Wie kann der Solarstrom besser genutzt werden?

Die Solarenergie boomt in der Schweiz. Aber sie hat einen Haken: Im Sommer und über Mittag hat es zu viel Sonnenstrom im Netz, im Winter zu wenig. Jetzt liegt eine Idee vor, um dieses Problem zu entschärfen.

Ein riesengrosses Solardach in Neuendorf

Bildlegende: Die Einspeisevergütung für Solarstrom soll der Nachfrage angepasst werden. Keystone/Archiv


Strom nach Bedarf einspeisen

1:46 min, aus HeuteMorgen vom 03.04.2014

Wer eine kleine Solaranlage aufs Dach baut, bekommt seit dieser Woche vom Bund umgehend eine finanzielle Starthilfe, etwa ein Drittel der Investition. Und ab nächstem Monat braucht es für eine solche Anlage in den meisten Fällen gar keine Baubewilligung mehr.

Aber wenn jetzt immer mehr Hausbesitzer Solaranlagen bauen, wächst die Strom-Überproduktion zur Mittagszeit noch weiter. Dagegen müsse man etwas tun, sagt der Vizepräsident der Energiekommission des Nationalrats, Stefan Müller Altermatt (CVP): «Das Ziel ist, dass der Strom dann produziert wird, wenn wir ihn brauchen.»

Steuerung der Strommenge

Deshalb schlägt die Kommission jetzt einen finanzielle Anreiz vor: «Das erreichen wir, indem wir nicht den ganzen Tag über die gleiche Einspeiseprämie bezahlen.» Konkret: Wer am Mittag Strom einspeist, soll künftig zwei, drei Rappen weniger pro Kilowattstunde dafür erhalten. Wer am Morgen oder Abend einspeist, bekommt im Gegenzug mehr für seinen Strom. Und im Winter gibt's mehr Geld als im Sommer.

In der Branche stösst der Vorschlag auf Verständnis. Anlagen in den Bergen würden so attraktiver, sagt David Stickelberger vom Branchenverband Swissolar, denn dort scheint im Winter die Sonne öfter als im Mittelland.

Ost- und Westsolaranlagen werden lukrativ

Im Mittelland würde die Installation einer Solaranlage auch für Einfamilienhausbesitzer mit Dächern gegen Osten und Westen attraktiv. «Damit hat man das Maximum einmal morgens um zehn Uhr und nachmittags um zwei Uhr. So bricht man die mittägliche Produktionsspitze», sagt Stickelberger.

Zwar produzieren Dächer, die gegen Osten oder Westen ausgerichtet sind, 15 Prozent weniger Strom als Süddächer, aber mit der vorgeschlagenen finanziellen Regelung würden sie deutlich attraktiver als bis anhin.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Sonne soll globales Energieproblem lösen

    Aus Einstein vom 29.9.2011

    Ein Prozent der Sahara-Fläche reicht aus, um mit Solaranlagen den globalen Energie-Hunger zu stillen. Doch noch ist die Technik teuer. Das gewaltige Potential bleibt weitgehend ungenutzt. In Spaniens Süden arbeiten Forscher an Konzepten, wie die Sonnenenergie noch in diesem Jahrzehnt preislich mit konventionellen Kraftwerken gleichziehen könnte.

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    Immer mehr Hausbesitzer installieren Sonnenkollektoren auf ihren Dächern zur Gewinnung von Warmwasser. Die Kantone subventionieren diese Anschaffung. Doch wer sich die Mühe macht, Offerten einzuholen, ist schnell überfordert. Denn nur die wenigsten sind vollständig. Das Kostenrisiko ist enorm.

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