Frauen erkundeten weiterhin die Berge. Und später, 1980, fusionierte der Frauen-Alpenclub dann wieder mit dem SAC. 

Noch heute ist Geschlechterfrage im SAC präsent. Ein Drittel der Mitglieder sind weiblich, über 40 Prozent aller Neueintritte sind Frauen. Doch: «In hierarchisch höher gestellten Positionen – wie etwa bei den Tourenchefs – sind die Frauen immer noch untervertreten», so Fink. Sie hofft aber, dass es in 50 Jahren zum 200-Jahr-Geburtstag des SAC kein Frauenkapitel im Jubiläumsbuch mehr braucht.

Top-Ten-Hütten des SAC nach Übernachtungen 2012

HütteSektionÜbernachtungen 2012
Monte RosaMonte Rosa8227
DixMonte Rosa7965
BritanniaGenevoise6861
KonkordiaGrindelwald6720
LämmerenAngenstein6436
VignettesMonte Rosa5949
FinsteraarhornOberhasli5636
TrientDiablerets5538
TerriPiz Terri5138
TracuitChaussy5103

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Elmar Hutter, Bad Ragaz
    Was ist falsch an Patriotismus und Heidiland?
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  • Kommentar von Rainer Fauser, Augsburg
    Wozu eigentlich mit von Städtern erbauten Berghütten die Natur verschandeln? Wozu eigentlich Luxusberghütten in entlegenen Landschaften als Zwischenquartier auf der Quälerei zum Gipfel? Kann man denn den Städtern nicht zumuten, im Freien zu übernachten, oder im Zelt? Wozu eigentlich braucht es die Erschliessung der Berge? Um noch mehr Menschen nach oben zu importieren, wider der Natur? Ach ja, die Natur sollte untertänig sein! Genau aus diesen Gründen meide ich Hütten und Alpenclubs!
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    1. Antwort von Sven Hellman, Bern
      Kein Kommentar zu diesem Beitrag... Ich bin nicht Mitglied des SAC, trotzdem: Herr Fauser, haben Sie irgendwo eine "Luxus"-Berghütte gesehen? Bleiben Sie zu Hause und ärgern Sie sich stillschweigend. Ärgern Sie sich lieber über das überall hingeworfene Papier und die Zigarettenkippen anderes weggeworfenes Zeug!
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    2. Antwort von Rainer Fauser, Augsburg
      @Hellman Nicht nur hier im Flachland schmeissen die Leute ihren Müll in die Natur, sondern auch bei den Berghütten und drum herum ist Abfall zu Hauf zu besichtigen! Was habe ich da schon eingesammelt und ins Tal gebracht! Plastiktüten, Aludosen, Glasflaschen und -splitter, Textilien, Zigarettenkippen und allerhand! Gäbe es die Berghütten nicht, wäre der Mülltourismus kein Problem. Und je komfortabler die Hütten, desto mehr Müll. Ja? Verstehen Sie den Zusammenhang?
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  • Kommentar von Alex Bauert, Köniz
    Und noch was ist wichtig: Alpinismus war lange Zeit kaum patriotisch besetzt. Es waren Engländer, die damit angefangen haben, in diese kargen Höhen zu steigen und sie romantisch umzudeuten. Der «CH-Alpen-Patriotismus» kam erst später. Zu lange waren die Berge Müh und Elend, harte Arbeit an steilen Hängen. Die Verkehrung ins «Heidiland» wurde zudem von aussen an die Schweiz heran getragen. Seltsame (Selbst)Darstellung der Geschichte des SAC. Quellen?
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