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Schweiz «Wir werden mehr Strom aus Europa beziehen»

Mühleberg ist ab 2019 voraussichtlich Geschichte. Welchen Einfluss hat die Abschaltung auf die Stromversorgung der Schweiz? Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie, gibt Auskunft.

Woher bezieht die Schweiz in einigen Jahren den fehlenden Strom, der mit der Abschaltung von Mühleberg voraussichtlich verloren geht?

Zum einen werden wir mehr aus erneuerbaren Energien beziehen. Zum andern fliesst sicher mehr aus Europa in die Schweiz – zu günstigen Konditionen. Wir gehen davon aus, dass wir mehr und mehr in den europäischen Strom-Binnenmarkt integriert werden.

Können wir beim Strom aus Europa sagen, ob das Atomstrom oder Kohlestrom sein soll – oder eben nicht sein soll?

Grundsätzlich schon. Es gibt die Möglichkeit, einen Herkunftsnachweis zu verlangen. Für uns stellt sich aber die Frage, ob wir dies für alle als Pflicht machen wollen. Auf der Stromrechnung haben Konsumenten bereits heute klar deklariert, wie viel ist grüner, wie viel ist grauer Strom und wie viel kommt beispielsweise aus einem Kernkraftwerk.

Welchen Einfluss die Abschaltung von Mühleberg auf den Schweizer Strommarkt hat, lässt sich also nicht genau abschätzen?

Auch ohne die Produktion von Mühleberg dürfte die Versorgungssicherheit in unserem Land garantiert sein. Wir müssen uns primär gut mit Europa vernetzen. Dann können wir wie bisher weiterhin mit einer guten Versorgung rechnen.

Mit Europa laufen die Verhandlungen über ein Energieabkommen. Es geht um grenzüberschreitenden Stromhandel, um Marktzugang. Was bedeutet das für die Schweizer Verhandlungsposition, wenn die eigene Stromproduktion sinkt?

Wir beziehen heute schon relativ viel Strom aus Europa. Von dem her wird unsere Position durch die geplante Abschaltung nicht aufgeweicht. Auch in andern Ländern werden in den nächsten Jahren einzelne Kraftwerke vom Netz genommen. Handkehrum werden neue Anlagen gebaut.

Die Bernischen Kraftwerke AG BWK sagt, sie nimmt Mühleberg aus wirtschaftlichen Gründen vom Netz und nicht aus politischen. Walter Steinmann, teilen Sie diese Auffassung?

Ja, die teile ich. Die BKW hat gerechnet: "Was müssten wir investieren, wenn wir Mühleberg bis 2025 am Netz haben wollten." Sie kam zum Schluss, dass die Unsicherheit und die Investitionen zu gross wären.

Das Interview führte: Philippe Chapuis

Zur Person

Zur Person

Walter Steinmann ist seit über zehn Jahren Direktor des Bundesamts für Energie. Der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger hatte den heute 61-Jährigen auf den Posten gehievt. Zuvor war Steinmann Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Solothurn.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Wo liegt das Problem? Es ist doch besser, gemeinsam umzustellen, als selber ein Süppchen zu kochen und das uns Bürger zahlen zu lassen! Ausserdem nützt es rein gar nichts, wenn wir eine "saubere" Schweiz haben, rundherum aber nach wie vor AKWs und Kohlekraftwerke stehen. Unsere Luft wird dann auch nicht sauberer. Also überschätzen wir die kleine Schweiz nicht ständig, öffnen endlich den Markt nach Europa und wir Bürger zahlen deutlich weniger. Nun müssen wir die Vorteile geniessen können! Sofort
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    1. Antwort von M. Keller, Thurgau
      Das Problem besteht darin, das man so keine Alternativen in Erwägung zieht. Und sich ausserdem in eine ungesunde Abhängigkeit begiebt... Stellen Sie sich mal vor: EU-Staaten könnten der Schweiz den Strom abstellen... Addieren wir nun die französische Methode und die deutsche Kavallerie dazu, und überlegen wie das in Berlin 1948 aussah, als Russland den Strom kappte... Wir sind umgeben von "Freunden, die nur unser Bestes wollen" (unser Geld); sollte man da nicht die Selbstversorgung forcieren?
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  • Kommentar von Iradj Shahedi, Zollikofen
    Die Fukushima hat vieles geändert. Auch die notwendigkeit um eine oder andre neue Weg der Erneuerbare Energie zu gewinnen. Ich hab eine Erfindung gemacht, dass man Zeit und ort unabhängig,strom gewinnen kann, dass auch zu viel Günsgtigere Pries/leistung verhältnis. aber die Regierung redet nur , wenn es um taten kommt! bleibt lieber in abhängigkeit der Gas und öl länder. Durch meine Erfindung , kann man nicht nur alle Strom die man braucht,erzeugen. sonder auch noch die gas und Heizöl ersetzen.
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  • Kommentar von Hans Zogg, Chur
    Genau, holen wir den Atomstrom von Frankreich. Neue Kohle- und Gaskraftwerke und schon bald haben wir Smog wie in China. Das wollen ja die lieben, linken, grünen und netten! Aber die Stimmbürger wollen das ja so. Sie stimmen und wählen ja genau so. Also leben sie damit! Selber schuld! Ha, ha, ha!
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