Zum Inhalt springen

Schweiz Wie sicher ist Beznau 1?

Das älteste Atomkraftwerk der Welt hat Befunde am Herzen – genauer gesagt, am Reaktordruckgefäss. Wie gefährlich ist das und welche Konsequenzen müsste das haben? Der Axpo-Chef überrascht in der «Rundschau» mit einer Ankündigung.

Legende: Video Theke: Konzernchef Axpo Andrew Walo abspielen. Laufzeit 8:03 Minuten.
Aus Rundschau vom 16.09.2015.

Mit Ultraschall untersucht die Axpo das Reaktordruckgefäss von Beznau 1. Der Stahlbehälter ist das Herzstück der Reaktors: Dort heizen die radioaktiven Brennelemente das Wasser auf über 300 Grad. In der Stahlwand ist man auf Befunde gestossen.

«Es sind keine Risse, sondern es sind Einschlüsse im Material», meint Stephan Döhler. Er ist Leiter Kernenergie bei der Axpo, der Betreiberin von Beznau, und führt die «Rundschau» durch das AKW. Auf Nachfrage präzisiert er: «Das könnten Lufteinschlüsse sein, das könnten auch Einschlüsse sein zum Beispiel aus dem Schmiedeprozess. Mit dem Informationsstand, den wir heute haben, kann man das noch nicht mit letzter Genauigkeit sagen.»

Dennoch ist Döhler überzeugt von seinem Reaktor: «Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Unregelmässigkeiten, die wir hier gefunden haben, die Sicherheit und auch die Materialeigenschaften des Reaktordruckbehälters nicht beeinflussen.»

«Beznau wäre in Deutschland undenkbar»

Davon ist Dieter Majer ganz und gar nicht überzeugt. Der Energietechniker war jahrzehntelang in der deutschen Atomaufsicht tätig, davon 13 Jahre als Bereichsleiter im Bundesumweltministerium. «Anlagen dieser Art wären in Deutschland undenkbar», sagt er der «Rundschau».

Majer hat letztes Jahr eine Studie zu den Schweizer Altreaktoren im Auftrag der Schweizerischen Energiestiftung und Greenpeace erstellt und dabei auf zahlreiche Mängel hingewiesen. «Aus meiner Sicht ist die Forderung, die Anlage Beznau abzuschalten, durch diese neuen Befunde noch verstärkt worden.»

Altanlage nie so sicher wie ein Neubau

Sogar von ungewohnter Seite gibt es erstaunliche Aussagen: Neue Anlagen seien zehnmal besser gegen Kernschäden abgesichert als ältere wie Beznau. Das meint Nuklearingenieur Horst-Michael Prasser. Er lehrt an der ETH Zürich Kernenergie und ist ansonsten ein vehementer Verfechter der Atomtechnik.

Beznau sei sicher, aber: «Sie können niemals in Beznau eine Einrichtung einbauen, die einen eventuell auftretenden Kern, der geschmolzen ist, sicher auffängt und abkühlt. Das geht nicht bei den Altanlagen. Da brauchen Sie eine Neue.»

«Beznau: modern und sicher»

Auch die Schweizer Atomaufsicht bestätigt dies. «Es ist ganz klar so, dass eine neue Anlage natürlich sicherer ist als die bestehenden Anlagen, die schon älter sind.»

Auf die Rundschau-Frage nach einer Abschaltung von Beznau 1 betont Sebastian Hueber vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi aber: «Der Gesetzgeber hat klare Anforderungen gestellt an den Betrieb von Anlagen. Solange die Anlagen die Anforderungen erfüllen, können sie weiter betrieben werden gemäss der schweizerischen Gesetzgebung.»

Das freut den Axpo-Kernenergiechef Stephan Döhler. Er rühmt seinen 46 Jahre alten Atommeiler: «Das Kernkraftwerk Beznau steht heute da als ein modernes, vergleichbar sicheres Werk in der Welt.»

Beznau 1 geht später ans Netz als geplant

Allerdings muss Konzernchef Andrew Walo in der «Rundschau» einräumen, dass der Plan, Beznau 1 bereits Ende Oktober wieder ans Netz zu nehmen, nicht aufgeht. Der Grund: Die Aufsichtsbehörde Ensi forderte von der Axpo zusätzliche Messungen.

«Wir haben das geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass wir die zusätzlichen Anforderungen erfüllen werden», sagt Walo im Interview. Der neue Aufschalttermin verschiebt sich damit ins neue Jahr. «Wir sehen heute einen Termin Ende Februar 2016 als realistisch an.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Heinz imBoden (Berggeist)
    Energiewende 2050 Der Wohlstand einer Industrie-Gesellschaft beruht auf preiswerter Energie. Die Kosten für alternative Energien sind viel zu hoch. Die Energiewende ist ein „unfassbar teurer Irrweg“ und schwächt den Wirtschafts-Standort SCHWEIZ ohne neues sicheres eigenes ERSATZ-KKW. Die „Energiewende“ ist somit in der heutigen Ausrichtung ein Flop. Offenheit für kommende Entwicklungen sowohl bei den erneuerbaren Energien wie bei der Kernenergie wäre die richtige Energiestrategie.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marcel Fischer (M. Fischer)
    Wieso leisten wir uns - als eines der reichsten Länder der Welt - so alte Anlagen? Ein Störfall - nur einer! - und unsere Heimat ist für viele Jahre zerstört. Wieso wollen wir uns das antun? Das ist schlicht grotesk! Kein Politiker, Axpo-Vertreter oder sonstiger Interessenvertreter würde je in "Tschernobyl" wohnen. Und seinen Kindern würde er/sie dies auch nicht antun! Alles wegen ein "bischen" Geld?!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Brenner (Brenner)
    Prasser macht überhaupt keine "erstaunliche" Aussage, er bringt es nur auf den Punkt: Die angemessene Reaktion auf die Fukushima-Havarie - auch Altreaktoren - wäre 2011 gewesen, die drei Reaktoren Mühleberg und Beznau I und II durch ein einziges modernes KKW der III. Generation mit gleicher Leistung zu ersetzen. Das Rahmenbewilligungsgesuch lag seit 2009 auf dem Tisch. Aber eben...heute hat die SR-Kommission mehrheitlich wohl erkannt, dass die sichere Stromversorgung ohne KKW eine Illusion ist.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen