Zum Inhalt springen

Schweiz Wie das Ja zur SVP-Initiative auch die EU-Befürworter beflügelt

Nicht nur die EU-Gegner sind seit dem 9. Februar im Aufwind, auch die Europa-Befürworter haben neuen Zulauf. Die Neue Europäische Bewegung Schweiz (Nebs) etwa – fast schon tot geglaubt – meldet sich zurück. Sie hält den Zeitpunkt für eine offenere Europadiskussion gekommen.

Europaballone hängen an einem Gebäude der Pädagogischen Hochschule in Bern. Drinnen im Hörsaal Nummer 4 debattieren 200 Mitglieder der Neuen Europäischen Bewegung Schweiz (Nebs) über die Europapolitik.

Das Ja zur SVP-Initiative über Masseneinwanderung hat eine Schockwelle ausgelöst – und der Nebs neues Leben eingehaucht. Seither hat die Bewegung 250 Mitglieder gewonnen.

Nebs-Tagung in Bern: Eine Europa- und eine Schweizer Flagge nebeneinander.
Legende: Nebs-Tagung in Bern: «Heute sind wir so weit, dass wir stören müssen.» Keystone

«Vernünftige Kräfte zusammenziehen»

Die Europa-Diskussion soll wieder unter die Leute gebracht werden, so die Losung des frisch gewählten Co-Präsidenten, SP-Nationalrat Martin Naef. «Die Isolation ist keine Option für die Zukunft unseres Landes. Sie kann es nicht sein», warnt er. «Deshalb müssen nun alle vernünftigen Kräfte zusammenstehen, um das Schicksal unseres Landes für die Zukunft unserer Kinder positiv zu beeinflussen.»

Wie einsame Rufer in der Wüste stehen die Nebs-Mitglieder für einen EU-Beitritt ein. Es sei ihm bewusst, dass ein Beitritt im Volk momentan keine Mehrheit fände, sagt der 22-jährige Nebs-Vizepräsident Sebastian von Graffenried. «Trotzdem muss man das kleine Feuer nicht auslöschen, sondern eine kleine Flamme weiterbrennen lassen», sagt er. Er wolle bereit sein, wenn sich die Option dereinst vielleicht doch einmal stelle.

Es ist die SVP, die mit ihrer Opposition gegen Brüssel die Diskussion dominiert. Von den Parteien sprechen sich nur noch SP und Grüne für einen EU-Beitritt aus. Daneben steht im Lager der Pro-Europäer nur noch die Nebs mit ihren gut 3000 Mitgliedern.

«Die Nebs hat den Mut, gegen die Mehrheit zu sein»

Eine breite Wirkung in der Öffentlichkeit kann sie nicht entfalten. Dennoch sei ihre Stimme wichtig, sagte Gastredner alt Bundesrat Moritz Leuenberger vor den Veranstaltungsgästen in Bern. «NIemand hat mehr den Mut, sich gegen die Mehrheit zu stellen. Eine Bewegung wie die Nebs hat ihn – und ich bin der Meinung, langfristig werden die Stimmbürger das belohnen.»

Und dennoch muss sich die Nebs die Frage gefallen lassen, warum sie es nicht geschafft hat, einen grösseren Einfluss zu gewinnen. Der pensionierte Diplomat Luzius Wasescha glaubt, in einer globalisierten Welt hätten immer mehr Schweizer Angst, ihre Identität zu verlieren. Eine Abschottung werde so attraktiver. Und gerade in dieser Situation sei die Nebs zu passiv gewesen, meint Wasescha selbstkritisch.

«Zehn Jahre lang waren wir tiefgekühlt, weil niemand eine Europa-Debatte wollte – das hätte gestört», sagt Waescha. «Ich glaube, heute sind wir soweit, dass wir stören müssen.» Künftig will die Nebs also im Volk eine offenere Europa-Diskussion anregen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

67 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Roger Stahn, Fraubrunnen
    Ich denke nicht, dass die pädagogische Lehrmeinung als Richtschnur für sachbezogene Politik tauglich ist, sie polarisiert unnötigerweise. Gute Politik ist kein Wunschkonzert, sondern die harte Konfrontation mit der Wirklichkeit. Wer sich die Welt nach seinen Vorstellungen zurecht biegt, ist eben kein Politiker und macht keine Politik. Die Welt ist kein Ponyhof und schon gar nicht Schwarz/Weiss, so wie es sich die EU-Befürworter im obigen Bericht einbilden wollen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andres Egli, Dietlikon
    Es ist nur zu hoffen, dass den Stimm-Abstinenzlern nicht das Selbe passiert, wie am 9.Februar! An die Urnen bitte in den kommenden wichtigen Abstimmungen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von D. Corti, Neuchâtel
    Die Westschweiz ist gegen einen EU-Beitritt sondern für den Bilateralen. Der Volk hat den Bilateralen zugestimmt. In diesem Fall ist SVP auch mit seinen Emotionalen Initiativen gegen die Stimme des Volks. Ist es wikliche eine "Schweizerische Qualität" alle Graben (Stadt-Land, Westschweiz-Deutschweiz) unser Land jedesmal zu reaktivieren? Leider sind SVP sowie NEBS dogmatisch und verhindern faktuelle Diskussion über EU und den Bilateralen. Schade. (Sorry für meinen unperfekten Deutsch).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von B. Küng, Biel/Bienne
      J'ai beaucoup apprecié votre commentaire et votre allemand est très bien. Les initiatives de l''UDC sont manipulatives et se fondent sur la peur et sur la haine contre l'Union européenne, les requérants d'asyle et contre les étrangers en général. En plus, l'UDC fait souvent preuve de peu de respect à l'égard des Suisses romands.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Auch die meisten Deutschschweizer wären nach wie vor für die Bilateralen 1, wenn es da das Wörtchen "WENN" nicht gäbe! Für die EU gibt es die Bilateralen 1 NUR mit der PFZ. NUR diesbezüglich scheiden sich da die Geister.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen