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Schweiz Wohldosiert zum Rentenalter 67 – eine Idee des Gewerbeverbands

Zur finanziellen Sicherung der AHV sollen Männer und Frauen künftig länger arbeiten. Der Gewerbeverband schlägt dazu eine schrittweise, monatliche Anhebung des Rentenalters vor – auf 67 Jahre im Jahr 2030. Widerstand ist vorprogrammiert.

Spitze des Gewerbeverbands an PK im Bern. Zusammen mit SVP-Nationalrat Thomas de Courten.
Legende: SGV-Spitze stellt ihr Modell zur AHV-Sanierung vor: Langsam, aber sicher in Richtung 67. Keystone

Menschen leben länger und beziehen entsprechend länger Rente. Sozialminister Alain Berset will die AHV über eine höhere Mehrwertsteuer sanieren. Dies lehnt der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) als wirtschaftsfeindlich ab und ist überzeugt: Die AHV muss selber mehr Einnahmen generieren, und zwar über ein höheres Rentenalter.

«Die Leistungen müssen sich an den vorhandenen Mitteln orientieren. Man kann nicht immer ausgeben und es nicht bezahlen können», unterstreicht SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler gegenüber SRF. Ihm schwebt deshalb eine kontinuierliche Anhebung des Pensionsalters vor – etwa in Monatsschritten: «Das wäre sozialverträglich und käme der Generation, die in den Ruhestand tritt, sehr entgegen.»

Alter 67 bis 2030 – geschlechtsneutral

SVP-Nationalrat Thomas de Courten unterstützt das Modell des Gewerbeverbandes. Über die Jahre hinweg könne so ein geschlechtsneutrales Rentenalter erreicht werden. Als Zielgrösse nennt der Baselbieter Politiker Alter 67 für Mann und Frau bis 2030.

Den Vorschlag für ein Rentenalter 67 hatte vor zehn Jahren bereits Bundesrat Pascal Couchepin gemacht und war mit fliegenden Fahnen untergegangen. Auch das Volk verwarf eine Erhöhung mehrmals. De Courten erklärt den Aufschrei mit dem Umstand, dass damals eine «Reform auf einen Schlag» geplant worden sei.

Bigler: «Es ist ein sehr tiefer Preis...»

De Courten ist überzeugt, dass das Rentenalter 65 bereits heute für viele nicht mehr sakrosankt ist: Ein Drittel der Rentenberechtigten arbeite länger, als sie müssten. Der SVP-Politiker sieht darin die Bereitschaft, weiterzuarbeiten und stellt fest: «Ich habe deshalb keine Bedenken, dass die Bevölkerung zustimmen kann, wenn es nicht sprunghafte Veränderungen gibt.»

Dennoch: SVP-Nationalrat de Courten und Gewerbeverbandsdirektor Bigler wissen, dass ihr Vorschlag Widerstand provozieren wird. Trotzdem glauben sie an ihr Modell: «Das ist der Preis. Es ist ein sehr tiefer Preis für eine finanziell gesicherte Altersrente über die nächsten zehn bis 20 Jahre hinweg», sagt Bigler. Er fordert deshalb den Bundesrat auf, seine Mehrwertsteuerpläne zu überdenken. Dieser will sein Reformpaket «Altersvorsorge 2020» Ende Jahr in die Vernehmlassung schicken.

brut;vmar

16 Kommentare

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  • Kommentar von C. Blocher, Zürich
    Mit Rentenalter 67 will der Gewerbeverband die AHV entlasten, UND GLEICHZEITIG konsequenterweise ERGÄNZUNGSLEISTUNGEN UND SOZIALHILFE ERHÖHEN! Denn eines ist klar: Die Privatwirtschaft ist in keinster Weise an Mitarbeiter von über 60 Jahren interessiert; diese Arbeitslosen müssen dann so oder so vom Staat finanziert werden. Bin ja mal gespannt, ob die Schweizer Bevölkerung auf diese plumpe Gewerbeverband-Mogelpackung reinfällt??
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Dieser Vorschlag entspricht der kapitalistischen Logik statt der einer Marktwritschaft zum Nutzen Aller. Es geht um die Verteilung des Kuchens: immer mehr für das Kapital bzw. die Habenden, welche ihr Geld durch Besitz verdienen und immer weniger für die Erwerbstätigen, welche ihr Geld durch Arbeit verdienen. Diese Entwicklung führt ins Verderben. Am Schluss kann nichts mehr aufgehen: Zuviel Produktion, Erwerbslose, Bedürftige und Schulden, zu wenig Einkommen, zu viel Vermögen bei Wenigen.
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Durch den Produktivitätsfortschritt ist es nicht nur möglich sondern nötig, dass die Menschen weniger arbeiten im Verhältnis zur Lebenserwartung! Nur muss natürlich der Produktivitätsfortschritt auch dazu verwendet werden, den Menschen ein Einkommen zu finanzieren. Aber nein, hier geht es wiedermal nur darum, dass die Menschen mehr zu gleichviel oder weniger arbeiten sollen zu Gunsten höherer Kapitalerträge. Eine klare Kampfansage gegen die Menschen und für das Kapital. Abscheulich!
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