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Beobachter im Arktischen Rat «Wir haben ähnliche Probleme wie die Arktis»

Der Beisitz der Schweiz im Arktischen Rat habe gute Gründe, sagt der Experte vom EDA. Schliesslich habe unser Land viel mehr gemeinsam mit der Nordpolregion als man denke.

Legende: Audio ««Die Arktis ist gar nicht so weit entfernt»» abspielen. Laufzeit 3:41 Minuten.
3:41 min, aus HeuteMorgen vom 12.05.2017.

SRF News: Was verspricht sich die Schweiz – die ja von der Arktis weit entfernt ist – vom Beobachterstatus im Arktischen Rat?

Stefan Flückiger: Die Schweiz ist gar nicht mehr so weit entfernt vom Nordpol. Wenn man die Arktis bereist, hört man immer wieder den Satz: Was in der Arktis geschieht, bleibt nicht in der Arktis. Tatsache ist: Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell, wie der Rest des Planeten – und das hat die arktische Region mit der Alpenregion gemeinsam. Zwar war die Nordpolregion bisher ein verschlafenes Gebiet. Doch geopolitisch wird sie immer wichtiger.

Inwiefern wird sie geopolitisch immer wichtiger?

Bisher war die Region vor allem für die Wissenschaft interessant. Doch mit der Klimaerwärmung verändern sich die Meeresströmungen und die Biodiversität, was Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen hat. Ausserdem werden mit dem schmelzenden Meereis die Handelswege kürzer. So braucht ein Tanker von Japan in den Atlantik nur noch ein Drittel so lange wie bisher. Der Transport vom Atlantik in den Pazifik verkürzt sich auf zwei Drittel der bisherigen Dauer. Die Handelsrouten werden also bald durch die Arktis verlaufen. Hinzu kommen die vermuteten Rohstoffvorkommen: Man geht davon aus, dass 13 Prozent der weltweiten Erdölreserven in der Arktis lagern. Es gibt also eine Vielzahl von wirtschaftlichen und damit politischen Interessen, die neuerdings aufeinanderstossen.

Was heisst das für die Schweiz? Profitiert hierzulande vor allem die Wissenschaft oder auch die Wirtschaft?

Primär geht es immer noch um die Wissenschaft. Mit dem Beobachterstatus im Arktischen Rat werden die Schweizer Wissenschaftler in diese Gemeinschaft integriert, was wichtig für zukünftige Projekte ist. Die Schweiz spielt in diesem Bereich seit langem in der «Champions League», sie ist seit über 100 Jahren in der Arktis aktiv. Die Schweiz hat auch viele bekannte Forscher wie Thomas Stocker von der Uni Bern, Hubertus Fischer oder Konrad Steffen hervorgebracht. Alle drei haben über Jahre wissenschaftliche Forschungsprojekte in Grönland betreut. Ausserdem hat die Arktis sehr viel gemeinsam mit den Alpen: Während der vier Jahre, in der die Kandidaten-Kampagne für den Arktischen Rat lief, haben wir immer wieder von der Schweiz als vertikaler arktischer Nation gesprochen. Tatsächlich betreffen viele ähnliche Probleme die Schweiz und die Arktis. Entsprechend gibt es viele wissenschaftliche Projekte, die vergleichend Phänomene in der Arktis und in der Schweiz untersuchen.

Das Gespräch führte Tina Herren.

Stefan Flückiger

Der langjährige Schweizer Diplomat ist seit 2014 Chef der Abteilung sektorielle Aussenpolitik des Aussendepartements. In dieser Funktion hat er die Gespräche geleitet, die nun zum Beobachterstatus der Schweiz im Arktischen Rat geführt haben.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Nur, bei uns (UNS) wird der Golfstrom nicht kippen...., aber unsere Gletscherschmelze wird einen (bescheidenen) Beitrag dazu liefern... und dann spielts auch keine Rolle mehr... urghhhh....!
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  • Kommentar von Urs Heim (Ursus)
    Was in der Arktis passiert geht alle Länder der Erde etwas an, nicht nur die Anrainerstaaten die sich die Hände ob all den Rohstoffen gierig reiben. Wenn die Polkappen abschmelzen ist auch unserer Gletschereis dran, darum -- JA -- für die Energiestrategie 2050 des Bundes!!-An die Gegner der Initiative: Das Licht geht nach einem JA 100% nicht aus, denn mit den richtigen Maßnahmen mit innovativen Lösungen können wir ein Musterbeispiel für den sorgsamen Umgang mit der Energie werden!!
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    1. Antwort von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
      @Urs Heim; Heute werden ca. 85% des weltweiten Energiebedarfs mit Kohle, Erdgas und Erdöl abgedeckt. Die schrittweise Ablösung dieser fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien und Kernenergie ist ein Riesending. Wahrscheinlich werden sie es auch gemeinsam nicht schaffen. Auf eine dieser beiden Quellen zu verzichten, wäre die grösste Dummheit, die wir Menschen machen könnten. Es braucht ganz sicher beide! Wer weiter denkt, sagt "Nein zur Energiestrategie 2050"!!!
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  • Kommentar von Benedikt Jorns (Benedikt Jorns)
    Die Energiestrategie 2050 würde unseren CO2-Ausstoss stark erhöhen. Hier die "Dreckstrom-Rangliste" der westeuropäischen Länder: Den grössten Kohle- und Gas-Anteil bei der Stromproduktion haben 1. Deutschland (64,2%) / 2. Italien (61,9%) / 3. Österreich (24,4%) ... Den kleinsten Kohle- und Gas-Anteil haben Norwegen (2,4%) und die Schweiz (4,7%) ... Und nun sollen wir mit der Energiestrategie 2050 tatsächlich Deutschland nacheifern? Zur "Subventionitis 2050" ein klares "Nein"!!!
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    1. Antwort von Paddy Matter (Paddy Matter)
      Die Energiewände ist wie folgt zu verstehen. Wenn sich jemand sich vornimmt die Alpen mit dem Bike von Ost nach West zu durchqueren dann nennt man das ein Ziel. Zum Zeitpunkt der Zielsetzung ist der Athlet noch nicht in der Lage diese Leistung zu erbringen. Er hat zwar das Potential es zu schaffen er muss aber daran arbeiten und neue Konzepte und Lösungen erarbeiten. Genau so ist das mit den Energiewänden man muss Ziele haben die es sich lohnt zu erreichen wie den Klimaschutz.
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    2. Antwort von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
      Ach, Frau Matter, würden doch mehr Leute denken wie Sie! Es macht mich schon etwas wehmütig, dass sich nicht mehr Menschen mit Ihrer Einstellung äussern. (Auf der einen Seite beklagt man sich, dass Abstimmungsresultate nicht konsequent umgesetzt werden, auf der andere Seite macht man mit der konsequenten Umsetzung eines anderen Gesetzes Angst. Das ist purer Opportunismus. (Wilhelm Busch bezeichnete einst Opportunisten als "Jenachdemer"...)
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