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Wie stehts um die Wirksamkeit von Impfstoffen gegen die Delta-Variante?
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.07.2021.
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Wirksamkeit der Impfstoffe So aussagekräftig sind Impf-Studien zur Delta-Variante

Die Virusmutation Delta lässt in der Schweiz die Infektionszahlen wieder ansteigen und ist zur dominanten Virusvariante geworden. Weltweit ist Delta nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen in 124 Ländern nachgewiesen worden – das sind 13 mehr als noch in der Vorwoche. In den letzten Tagen wurden einige Studien publiziert, welche die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Delta-Variante untersuchten. Wie aussagekräftig die sich teils widersprechenden Studien sind, erfahren Sie hier.

Was zeigen die Resultate der Studie aus China? Die chinesische Studie untersuchte Menschen, die in Quarantäne waren nach dem Kontakt mit einer Person, die an der Delta-Variante erkrankt war. Der PCR-Test sei bei den isolierten Personen durchschnittlich schon nach vier anstatt wie bei früheren Varianten nach sechs Tagen positiv gewesen. Ausserdem sei die Viruslast beim ersten positiven Test 1200 Mal höher gewesen als bei früheren Virusmutationen, was auf eine rasche Vermehrung hindeutet.

Welche Studienresultate ergaben sich aus Kanada? Der kanadischen Studie zufolge seien die gesundheitlichen Risiken nach einer Infektion mit der Delta-Variante deutlich höher als bei früheren Mutationen. Das Risiko für eine Spitaleinweisung sei um 120 Prozent erhöht und die Gefahr, Intensivpflege zu benötigen, um etwa 287 Prozent. Mehr als doppelt so hoch sei ebenfalls das Sterberisiko (plus 137 Prozent). Beide Studien wurden bislang in keinem Fachjournal veröffentlicht.

«Alpha, Beta, Gamma»: Die wichtigsten Coronavirus-Varianten

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Die WHO hat die Namensgebung der Coronavirus-Varianten angepasst. Die griechischen Buchstaben dienen der Vereinfachung und um rassistische Ressentiments zu vermeiden. SRF teilt die Meinung, dass kein Land für die Entdeckung und die Meldung von Varianten stigmatisiert werden soll und übernimmt diese Namensempfehlung.

WHO-Name

wissen-schaftlich

erstmals aufgetaucht

Alpha

B.1.1.7

Vereinigtes Königreich,
September 2020

Beta

B.1.351

Südafrika,
Mai-2020

Gamma

P.1

Brasilien,
November 2020

Delta

B.1.617.2

Indien,
Oktober 2020

Links:

Was zeigt die Studie der englischen Gesundheitsbehörde? Die Studie aus Grossbritannien untersuchte, wie hoch der Schutz der Impfungen gegen die Delta-Variante ist. Die Ergebnisse zeigen: Zwei Dosen des Impfstoffs von Pfizer/Biontech oder AstraZeneca sind gegen die Delta-Variante fast genauso wirksam wie gegen die bisher dominierende Alpha-Variante. So schützt eine vollständige Impfung mit Pfizer/Biontech zu 88 Prozent vor einer symptomatischen Erkrankung durch die Delta-Variante – gegen die Alpha-Variante bestand sogar ein Schutz von 93.7 Prozent. Die Zweifachimpfung mit AstraZeneca schützt zu 67 Prozent wirksam gegen die Delta-Mutation, verglichen mit 74.5 Prozent gegen die Alpha-Mutation.

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Aus dem Archiv: Wirkt Moderna gegen die Delta-Variante?
03:53 min, aus Rendez-vous vom 21.07.2021.
abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.

Wieso spricht eine israelische Studie von einer 30 Prozent verminderten Effektivität der Impfung gegenüber der Delta-Variante? Laut Daniel Speiser, Forscher und Mediziner an der Universität Lausanne, ist diese Studie aus Israel qualitativ schlechter. Es sei sehr schwierig, gute Studien durchzuführen, da sie eine Randomisierung – eine Zufallszuteilung – von Probanden zur Impf- und Placebogruppe voraussetzen. Und dies sei meistens nicht möglich. Bei mehr Teilnehmenden und längerer Beobachtungszeit würden qualitativ bessere Studien entstehen. Das Studiendesign hat deshalb einen grossen Einfluss auf die Resultate.

Wie kommen klinische Studien zustande? Die randomisiert-kontrollierte Studie ist die hochwertigste Forschungsmethode, um Behandlungseffekte zu untersuchen. Dabei wird eine Patientengruppe zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhält das zu untersuchende Medikament, während der zweite Teil der Probandinnen und Probanden ein Placebo bekommt. So kann untersucht werden, wie wirksam ein neues Medikament im Vergleich zu einem Placebo ist. Weiter gewährleistet die Randomisierung, dass die Gruppen so identisch wie möglich und nicht bekannte Unterschiede möglichst gleich verteilt sind. Damit werden unabsichtliche Verfälschungen von Ergebnissen verhindert.

SRF 4 News, 22.07.2021, 09:50 Uhr;

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36 Kommentare

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  • Kommentar von Letizia Stefani  (Stefani)
    Bei diesen Statistiken bin ich sehr vorsichtig geworden, vor allem, seit ich diesen Artikel über eine Studie für ein potenzielles Mittel gegen CoVid-19 gelesen habe, in dem steht, dass die Daten dieser Studie manipuliert worden sind. Link zu Artikel:
    https://www.theguardian.com/science/2021/jul/16/huge-study-supporting-ivermectin-as-covid-treatment-withdrawn-over-ethical-concerns
    Oxford University macht jetzt eine Studie zu diesem Medikament:
    https://www.bbc.com/news/health-57570377
  • Kommentar von Andi Raschle  (aras)
    Headline des Artikels: "So aussagekräftig sind Impf-Studien zur Delta-Variante". Was haben den nun die beiden Studien aus China und Kanada direkt mit der Impfung zu tun? Ich sehe da nur Aussagen darüber, wie "gefährlich* Delta sein soll...
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Ja, es geht darum, wie gut die Impfungen vor Delta schützen (symptomatische Erkrankung).
  • Kommentar von Tobias Flückiger  (Töbu)
    Ich finde es sehr spannend, mich hier, über den Community-Desk ein Stück weit auch mit SRF, über Studien zu unterhalten. Die Frage nach den angemessenen Massnahmen - und was beschäftigt uns mehr, wenn überhaupt etwas ernsthaft - ist zweifellos eine wissenschaftliche. Aber ist es erlaubt, einen Artikel zu kritisieren, wenn man ihn in bestimmter Hinsicht irreführend findet? Sind diesbezüglich unterschiedliche Interpretationen möglich, darf man Kritik äussern, sogar mit dem Ausdruck 'irreführend'?
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Jetzt muss ich mich erklären. Aber um noch ein Missverständnis auszuräumen: Es ist nicht allein eine wissenschaftliche Frage. Hat in der letzten PK Frau Hurst super gesagt: Über die Umsetzung und mithin den Rahmen, innerhalb dessen die Taskforce uns bei der Entscheidungsfindung behilflich sein kann, muss ethisch und mithin politisch und gesamtgesellschaftlich entschieden werden. Bin sogar der Ansicht, Wissenschaftler/innen sollten dabei nicht zuviel Gewicht bekommen, sich möglichst zurücknehmen.
    2. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Wo das gesagt ist: Dieser Artikel hier erweckt den Eindruck, die Studie aus England sei zu einem verlässlichen Ergebnis gekommen, die Abweichung aus Israel sei - jedenfalls wahrscheinlich - einer minderen Studienqualität zuzuschreiben. Es wird nur angedeutet, es habe an Teilnehmern und Beobachtungszeit gefehlt. Die Studie wird weder verlinkt noch angegeben, wo man sie finden kann. Zudem entsteht der Eindruck, die UK-Studie sei kontrolliert und randomisiert. Das ist sie bestenfalls tendenziell.