«Wir sind auf Mitarbeitende aus diesen Ländern angewiesen»

Wie geht es nach dem Ventiklausel-Entscheid des Bundesrats mit dem Schweizer Gesundheitswesen weiter? Walter Weder von der Direktion des Zürcher Unispitals zeigt sich im Gespräch mit Radio SRF mehr als besorgt.

Welche Konsequenzen wird der Beschluss des Bundesrates für das Gesundheitswesen haben?

Walter Weder: Das ist zurzeit schwierig abzuschätzen, weil wir nicht genau wissen, in welchem Mass der Bundesrat dies auf dem Gesamtarbeitsmarkt einsetzen will. Es ist denkbar, dass der Bundesrat erkennt, dass die Spitäler, die absolut darauf angewiesen sind, ihr Personal aus dem EU-Raum rekrutieren können, besondere Kontingente haben. Werden diese Beschäftigten nicht mehr erlaubt, wird es den Spitälern nicht mehr möglich sein, ihren Auftrag in der Gesundheitsversorgung wahrnehmen zu können. Das gilt aber auch für die Universitätsspitäler in der Forschung und Lehre.

Sie erhoffen sich also eine Sonderregelung für das Gesundheitswesen?

Wenn das nicht erkannt wird, wird es dramatische Konsequenzen haben. Wir sind auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus diesen Ländern angewiesen. Sie leisten seit vielen Jahren eine ausgezeichnete Arbeit und sind bestens integriert. Wenn wir dies nicht mehr wahrnehmen können, gibt der Schweizerische Arbeitsmarkt nicht genügend Personal her, damit wir die Aufgaben erfüllen können.

Der Bundesrat hat die Zahl der Langzeitbewilligungen beschränkt, aber nicht jene der Kurzaufenthalte. Ist es denkbar, dass das medizinische Personal aus dem Ausland vor allem via Kurzaufenthaltsbewilligungen weiterhin im Gesundheitswesen in der Schweiz tätig sein wird?

Ein Arzt untersucht die Hand einer Patientin.

Bildlegende: Welche Konsequenzen der Ventiklausel-Entscheid für das Gesundheitswesen hat, ist schwierig abzuschätzen. Keystone

Qualifizierte Personen werden sich nicht auf reine Kurzzeitanstellungen einlassen. Man muss auch wissen: Im EU-Raum, insbesondere in Deutschland, herrscht in der Zwischenzeit ein Mangel an Pflegepersonen und Ärzten. Wenn wir in der Schweiz nicht mehr mit attraktiven und entgegenkommenden Bedingungen arbeiten können, haben wir keine dieser hochqualifizierten Personen mehr hier. Wir können unternehmerisch schliesslich unsere Aufgabe nicht mehr erfüllen.

Das heisst: Wenn der Bundesrat kein spezielles Kontingent für das Schweizer Gesundheitswesen zulässt und nur noch Kurzaufenthalter möglich sind, dann wird sich das Profil des ausländischen Pflegepersonals in der Schweiz deutlich verändern?

Das sind unsere höchsten Bedenken.

Befürchten sie denn nun auch auch einen höheren administrativen Aufwand für die Rekrutierung des Gesundheitspersonals?

Das ist natürlich das zweite Problem. Wenn der Aufwand steigt, wird das unweigerlich einen enormen Kostenschub auslösen, ohne dass irgendeine Qualitätssteigerung erreicht wird.

Das Gespräch führte Anna Lemmenmeier.