Wie Parteien Wähler binden

«Event» lautet das Schlagwort im Wahlkampf. Es werden Songs komponiert, Kabarettisten engagiert und Theater aufgeführt. Aber nützen diese Inszenierungen wirklich im Wahlkampf? Ja, sagen Polit-Experten und Kommunikationsprofis. Aber ganz einfach ist die Sache nicht.

Drei Alphornbläser auf dem Berg.

Bildlegende: Mit der Basis gewinnt man Wahlen, deshalb wollen Parteien sie verwöhnen: mit Theater, Komödien, oder Konzerten. Keystone

Früher war die Partei des Vaters auch die des Sohnes, erinnert sich der ehemalige Generalsekretär der CVP Schweiz, Iwan Rickenbacher. In den Augen des Kommunikationsberaters fehlt diese emotionale Bindung heute weitgehend: «Mit Events, Festen und Symbolen versuchen die Parteien etwas von dieser emotionalen Bindung wieder herzustellen.» Die Parteien versuchten, ihren Mitgliedern so gute Erfahrungen zu vermitteln und damit auch die Bindung über die Jahre zu festigen.

Die Parteibasis verwöhnen

Bei Wahlen bringe man weniger Menschen an die Urne als bei emotionsgeladenen Abstimmungen. Daher sei es wichtig, die Partei-Basis zu pflegen. Ihre Mobilisierung sei das Wichtigste für den Wahlerfolg im Herbst, sagt Rickenbacher.

Genau deshalb wollen Parteien die Basis verwöhnen: mit Theater, Komödien, oder Maskottchen. «Es geht darum, den eigenen Leuten Zuversicht zu geben, sie zu motivieren, dass sie dann auch aktiv am Wahlkampf mitmachen», sagt der Politologe Michael Hermann. Aber die Parteien erhofften sich auch eine Wirkung gegen aussen. Es gehe letztlich darum, eine Botschaft zu vermitteln.

Unberechenbare Symbolkraft

Diese Botschaft sollte Idealen und Werten der Partei entsprechen. Daher sei es schwierig, die richtigen Events zu finden, sagt Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher: «Wenn schon Worte Menschen verwirren können, dann tun es Bilder und Symbole noch mehr. Da weiss man nie so recht, was man auslöst.»


Events für die Parteibasis

2:07 min, aus HeuteMorgen vom 22.08.2015

Zum Beispiel das Wahllied, das eine bürgerliche Partei komponieren lassen hat und bei einigen Mitgliedern schlecht ankam. Trotzdem rät Politologe Michael Hermann zu Inszenierungen: «Die Frage ist, was ist eine gute Inszenierung. Auch eine ganz nüchterne Inszenierung kann eine gute Inszenierung sein.»

Ob nüchtern oder opulent, die Inszenierung muss zur Partei passen. Damit Grosspapa, Papa und Sohnemann wieder eine jahrelange emotionale Bindung zu ihrer Partei aufbauen.