Wirtschaftsvertreter können mit diesem Inländervorrang leben

Die im Inland verfügbaren Arbeitskräfte sollen besser ausgeschöpft werden, damit künftig weniger Fachkräfte aus dem Ausland geholt werden müssen. Die Wirtschaft begrüsst die Vorschläge und hofft insgeheim wohl, dass sie möglichst wenig an ihrer bisherigen Politik ändern muss.

Sie wollen keine starren Kontingente. Das ist das wichtigste Anliegen der Wirtschaftsverbände und der Gewerkschaften. Entsprechend gross ist deshalb die Erleichterung, dass die zuständige Nationalratskommission dem Rechnung trägt. Dazu sagt Roland Müller, der Direktor des Arbeitgeberverbandes: «Es wurde eine wichtige und richtige Weichenstellung vorgenommen, indem der Schwerpunkt auf die Ausschöpfung des Inländerpotential gelegt worden ist.»

Müller gibt zu, dass sich die hiesigen Unternehmen beim Besetzen von offenen Stellen bisher noch nicht genug um inländische Arbeitskräfte bemüht haben. Er beteuert, die Arbeitgeber seien gewillt, ihre Personal-Politik zu ändern.

Gewerbeverband sieht keinen Handlungsbedarf

Hans-Ulrich Bigler vom Schweizerischen Gewerbeverband gibt sich ebenfalls kooperativ. Er sieht bei seinen Verbandsmitgliedern, den kleinen Betrieben der Schweiz, aber kaum Handlungsbedarf.

Schliesslich habe das Gewerbe schon heute sehr viele Frauen und ältere Arbeitnehmer in den Betrieben angestellt, betont Bigler. Hier das Inländerpotenzial noch stärker auszuschöpfen, sei kaum noch möglich. «Es geht sicher darum, die Transparenz der vakanten Stellen aufzuzeigen, und die Qualifikationen, die dafür nötig sind, zu ermöglichen.»

«  Wenn inländische Fachkräfte fehlen, muss der Weg für ausländische Fachkräfte offen bleiben. »

Hans-Ulrich Bigler
Direktor Schweizerischer Gewerbeverband

Der Gewerbeverbands-Direktor will Hand bieten für mehr Transparenz, um offene Stellen einfacher mit arbeitsuchenden Inländern besetzen zu können. Bigler macht aber gleich deutlich, dass sich das Gewerbe auch künftig nicht in die Personalpolitik reinreden lassen will, auch dann nicht, wenn der Bundesrat die Notbremse zieht und eine obligatorische Meldepflicht für Arbeitgeber einführt.

Dann müssten Firmen offene Stellen zuerst den regionalen Arbeitsvermittlungszentren melden, bevor sie sie neu besetzen dürfen: «Wenn inländische Fachkräfte fehlen, muss der Weg für ausländische Fachkräfte offen bleiben.»

Meldung ans RAV = Bürokratie?

Roland Müller vom Arbeitgeberverband fürchtet sich vor einem anderen Szenario: vor zu viel Bürokratie: «Es macht keinen Sinn, Mangelberufe dem RAV anzumelden, wenn man schon weiss, dass es in der Schweiz diese Arbeitkräfte nicht gibt.» Das heisst: Den Informatiker soll man weiterhin direkt im Ausland rekrutieren können, weil es von denen ohnehin zuwenige gibt in der Schweiz. Die Bankangestellte hingegen muss man zuerst im Inland suchen.

«  Wir verstehen nicht, warum man die Meldepflicht nicht schon heute eingeführt hat. »

Daniel Lampart
Chefökonom SGB

Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbundes geht das alles zuwenig weit. Er hätte gern, dass jede offene Stelle zuerst den Arbeitslosenzentren gemeldet werden muss, bevor sie besetzt wird. «Wir verstehen nicht, warum man die Meldepflicht nicht schon heute eingeführt hat. Es sind so viele Personen erwerbslos in diesem Land wie noch nie. Vor allem ältere Menschen haben Mühe, eine Stelle zu finden.»

Obendrein fordert Lampart Lohnkontrollen und einen besseren Schutz für ältere Arbeitnehmerinnen und -nehmer. Doch dafür dürfte es im Parlament kaum eine Mehrheit geben.