Winterthurer Dschihad-Häftling bleibt im Gefängnis

Der im Februar festgenommene mutmassliche Dschihad-Kämpfer aus Winterthur kommt nicht aus der Untersuchungshaft. Das Bundesstrafgericht hat seine Beschwerde abgewiesen.

Gefängnisgang, den ein grünes Gitter zweiteilt, rechts und links gehen grüne Zellentüren ab

Bildlegende: Der Untersuchungshäftling soll eine zentrale Figur der Winterthurer Salafisten-Szene sein. Keystone

Dem verhafteten Schweizer Bürger wird vorgeworfen, in Syrien für den IS im Einsatz gewesen zu sein. Die Äusserungen des Winterthurers, dass er in Syrien nur Hilfsgüter verteilt habe, bezeichnet das Bundesstrafgericht als Schutzbehauptung.

Es lehnte seine Beschwerde gegen die weitere Untersuchungshaft ab und hält fest, dass nach wie vor ein dringender Tatverdacht besteht. Offenbar ist der Mann eine zentrale Figur in der Winterthurer Dschihadisten-Szene.

Belastungszeuge aufgetaucht

Aus dem Beschluss des Gerichts geht hervor, dass die Bundesanwaltschaft einen belastenden Zeugen aufgetrieben hat. Sie erhielt im August mit Hilfe eines Rechtshilfegesuchs das Einvernahmeprotokoll mit dem diesem. Der inhaftierte Winterthurer wurde noch nicht mit dessen Aussagen konfrontiert, wie aus dem Beschluss des Bundesstrafgerichts weiter hervorgeht.

Bundesanwaltschaft will eigenes Verhör

Die Bundesanwaltschaft will den Zeugen noch selbst befragen. Sie hat deshalb beantragt, dass die entsprechenden Akten dem Beschuldigten vorerst nicht bekannt gegeben werden, damit die Identität der Person geheim bleibt.

Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts hat dieses Anliegen gutgeheissen und die Verlängerung der Untersuchungshaft gutgeheissen.

Geheime Botschaften zu schicken versucht

Zwar seien seit Ende Juni keine weiteren Verdachtsmomente gegen den verhafteten Winterthurer hinzu gekommen. Wegen Verdunkelungsgefahr bestehe aber weiterhin ein hinreichender Haftgrund.

Aus dem Beschluss der Beschwerdekammer geht ferner hervor, dass der Mann versuchte, mit der Hilfe anderer Häftlinge Botschaften aus der Untersuchungshaft hinauszubringen und zu empfangen.

Grosse Verdunkelungsgefahr

Das Gericht geht deshalb davon aus, dass der Beschuldigte ein grosses Interesse daran habe, weitere mutmassliche Personen zu warnen oder zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Islamisten-«Leitwolf»

Am 23. Juni berichtete die «Rundschau», Konvertit S. habe die An' Nur-Moschee in Winterthur besucht und mutmasslich die Koran-Verteilaktion «Lies!» verantwortet. Ausserdem habe er in denselben Fitnesszentren verkehrt wie andere bekannte Dschihad-Reisende aus Winterthur. Lesen Sie hier mehr.

Kämpfer rekrutiert?

Dem Konvertiten wird nicht nur vorgeworfen, selbst im Kriegsgebiet in Syrien gewesen zu sein. Er soll in seinem Kampfsportverein in Winterthur auch weitere Personen für den IS rekrutiert haben, die nach Syrien reisten. Zudem war er ein Bekannter jenes Geschwisterpaars, das Ende 2014 vom Vater vermisst gemeldet wurde.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ein Gotteskrieger aus Winterthur muss länger in Untersuchungshaft bleiben.

    Bundesanwaltschaft informiert über Winterthurer Salafisten

    Aus Rendez-vous vom 18.7.2016

    In der Region Winterthur sorgt eine Szene radikaler Islamisten seit längerem für Schlagzeilen. Bereits im Februar hatte die Bundesanwaltschaft ein Mitglied der Szene verhaftet. Sie wirft dem Schweizer Bürger nun vor, in Syrien gekämpft und weitere Jihad-Reisende rekrutiert zu haben.

    Dominik Meier

  • Schlag gegen Winterthurer Salafisten-Szene

    Aus Tagesschau vom 22.6.2016

    Die Bundesanwaltschaft hat eine zentrale Figur der Winterthurer Salafisten-Szene verhaften lassen. Das zeigen Recherchen der "Rundschau". Es ist das erste Mal, dass der Bundesanwaltschaft einer der mutmasslichen Hintermänner der Radikalisierung ins Netz geht.